Spreefüxxe

Aus Liebe zum deutschen Handball bei den Spreefüxxen

Die Schwedinnen Frida Tegstedt und Daniela Gustin kamen nach Deutschland, auch weil ihre Partner in der Bundesligaspieler spielen. Nun wollen sie den Spreefüxxen zum Klassenerhalt verhelfen.

Foto: Amin Akhtar

Sechs Mal gewann Frida Tegstedt die schwedische Meisterschaft, sie spielte schon in der Nationalmannschaft und mehrere Jahre in der Champions League. Doch bei der Teampräsentation der Füchse-Handballerinnen auf dem Spreedampfer „MS Köpenick“ stellte sich der prominente Neuzugang am Buffet erst einmal ganz brav hinten an.

Von Starallüren keine Spur. Die 27-Jährige gibt sich bescheiden, auch mit Blick auf ihre künftige Rolle bei den Spreefüxxen. „Ich will der Mannschaft so gut es geht helfen“, sagt Tegstedt und dürfte damit wohl maßlos untertreiben.

Bundesliga ist Neuland

Doch ihre Zurückhaltung hat einen ganz einfachen Grund: Tegstedt spielte in ihrer Karriere bislang nur für einen einzigen Klub, den schwedischen Serienmeister IK Såvehof. Der Wechsel nach Berlin ist der erste in ihrer Laufbahn. „Ich weiß noch nicht so recht, was mich erwartet“, sagt Tegstedt. Für sie ist die Bundesliga absolutes Neuland, genau wie für den gesamten Verein.

Zum Saisonauftakt müssen die Spreefüxxe am Sonnabend auswärts bei den Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern antreten, dem Vorjahreszehnten. Angesichts der Gegner an den darauffolgenden Spieltagen – zum ersten Heimspiel erwarten die Berlinerinnen am kommenden Wochenende Meister Thüringer HC in ihrer Heimspielstätte Sömmering-Halle, danach geht es dort gegen Europapokalteilnehmer Buxtehuder SV – wäre es sicher nicht schlecht, mindestens einen Punkt aus Koblenz zu entführen.

Die Füchse-Verantwortlichen sind jedenfalls optimistisch, dass sich der Aufsteiger zum Start in guter Verfassung präsentieren wird. „Wir wollen viel erreichen“, verkündet Managerin Britta Lorenz. Trainer Lars Melzer sagt: „Die Mannschaft hat in den vergangenen fünf Wochen konditionell und handballerisch gute Fortschritte gemacht. Alle haben gut mitgezogen.“

Nicht immer nur gegen Abstieg

Vier neue Spielerinnen musste er ins Team integrieren, darunter mit Daniela Gustin auch noch eine weitere Schwedin. Die U20-Nationalspielerin wechselte vom schleswig-holsteinischen Zweitligisten TSV Nord Harrislee, für den sie vergangene Saison stolze 106 Treffer erzielte, in die Hauptstadt. „Die Füchse sind genau der richtige Verein, um mich weiterzuentwickeln“, sagt sie.

Daniela Gustins Freund, der Schwede Hampus Wanne, spielt ebenfalls Handball – er geht in der Männer-Bundesliga für den Champions-League-Sieger Flensburg-Handewitt auf Torejagd. Bislang wohnten die beiden zusammen, jetzt führen sie notgedrungen eine Fernbeziehung.

Bei Frida Tegstedt und ihrem Freund Jesper Nielsen ist es genau anders herum: Während er bereits seit Sommer 2013 für die Füchse-Männer spielt, blieb Tegstedt zunächst noch ein Jahr in Göteborg, um ihrem Liebsten nun aber mit Verspätung nach Berlin zu folgen.

„Das war sicher ein Grund, weshalb ich zu den Spreefüxxen gewechselt bin“, sagt sie.

Neue Führungsrollen

Anpassungsschwierigkeiten hatte sie in der neuen Stadt keine – schon nach wenigen Wochen findet sie sich bestens zurecht. „Jesper weiß eigentlich nur, wo er wohnt und wo er trainiert“, erzählt sie und lacht herzhaft. „Aber jetzt zeige ich ihm die Stadt mal so richtig!“

Eine Führungsrolle soll die Kreisläuferin auch auf dem Feld übernehmen und so gemeinsam mit den beiden deutschen Nationalspielerinnen Christina Beier und Natalie Augsburg dafür sorgen, dass die Spreefüxxe möglichst schnell die Punkte für den Klassenerhalt beisammen haben. Zuletzt war in der Hauptstadt übrigens 2001/02 erstklassig gespielt worden. Der SV BVG 49 stieg jedoch als Letzter sofort wieder ab.

Viele gehen normal arbeiten

Mittelfristig fühlt sich der Reinickendorfer Klub aber durchaus zu Höherem berufen. „Ich habe keine Lust auf halbe Sachen. Auf Dauer wäre ich nicht damit zufrieden, wenn wir immer nur gegen den Abstieg spielen“, sagt Managerin Britta Lorenz. Während der Teampräsentation ließ sie sich sogar zu der Aussage verleiten, sie wolle irgendwann auch gerne mal deutsche Meisterin werden.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Anders als die Spielerinnen der Bundesliga-Spitzenklubs gehen die Füchse-Handballerinnen neben dem Sport noch arbeiten, manche sogar 40 Stunden die Woche. „Hier haben wir absoluten Nachholbedarf“, sagt Britta Lorenz.

Gerne würde sie ihre Sportlerinnen beruflich entlasten, doch dafür müsste der Etat deutlich wachsen, damit die Spielergehälter steigen können. Dieses Geld fehlt bislang. „Zukünftig werden wir deshalb nicht umhinkommen, auch im weiblichen Bereich mit Internaten zu arbeiten, wie es bei den Männern längst üblich ist.

Wir müssen unsere eigenen Jugendlichen produzieren“, so die Managerin. Dann lassen sich bestimmt auch mehr Zuschauer in die Sömmeringhalle locken, zuletzt in der zweiten Liga waren es rund 400 pro Spiel.

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