Marc-André ter Stegen reiste Anfang der Woche mit leichtem Gepäck nach Herzogenaurach. Mit der linken Hand fuhr er einen silbernen Trolley in den Homeground, wo die Nationalelf zum Nations-League-Auftakt residiert. Dazu brachte ter Stegen ein dreiwortige Botschaft mit, die er bei Instagram verkündete: Stolz. Dankbar. Zurück. Natürlich in englischer Sprache, denn „Proud. Grateful. Back.“ klingt ja auch ein Stück weit cooler.

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Anders als das Gepäck wiegt die Last der Vergangenheit schwer auf ter Stegens breiten Schultern. Der ewige Kronprinz von Manuel Neuer, wie der Rekordkeeper von Bayern München selbst längst in der Weltklasse angekommen, sollte schon vor einigen Jahren aus dessen langem Schatten treten. Am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) wird ter Stegen sein 45. Länderspiel bestreiten. Die unangefochtene Nummer eins ohne Aber-Ergänzung eines Bundestrainers war der Torwart in dieser Zeit allerdings bloß für vier Partien. Und auch jetzt trägt der 34-Jährige die bedeutungsvolle Rückennummer nur auf Bewährung. „Für den Moment“ zumindest ist ter Stegen die Nummer eins unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp. Wird das so bleiben? Dass im Fußball eigentlich gar nichts planbar ist, weiß ter Stegen am besten.
Ter Stegen kam nicht an Neuer vorbei
Ter Stegen musste lange warten auf den Rücktritt von Neuer, doch dieser zögerte ihn immer wieder hinaus. Ein offenes Duell ums deutsche Tor rief nie ein Bundestrainer aus, obwohl viele sagen, dass ter Stegen in seiner Zeit beim FC Barcelona dem in die Jahre gekommenen Neuer voraus gewesen sei. Zu groß aber war Neuers Lobby im Verband dank der Rückendeckung in München. Selbst als sich Neuer im Dezember 2022 das Bein brach und lange um ein Comeback kämpfte, spürte ter Stegen nicht die volle Rückendeckung der Trainer-Teams. Vor der Heim-EM entschied sich Chefcoach Julian Nagelsmann wieder für Neuer. Herausforderer ter Stegen ertrug, und das muss man ihm hochanrechnen, seine Reservistenrolle ohne Murren.

Nach dem Turnier aber sollte seine Zeit kommen. Oder doch nicht? Im September riss sich ter Stegen die Patellasehne, fiel monatelang aus. Es folgten eine Rücken- und eine Muskelverletzung im Oberschenkel. Währenddessen geriet der Keeper bei Barca in Ungnade, wurde degradiert, dann zum FC Girona ausgeliehen und musste schließlich zu Ajax Amsterdam flüchten. Die WM 2026 einschließlich Oliver-Baumann-Posse, die Nagelsmann mit auf die Füße fiel, beobachtete ter Stegen nur aus der Ferne.
Klopp plant auch den Generationswechsel
Ausgerechnet in seiner neuen Wahlheimat wird ter Stegen in der Johan-Cruyff-Arena seine womöglich letzte Chance als deutsche Nummer eins bekommen. „Er ist im Moment fit, er ist genau der gleiche Torwart, der er vorher war – wir haben da ganz genau hingeschaut und er bringt die notwendige Erfahrung mit. Es wird aber immer von der Leistung abhängig sein. Wir haben keinerlei Torhüterproblem“, sagte Bundestrainer Klopp bei der Kadernominierung über den ehemaligen Gladbacher. Klopp setzt dabei auf die Karte Erfahrung. Eine stabile defensive Achse mit ter Stegen sei eine zentrale Voraussetzung für einen Kader mit vielen jungen Spielern, für die von Klopp angedeutete Spielweise mit Tempo und Gegenpressing. Nur so könne man „außen rumspinnen, verrückt sein und ganz viel Jugend dazumischen“.

Dieser Generationenwechsel wird früher oder später auch im Tor stattfinden. Jonas Urbig, 23, will schließlich nicht nur in München, sondern auch bei der DFB-Elf das Neuer-Erbe antreten. Weitere Kandidaten sind Noah Atubolu (24, Eintracht Frankfurt) und Alexander Nübel (29, Besiktas). Spannend: Der Augsburger Finn Dahmen, 28, hat von Klopp eine Sonderrolle bekommen. Dahmen steht in beiden DFB-Kadern für die Nations League, er sei „ein hochtalentierter Torwart, den ich auch super gerne einfach mal ein bisschen länger sehen möchte“, begründete Klopp.
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Die Gegenwart aber ist ter Stegen, der im Mai 2012 für Deutschland debütierte, als seine jüngeren Konkurrenten noch zur Schule gingen. Seine Rückkehr ins DFB-Tor „bedeutet mir sehr viel. Ich habe während meiner Genesung viel durchgemacht. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und die beste Version meiner selbst zu zeigen – und ich freue mich, wieder dabei zu sein“, sagte der Ajax-Torwart zuletzt. „Für jedes Kind, das Fußball spielt, ist es ein Traum, für das eigene Land aufzulaufen. Umso mehr gilt das nach den vergangenen zwei Jahren, in denen ich nicht immer spielen konnte.“ Manche Träume erfüllen sich vielleicht eben erst später vollständig.






