Mariendorf

Trabrennbahn feiert mit Breeders Crown fulminanten Abschluss

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Matthias Brzezinski

Foto: Soeren Stache / pa/Soeren Stache

Bei der Breeders Crown kämpft Europas Traber-Elite um 400.000 Euro Preisgeld. Angekündigt haben sich u.a Jean-Pierre Dubois und Heinz Wewering. Auch Bahn-Eigentümer Ulrich Mommert geht an den Start.

Die Sonne scheint über den weißen Schäfchenwolken. Zwei Pferdegespanne drehen ihre Runden, begleitet von einem kleinen, schwarzen Hund. Wenn er den Anschluss verliert, kürzt er ab, rennt quer über das weite Innenfeld und findet so wieder den Anschluss.

Ein paar Krähen schauen, dass sie nicht zu kurz kommen – picken das, was sie für lecker halten, von der großen Rasenfläche. Ein Eldorado für Menschen, die mal für eine halbe Stunde ohne Smartphone auskommen, ohne den Draht zu den ach so wichtigen Dingen der Welt.

Nicht, wirklich nichts weist an diesem Vormittag darauf hin, dass auf der Trabrennbahn Mariendorf am Sonnabend und Sonntag ein fulminanter sportlicher Abschluss des 100. Jahres seit Eröffnung der Bahn ansteht. Am Nachmittag kommen die ersten Laster mit kostbarer Fracht. Top-Pferde aus Schweden, den Niederlanden oder auch Frankreich. Sie kommen zur Breeders Crown, zur Krönung der Züchter. In 23 Rennen kämpft die europäische Fahrerelite mit insgesamt 217 Pferden um mehr als 400.000 Euro an Preisgeld und Züchterprämien. Aufgeteilt in vier Jahrgänge.

Dubois kommt nach Marienfelde

„Das war für uns, getragen vom 100-jährigen Jubiläum, ein wirklich gutes Jahr. Und die Breeders Crown, die 2008 zuletzt hier in Mariendorf ausgetragen wurde, ist natürlich noch einmal ein echtes Highlight. Die Traberszene Europas schaut auf Berlin“, gerät Mariendorf-Geschäftsführer Andreas Haase regelrecht ins Schwärmen.

Besonders stolz sind Haase und seine Mitarbeiter, dass es mit dem Franzosen Jean-Pierre Dubois einen der renommiertesten Fahrer und Züchter, wenn auch nur für ein Rennen im Sulky, nach Berlin zieht. Dubois ist mittlerweile 73 Jahre alt, er wird eventuell sogar von seinen Söhnen Jean-Etienne und Jean Philipp begleitet.

Das Besondere am Dubois-Clan: Alle drei haben bereits den Prix d’Amerique in Paris gewonnen. Dass mit mehr als einer Million Euro dotierte wichtigste Trabrennen weltweit. „Dubois Senior ist eine Legende. Dass er kommt, spricht für die Qualität der Mariendorfer Starterfelder am Wochenende“, freut sich Haase.

Berliner Wewering hofft auf Revanche

Dubois ist aber nicht nur auf der Bahn „rauflustig“. Er begann mit dem französischen Verband eine juristische Auseinandersetzung, als dieser ihm – wegen des Erreichens der Altersgrenze von 70 Jahren – die weitere Teilnahme an Rennen verwehren wollte. Wer das Scharmützel gewonnen hat, zeigt die Tatsache, dass Dubois wieder im Sulky sitzt.

Für den Wahl-Berliner Heinz Wewering, mit rund 16.700 Siegen bei annähernd 50.000 Starts erfolgreichster Fahrer der Welt, steht bei der Breeders Crown ebenfalls die Qualität im Vordergrund. „Es ist ja nicht die Regel, dass man an einem Wochenende derart viele Top-Pferde auf einer Bahn sehen kann. Viele kennt man als Fahrer schon seit Jahren, sieht, wie sie sich entwickelt haben“, sagt der 63-Jährige, der auf seiner Hausbahn mit dem dreijährigen Hengst Shoemaker auch auf Wiedergutmachung für den verpatzten Derby-Auftritt am ersten Augustwochenende sinnt.

Start mit gebrauchten Handschuhen

„Shoemaker ist im Derby-Endlauf leider angesprungen (das Pferd galoppierte, statt zu traben, d. Red.) und wir waren draußen. Aber ich bin nach wie vor von seinen Qualitäten überzeugt“, freut sich Wewering auf die neue Chance, die er dank eines lieb gewordenen kleinen Aberglaubens mit gebrauchten Handschuhen in Angriff nehmen wird. Dabei wird er auf seinen niederländischen Kollegen Robin Bakker treffen, im August Derby-Sieger mit Tiger Woods As, diesmal im Sulky von Stanislawski (Derby-Dritter). Mit Dream Magic BE, gefahren von Josef Franzl, präsentiert sich im Finale der vierjährigen Hengste übrigens der Derby-Sieger von 2012.

Den ersten sportlichen Höhepunkt gibt es bereits am Sonnabend. Im vierten Rennen geht es allein im Finale der fünf- bis siebenjährigen Stuten um ein Preisgeld in Höhe von 37.356 Euro. Und den größten Teil dieses Prämienkuchens wollen sich zwei schwedische Topfahrer abschneiden. Jörgen Sjunnesson mit Jitanes.

Ihre Hauptgegnerin ist Elaine, die von Joakim Lövgren gefahren wird. „Die Schweden gehören neben Frankreich zu den absoluten Traber-Nationen in Europa“, beschreibt Andreas Haase den Stellenwert dieses Rennens. Paroli bieten wollen zwei Fahrer, die regelmäßig in Mariendorf starten - und genauso regelmäßig siegen. Der Mönchengladbacher Roland Hülskath mit What a Feeling und Michael Nimczyk (Willich) mit Kamina.

Bruder von Nina Hagen am Start

Die Berliner Farben vertritt am Wochenende vor allem Bahn-Eigentümer Ulrich Mommert. Für den 71-Jährigen gipfelte das Jubiläums-Jahr darin, dass er vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit den Verdienstorden des Landes Berlin erhielt. Mommerts Affinität zu den Trabern begann vor etwa 20 Jahren. Da kaufte der Unternehmer seiner Finanzbuchhalterin quasi die Anteile an einem halben Pferd ab.

Heute ist er gemeinsam mit seiner Frau Karin für gut 100 Tiere verantwortlich. Mit Benjamin Hagen, Bruder der Sängerin Nina Hagen, und Thorsten Tietz gehen zwei Lokalmatadore an den Start, die jederzeit für Überraschungen gut sind.

Wenn es denn einen Wermutstropfen aus Sicht der Veranstalter und den neuen Partner Lotto Berlin gibt, dann ist es der Zeitpunkt, zu dem die Breeders Crown 2013 ausgetragen wird. Wunschtermin wäre für die Zukunft ein Wochenende im September.