Füchse-Frauen

Torjägerin zwischen Bundesliga und Beziehung

Seit acht Jahren spielt Alexandra Sviridenko bei den Spreefüxxen Handball. Beim Bundesliga-Heimauftakt gegen den Deutschen Meister drückt auf der Tribüne auch Freund Patrick Hausding die Daumen.

Foto: Massimo Rodari

Eine solch anstrengende Saisonvorbereitung wie in diesem Jahr hatte Handballerin Alexandra Sviridenko noch nie erlebt. Das lag nicht nur an Spreefüxxe-Trainer Lars Melzer, der seine Spielerinnen im Sommer ordentlich herumscheuchte, um sie auf die neuen Herausforderungen in der Bundesliga vorzubereiten, sondern vor allem auch an ihrem Freund, Turmspringer Patrick Hausding.

Während der Schwimm-Europameisterschaften in Berlin im August schaute Sviridenko so oft es ging in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee vorbei, um ihrem Liebsten dort die Daumen zu drücken. Ein typischer Tag sah für die 25-Jährige in dieser Zeit in etwa so aus: Morgens Training, anschließend ein paar Stunden Bachelorarbeit am heimischen Schreibtisch, dann ab in die Schwimmhalle für Hausdings Finaldurchgang und am Abend noch einmal ein zweites Training mit der Mannschaft.

Auswärtssieg zum Saisonstart

Der Aufwand hat sich gelohnt. Sviridenko sah vier Medaillen ihres Freundes, darunter drei goldene, und startete auch in ihrer eigenen Sportart erfolgreich in die Saison. Zum Auftakt bezwangen die Füchse-Frauen am vergangenen Wochenende den Vorjahres-Zehnten Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern auswärts deutlich mit 31:17. Der erste Heimspielgegner am Sonnabend (19.30 Uhr, Sporthalle Charlottenburg) ist jedoch eine andere Hausnummer: Der Thüringer HC gewann zuletzt vier Mal hintereinander den deutschen Meistertitel, in der vergangenen Saison sogar ohne eine einzige Niederlage. Auch wenn der THC im Sommer zahlreiche Leistungsträgerinnen ziehen lassen musste, sind die Berlinerinnen als Aufsteiger trotzdem klarer Außenseiter. „Das ist ein Spiel, in dem niemand von uns Punkte verlangt und bei dem wir sehr viel lernen können“, sagt Alexandra Sviridenko.

Die Rückraumspielerin ist ein Spreefüxxe-Urgestein. Seit 2006 geht sie für den Verein auf Torejagd, sie ist damit die dienstälteste Spielerin im Kader. In dieser Zeit machte sie alle Höhen und Tiefen mit, den Absturz in die viertklassige Ostsee-Spree-Liga ebenso wie den Aufstieg ins Oberhaus in der vergangenen Saison als Meister der Zweiten Liga, zu dem sie selbst 48 Treffer beisteuerte. Nun spielt sie das erste Mal in ihrer Karriere in der Bundesliga. „Wir haben auf jeden Fall das Zeug, die Klasse zu halten“, glaubt Sviridenko.

Talent vom Vater geerbt

Trotz ihrer langjährigen Vereinszugehörigkeit beansprucht die Weißrussin keine Sonderrolle innerhalb der Mannschaft. Als „die Obersoziale“ bezeichnete sie Trainer Lars Melzer bei der Teampräsentation auf einem Spreedampfer; sie trägt wie selbstverständlich Bälle und Sporttaschen, was anderswo meist die jüngeren Spielerinnen übernehmen, und entschuldigt sich für jeden nicht angekommenen Pass. „Auf dem Spielfeld bin ich nicht so selbstbewusst, wie ich es eigentlich sein sollte“, erzählt Sviridenko. Deshalb hatte sie auch Zweifel, dass der Klub ihren Vertrag auch für die Bundesliga verlängern würde, trotz ihrer Spielübersicht und der genialen Anspiele. Spreefüxxe-Managerin Britta Lorenz zögerte jedoch keine Sekunde, den Publikumsliebling auch für die Spielzeit 2014/15 an den Verein zu binden.

Das Handballtalent hat Alexandra Sviridenko von ihrem Vater geerbt. Georgi Sviridenko wurde 1988 in Seoul (Südkorea) Olympiasieger mit der Sowjetauswahl. Fünf Jahre später verschlug es ihn nach Berlin, wo er für den damaligen Zweitligisten SV Blau-Weiß Spandau spielte und später auch das Amt des Trainers übernahm. Auch seine Tochter lernte in Spandau das Handballspielen, allerdings bei der SG ASC/VfV Spandau. Bei den Minis spielte Alexandra Sviridenko dort zusammen mit Colja Löffler, dem heutigen Bundesligaprofi der Füchse-Männer. „Es existieren noch ein paar lustige Fotos von Turnierfahrten“, erinnert sie sich. Später folgte sie ihrem Vater zunächst nach Bremen und dann zurück nach Berlin, wo sie seit nunmehr acht Jahren für die Spreefüxxe aufläuft. Georgi Sviridenko ist mittlerweile Trainer der zweiten Mannschaft von Männer-Bundesligist VfL Gummersbach.

Diskus-Olympiasieger Harting als Fan

Nachdem seine Freundin ihm bei der EM so tatkräftig die Daumen drückte, kann sich Patrick Hausding in den kommenden Monaten revanchieren und die Füchse-Frauen seinerseits fleißig anfeuern. Der Turmspringer kommt gerne zu den Heimspielen in der Sporthalle Charlottenburg und bringt gelegentlich mit Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting sogar noch einen weiteren Berliner Sportstar mit.

Patrick Hausding stelle sich im Handball im Übrigen deutlich besser an als sie beim Sprung in die Fluten, erzählt Alexandra Sviridenko lachend. „Da kann man aber natürlich auch nicht so viel falsch machen“, sagt sie. Ihre Fähigkeiten im Wasserspringen beschränkten sich auf Kopfsprung und Kerze. Den Sprung ins kalte Wasser der Handball-Bundesliga beherrscht sie allerdings schon perfekt.