Vielleicht hätten sie beim FC Bayern schon vor dem Anstoß in der Champions League bei Viking Stavanger mit Michael Olise über eine Geschichte sprechen sollen, in die sein Gegenspieler Zlatko Tripic im März 2016 verwickelt war. Damals kickte der Norweger für den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth. Seine auffälligste Szene aber stammte zu jener Zeit aus dem Nachtleben, als er am frühen Morgen des Ostermontags in der Nürnberger Diskothek „Indabahn“ von einer Empore rund vier Meter in die Tiefe stürzte und sich dabei einen Bruch des Schädeldachs sowie Verletzungen an der Wirbelsäule zuzog. Die Bundespolizei ermittelte und berichtete von Zeugenaussagen. Demnach habe sich Tripic vor einer Schlägerei in Sicherheit bringen wollen und sei auf ein Sofa gestiegen. Doch weil ein Tisch in dem Tumult gegen das Sofa gestoßen sei, habe Tripic das Gleichgewicht verloren und sei in die Tiefe gestürzt.

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Sollte Michael Olise von dieser abenteuerlichen Geschichte erfahren, dürfte er den geschilderten Hergang womöglich in Zweifel ziehen. Denn am Dienstagabend hatte der Offensivspieler des FC Bayern ja beim 3:3 in Stavanger Bekanntschaft mit Tripic gemacht. Dessen Spielweise war als rauflustig zu bezeichnen, garniert von ständigen Provokationen. Olise ließ sich dazu hinreißen, Tripic erst festzuhalten und ihm kurz nach dem Freistoßpfiff auch noch den Ball ins Gesicht zu werfen. Für beide Aktionen sah Olise innerhalb weniger Sekunden jeweils Gelb, was in Summe den Platzverweis nach 74 Minuten und eine Sperre für das nächste Spiel in der Champions League gegen den Vorjahresfinalisten FC Arsenal nach sich zog. In Unterzahl verspielten die Bayern ihre 3:2-Führung, nachdem sie das Spiel nach den Gegentoren von Gianni Stensness nach 72 Sekunden und Peter Christiansen (38.) durch die Tore von Harry Kane (54./60.) und Luis Díaz (71.) mühsam gedreht hatten. Nach Olises Platzverweis traf Vikings Herman Haugen in der 90. Minute zum 3:3.
So hat Kompany noch keinen Bayern-Profi getadelt
Olises Bärendienst folgten einige Botschaften, allen voran von Vincent Kompany. „Überblöd“ nannte der Trainer des FC Bayern Olises Ballwurf, er sagte unmissverständlich: „Das darf nicht passieren.“ Und Kompany erinnerte an die Folgen, die solche Undiszipliniertheiten haben können: „Heute ist es kein Finale, kein Halbfinale, aber diese Momente sind entscheidend in einer Saison.“ Er habe Olise gesagt: „Der Zehner war schlauer als du.“ Kompany verlieh seiner Schelte Nachdruck, als er am TV-Mikro festhielt, dass die Provokationen und die Schiedsrichterleistung „keine Ausrede“ seien, „weil diese eine Phase ist Michael – Michael, Michael, Michael, nur Michael!“
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Klarer und härter hätte die Kritik an Olise kaum ausfallen können. Sie war umso bemerkenswerter, weil Kompany es in seiner gesamten Amtszeit seit Juli 2024 vermieden hatte, einzelne Spieler öffentlich zu tadeln, schon gar nicht in dieser Schärfe. Doch der 40-Jährige wollte nun offenbar ein Zeichen an die ganze Mannschaft setzen, dass er Disziplinlosigkeiten nicht duldet. Seine Botschaft: Wer seine eigenen Befindlichkeiten über die Gruppe stellt, kann keinen Schutz erwarten. Das Exempel statuierte Kompany an einem seiner wichtigsten Spieler, der zudem für den Ballon d’Or nominiert ist. Auch das ist ein Signal: Kompany macht keine Unterschiede, um wen es sich handelt. „Das ist 100 Prozent sein Fehler“, sagte er über Olise, mit diesem „großen individuellen Fehler“ habe man sich „selbst in den Fuß geschossen“.

Bayern-Boss Eberl kritisiert „dumme Aktion“
Am vergangenen Samstag beim 2:2 in Augsburg hatten sich die Bayern nach acht Sekunden einen Rückstand eingehandelt, weil Torwart Manuel Neuer den Ball verloren hatte. Wegen der wiederholten Nachlässigkeiten wird der Ton nun insgesamt rauer. „Wir machen momentan einfach zu viele Fehler, das ist nicht das Niveau unserer Mannschaft“, befand Sportvorstand Max Eberl und nannte Olises Aktion „dumm“. Und Mittelfeldspieler Joshua Kimmich sagte: „Innerlich bin ich in Alarmbereitschaft.“ Mit dem klar formulierten Ziel, die Champions League gewinnen zu wollen, waren die Bayern in die Saison gestartet. Durch unnötige Punktverluste wie diese drohen ihnen im Februar zwei kräftezehrende Strafrunden in den Play-offs, zumal Olise gegen Arsenal in der kommenden Woche sehr fehlen wird.
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Sollte er davon erfahren haben, dürfte es den Flügelspieler noch mehr schmerzen, dass sich Tripic später für seine erfolgreichen Provokationen feierte. „Ich habe das Gefühl, dieses Duell mit ihm gewonnen zu haben“, sagte Tripic. Es sei „großartig“, dass sich der Ballon-d’Or-Kandidat Olise „ein wenig über einen Jungen aus Oftebro und Lyngdal ärgert“. Vielleicht sollte Kompany seinem Starkicker diese Aussagen für den erhofften Lernerfolg vorlegen.






