Zweite Liga

Hertha, Köln und Kaiserslautern fühlen sich als Erstligisten

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Uwe Bremer

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Sie fühlen sich als Erstligisten, begegnen sich aber im Unterhaus: Für Hertha, Köln und Lautern zählt jetzt ein langfristiger Aufstieg.

Alle drei Vereine fühlen sich als Erstligisten. Schließlich rangiert der 1. FC Köln in der ewigen Bundesliga-Tabelle auf Platz sieben, der 1. FC Kaiserslautern auf Platz neun und Hertha BSC auf Platz 13. Die drei Klubs gehören zum Gründungsadel der Liga und waren bereits im ersten Spieljahr 1963/64 dabei. Aktuell jedoch kämpft dieses Trio mit den gleichen Problemen: Die Gegenwart heißt Zweite Liga. Es geht um die Frage, wie vermeidet man es, eine Fahrstuhlmannschaft zu werden? Und wie wird man finanziell dabei nicht zerrissen?

Vordergründig geht es am Donnerstag um drei Punkte, wenn Hertha BSC am 16. Spieltag der Zweiten Liga den 1. FC Köln empfängt (20.15 Uhr, Olympiastadion oder bei uns im Live-Ticker). Die Berliner kämpfen als Zweiter um den Anschluss an Tabellenführer Braunschweig. „Die Mannschaft ist selbstbewusst“, berichtet Trainer Jos Luhukay. Kein Wunder, Hertha ist seit 13 Partien ungeschlagen. Der Optimismus ist so groß, dass personelle Ausfälle nicht weiter beklagt werden. Dann nominiert Trainer Luhukay eben erneut ein bisher unbekanntes Talent. Am Donnerstag sitzt Robert Andrich (18), ein defensiver Mittelfeldspieler aus der U23, erstmals auf der Bank bei den Profis.

Alle Drei setzen auf Total-Rotation

Grundsätzlich haben die drei Absteiger der vergangenen Saison alle das gleiche Ziel: „Wir wollen nicht nur aufsteigen, sondern uns dann langfristig in der Bundesliga etablieren“, sagt Herthas Aufsichtsratschef Bernd Schiphorst. Nur, wie geht das? Und: Was kann man aus dem vergangenen Anlauf lernen?

Hertha, Köln und Kaiserslautern sind in den vergangenen sechs Jahren jeweils zweimal ab- und einmal aufgestiegen. Deshalb nehmen alle Drei in dieser Saison erneut einen Anlauf im Unterhaus. Alle setzen auf Total-Rotation: neue Trainer (Jos Luhukay, Holger Stanislawski, Franco Foda) sowie neues Personal. Sagenhafte 107-mal (56 Zu-, 51 Abgänge) haben die drei Klubs im Sommer am Transferrad gedreht (Hertha 23 Wechsel, Köln 49, Kaiserslautern 35). Ein Nebeneffekt dieser Entwicklung ist, dass mit Sascha Bigalke am Donnerstag im FC-Trikot der gebürtige Berliner und langjährige Herthaner im Olympiastadion vorbeischaut. Bigalke, der über den Umweg Unterhaching in Köln gelandet ist, sagt: „Klar ist das ein besonderes Spiel, auf das ich mich sehr freue, weil sehr viele Freunde, Familie und Angehörige im Stadion sein werden.“

Finanzieller Teufelskreislauf zwischen den Ligen

Zwei Vereine kommen sportlich mit der Radikalkur klar: Hertha und Kaiserslautern liegen gut im Aufstiegsrennen. Köln jedoch verschlief den Start komplett und hat sich erst im Spätherbst zumindest ins Liga-Mittelfeld orientiert. Zuletzt zeigte die Mannschaft steigende Tendenz, gewann gegen 1860 München (3:0) und Bochum (3:1). Trainer Stanislawski sagte vor der Dienstreise in die Hauptstadt: „Natürlich ist das ein besonderes Flair, wenn du Donnerstagabend um diese Uhrzeit, es ist ja das einzige Spiel zu diesem Zeitpunkt, in Berlin spielen darfst. Das riecht ein bisschen nach Bundesliga-Fußball.“

Das Wandern zwischen den Welten ist indessen kaum seriös zu finanzieren. Der Mechanismus: Ein Abstieg kommt die Vereine sehr teuer, weil eigentlich der Klassenerhalt geplant war. Der nächste Mechanismus: Ein Aufstieg kommt sehr teuer, weil die Konkurrenz so groß ist. Also hat Hertha gerade zu Wochenbeginn seinen Mitgliedern gebeichtet, dass die Abstiegssaison 2011/12 ein Minus von 7,3 Millionen Euro gebracht hat, die Verbindlichkeiten steigen auf 42 Millionen.

Das Produkt Fußball hat nicht funktioniert

Der 1. FC Köln meldete am Mittwoch, dass es aus dem vergangenen Spieljahr ein kleines Plus von 800.000 Euro gibt. Am Rhein liegt der Schuldenstand aber gleichfalls in einer ungemütlichen Größenordnung, bei 27,4 Millionen Euro. Die Ausnahme von der Regel scheint Kaiserslautern zu sein. Dort wurde 2011/12 trotz des Abstieges mit einem Plus von 3,2 Millionen Euro abgeschlossen. Und das negative Eigenkapital auf null reduziert. Allerdings wurden die Mitglieder darauf hingewiesen, dass die laufende Saison mit einem negativen Ergebnis enden werde. Ein Minus im Millionen-Bereich hat auch Finanzchef Ingo Schiller für Hertha bereits angekündigt.

Sein Kölner Kollege Oliver Leki drückt die Zwickmühle ganz unromantisch aus: „Wenn ein Produkt nicht funktioniert, dann versenkt man Geld“, sagte Leki. Und beim FC (wie auch bei Hertha und Lautern) hat das Produkt Fußball nicht funktioniert. Im Umkehrschluss heißt das: Ob Trainer Luhukay, sein Team, ob der Finanzchef oder die Fans: Alle Beteiligten sind daran interessiert, dass das Produkt Hertha gegen den 1. FC Köln bestens funktionieren möge.

Erleben Sie das Spiel Hertha BSC gegen den 1. FC Köln bei uns im Liveticker.