Younes Ebnoutalib wirkte überwältigt von der Masse an Menschen, Mikrofonen und Kameras im Arbeitsraum Ball Court 3 von DFB-Ausrüster adidas. Immerhin hatte der 23 Jahre alte Frankfurter bei seinem ersten Termin als Nationalspieler seine Emotionen wieder eingefangen. Vergangene Woche, als sein Handy klingelte, war das noch ganz anders. „Als er mich angerufen hat, kamen mir die Tränen“, sagte Ebnoutalib am Dienstag über sein erstes Telefonat mit Jürgen Klopp.

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Die Nominierung durch den Bundestrainer für den Nations-League-Start am Donnerstag in Amsterdam gegen die Niederlande (20.45 Uhr/RTL) und drei Tage später in Augsburg gegen Griechenland ist die nächste Wendung in der verrückten, aber noch ganz jungen Karriere des Younes Ebnoutalib. Vor drei Jahren stand der Angreifer plötzlich ohne Klub da, denn der italienische Drittligist AC Perugia löste seinen Vertrag auf. „Es war eine wahnsinnig schwierige Zeit, aus der ich trotzdem viel gelernt habe“, sagte Ebnoutalib. Heute spielt er für die große Eintracht aus Frankfurt, die ihn als Teenager nie auf dem Radar hatte – obwohl Ebnoutalib in der Nordweststadt aufgewachsen ist.
Ebnoutalib kommt aus sportlicher Familie
Der Stürmer kämpfte sich zurück. „Ich habe von meinem Vater gelernt, dass ich niemals aufgeben soll“, meint Ebnoutalib. Papa Faisal ist ja auch ein Kämpfer. Er stammt aus Marokko, für Deutschland holte er 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney Silber im Taekwondo. Der kleine Younes, der beide Länder „liebt“, holte sich auf der Matte einst selbst die Grundlagen für den Fußball: Athletik, Spritzigkeit und vor allem: Beweglichkeit. Wahrscheinlich könnte er 1,98-Meter-Turm Nick Woltemade mit dem Stollenschuh am Kopf kratzen.

Die Lebensläufe Woltemades und Ebnoutalibs ähneln sich. Beide liefen unter dem Radar, hatten aber einen gemeinsamen Förderer: Ole Book. Ebnoutalib schien beim FC Gießen in der Regionalliga Südwest in der Karriere-Sackgasse, ehe ihn der heutige Sportdirektor von Borussia Dortmund für einen fünfstelligen Spottpreis zur SV Elversberg holte. „Er hat eine sehr große Rolle für meine Karriere gespielt“, sagt Ebnoutalib über Book. „Er hat mich sehr unterstützt, wir haben viele Gespräche gehabt und er hat mir ein sehr gutes Gefühl gegeben.“ Nach seiner ersten DFB-Nominierung kam es auch zum Austausch. Ebnoutalib bedankte sich dafür, dass ihn Book aus Gießen holte. Book beglückwünschte den Spieler.
Ebnoutalib hofft auf Minuten gegen die Niederlande
Wenn Deutschland am Donnerstag in der Johan-Cruyff-Arena auf die Niederlande trifft, hofft Ebnoutalib auf Einsatzminuten. Die Chancen stehen gut, denn nur Kai Havertz ist als weiterer Stürmer im DFB-Kader aufgeführt. Bundestrainer Klopp jedenfalls ist großer Fan. Innerhalb des Trainerteams habe es „keine Diskussion“ über die Ebnoutalib-Nominierung gegeben, berichtete Klopp bei der Nominierungs-Pressekonferenz vergangene Woche. „Da haben alle gesagt: ‚Ja, müssen wir machen.‘ Seine Art zu spielen, seine Bereitschaft, seine Schlauheit, immer da zu sein. Er ist ein sehr großes Talent, das mit 23 Jahren schon viel gesehen hat.“ Klopp habe sich nach Ebnoutalibs ersten Eintracht-Spielen gefragt: „Wo haben die den denn her?“ Das ist gut dokumentiert. Viel spannender ist jetzt die Frage: Wo führt Ebnoutalibs Weg noch hin?





