Volleyball

Volleyballerinnen aus Köpenick setzen sich hohe Ziele

Im August war noch unklar, ob das Team überhaupt in der Bundesliga an den Start würde gehen können. Jetzt will die Mannschaft von Trainer Benedikt Frank sogar das Viertelfinale erreichen.

Foto: Bernd Wende Sportfoto / pA/Photowende

Die Fans des Volleyball-Bundesligisten Köpenicker SC werden sich in dieser Saison wohl des Öfteren die Augen reiben, weil sie ihr Team auf dem Feld nicht gleich auf Anhieb erkennen. Der finanziell angeschlagene Klub beabsichtigt bei den Heimspielen in unterschiedlichen Trikots aufzulaufen, die Sponsoren jeweils nach ihren eigenen Wünschen gestalten können. „Geldnot macht erfinderisch“, meint Teammanager Sven Dröger. Zum Saisonauftakt gegen den Schweriner SC am Mittwoch (18 Uhr, Sporthalle Hämmerlingstraße) ist eine Krankenkasse Sponsor des Tages, so dass die Köpenicker dann in Grün anstelle des traditionellen Rot antreten werden. Dröger versichert: „Mit der Liga ist das alles abgesprochen.“

Noch im August war unklar, ob die Berlinerinnen in dieser Saison überhaupt in der Bundesliga antreten würden oder sich in die zweite Liga zurückziehen. „Mein Gefühl war damals eher, dass wir es nicht schaffen“, so Dröger. Sponsorenzusagen hatten sich zerschlagen, hinzu kamen Verbindlichkeiten aus früheren Jahren. Der Verein initiierte deshalb die Aktion „100 Retter für den KSC“, an der sich Fans, Firmen und Prominente wie der Boxtrainer Ulli Wegner beteiligten, die jeweils mindestens 500 Euro spendeten. Mittlerweile ist die Saison gesichert, doch der finanzielle Spielraum bleibt eng: „Der Patient ist noch nicht gesund“, sagt Sven Dröger. „Wir können uns weiterhin keine großen Sprünge erlauben. Der Etat des Vereins liegt nach eigenen Angaben bei etwa 450.000 Euro. Spitzenklubs wie Schwerin oder Meister Dresden können mehr als doppelt so viel aufbieten.

Mit dem Abstieg will der Köpenicker SC in dieser Saison, in der mit dem VC Olympia noch eine zweite Berliner Mannschaft in der Bundesliga antritt – unter diesem Namen sammelt die Junioren-Nationalmannschaft im Oberhaus Spielpraxis –, trotzdem nichts zu tun haben. Das Ziel lautet vielmehr Viertelfinale. „Entweder auf kurzem Weg durch eine Platzierung unter den ersten Sechs oder über den Umweg des Pre-Play-offs“, sagt Trainer Benedikt Frank. „Wir sind überzeugt, dass wir das schaffen können.“ Es wäre nach zehn Jahren Bundesligazugehörigkeit der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte.

Die Zeiten der Resterampe sind vorbei

Mit Nadja Schaus, die aus Münster an die Spree gewechselt ist, konnte der Klub eine 54-fache Nationalspielerin verpflichten. Sie kehrt in Köpenick wieder auf die Position der Außenangreiferin zurück, nachdem sie zuletzt vor allem als Mittelblockerin eingesetzt wurde, dort aber nicht glücklich wurde. Mit dem Schweriner SC wurde Schaus 2011 Deutsche Meisterin. Neu dabei sind auch die bundesligaerfahrene Zuspielerin Mona Elwassimy, die künftig die Kapitänsbinde trägt, und die Tschechin Leona Neumannova, außerdem die drei Amerikanerinnen Erica Wilson, Kindra Carlson und Lauren Barfield. Letztere ist mit 1,96 Meter die größte Spielerin in der KSC-Bundesliga-Geschichte. „Das sind alles Spielerinnen, die uns richtig weiterbringen“, sagt Benedikt Frank.

Der Trainer setzt seine Hoffnungen allerdings auch in die Spielerinnen, die schon in der letzten Saison das Köpenicker Trikot getragen haben. „Sie sind bei 100 Prozent mehr Leistung als im vergangenen Jahr zum gleichen Zeitpunkt“, so Frank. „Vergangene Saison waren wir die Resterampe der Liga, mit Spielerinnen, die anderswo keine Chance mehr bekommen haben“, sagt der Coach. „Inzwischen haben sie sich weiterentwickelt und wollen jetzt liefern.“