Robert Harting weiß, was seine Konkurrenten denken: „Denen geht das langsam auf den Sack“, sagt der Diskusstar und grinst. Es macht den anderen schon lange keinen Spaß mehr, gegen den Berliner anzutreten, den Olympiasieger von London 2012, Weltmeister 2009 und 2011, Europameister 2012. Diskuswerfen ist seit August 2010, wenn starke Männer aus unterschiedlichen Ländern in den Ring gehen – und am Ende der Berliner Harting gewinnt. So ist das – Stand heute – seit 1019 Tagen.
Es ist ja nun wirklich nicht so, dass Harting die großen Auseinandersetzungen scheut, nur bei kleinen Veranstaltungen die Siege abholt: „Ich will mich mit den Besten messen.“ Siehe jetzt am Sonnabend, als er beim Diamond-League-Meeting in Eugene (USA) seinen 35. Erfolg hintereinander feierte. „Leute, Sieg Nummer 35, 69,75 Meter!“, ließ er seine Gefolgschaft via Twitter und Facebook frohgemut wissen. Die Weite ist Weltjahresbestleistung. Der Konkurrenz bleibt ungläubiges Staunen. Hinter dem 28-jährigen Harting kam der Europameister von 2012, der Pole Piotr Malachowski (68,19 Meter), auf Rang zwei vor dem Olympiazweiten Ehsan Hadadi aus dem Iran (65,63).
Litauer Alekna schaffte 37 Erfolge in Serie
Es war eine Hauruck-Aktion, der Trip nach Eugene. Hartings Plan sah so aus: Am Freitag hinfliegen (Reisedauer insgesamt 20 Stunden), am Sonnabend werfen und gewinnen, am Sonntag wieder retour nach Berlin. „Da kann dann gar kein Jetlag aufkommen.“ Gesagt, getan, und nebenbei für den Sieg noch 10.000 Dollar kassiert. Die Rekordjagd geht jetzt weiter: Kürzlich knackte er die Bestmarke von 1002 Tagen ohne Niederlage von Jürgen Schult, jetzt fehlen lediglich noch drei Erfolge, um den Rekord des Litauers Virgilijus Alekna (37 Siege in Serie) zu knacken.
Dass der Mann vom SCC die Schallmauer von 70 Metern knapp verpasst hat, geschenkt. Das kann er ja am kommenden Wochenende beim Meeting in Schönebeck nachholen. Dann wird wohl auch sein Bruder Christoph am Start sein, der sich kürzlich auf 64,99 Meterverbesserte. „Er hat sich gut entwickelt, ist jetzt auch im Kopf stabil“, sagt der fünf Jahre ältere Robert über seinen Bruder. Es hat sich bewährt, dass seit diesem Jahr Hartings Trainingsgruppe unter Trainer Werner Goldmann nur noch ein Trio umfasst: die beiden Brüder und Roberts Freundin Julia Fischer, die vor zwei Wochen mit 66,04 Meter eine persönliche Bestleistung aufstellte.





