Es ging wuselig zu in den Katakomben des Stuttgarter Stadions. Das Bundesligaspiel von Borussia Dortmund beim VfB war noch nicht lange beendet, da galt es, möglichst schnell das viele Gepäck in die Mannschaftsbusse und dann zum Flughafen zu bekommen. Mitzunehmen waren nicht nur die drei Punkte, die es für den knappen, aber letztlich verdienten 1:0 (0:0)-Sieg gab. Sondern auch zahlreiche Kisten, Koffer und die vielen anderen Dinge, die es braucht, wenn eine Bundesliga-Mannschaft im Jahr 2026 auf Reisen ist.

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Inmitten des Gewusels zwischen Kabine und Ausgang stand Lars Ricken. Der BVB-Sportgeschäftsführer ließ sich von der Hektik kein bisschen anstecken. Er lächelte so zufrieden, wie man eben lächelt, wenn die eigene Mannschaft gerade die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga erklommen hat. „Härtetest bestanden“, sagte Ricken.

BVB-Sportboss Ricken lobt die BVB-Entwicklung

Stuttgart, so war die allgemeine Lesart vor dem Spiel, würde in der Bundesliga die bislang schwierigste Herausforderung für den BVB werden. In Stuttgart hatte Dortmund in den vergangenen Jahren oftmals schlecht ausgesehen, war dem Gegner meist spielerisch eklatant unterlegen gewesen. Selbst im Vorjahr, als man durch zwei ganz späte Tore mit 2:0 gewann, obwohl man zuvor wenig bis gar nichts vom Spiel gehabt hatte. „Letzte Saison saßen wir hier in der Kabine, hatten 2:0 gewonnen und wussten gar nicht so richtig, warum“, meinte Ricken. „Heute wissen wir schon, warum.“ Nämlich? „Ich habe eine Mannschaft gesehen, die sich gewehrt hat“, erklärte Ricken. „Natürlich kämpferisch, wie sie die 1:0-Führung über die Zeit gebracht hat. Aber wir haben von Anfang an auch mutig nach vorn verteidigt und versucht, immer wieder auch spielerisch dominant zu sein.“

Der Ball ist drin, der Beier jubelt – über sein Tor zum 1:0.
Der Ball ist drin, der Beier jubelt – über sein Tor zum 1:0.© AFP | Kienzle

Sportdirektor Ole Book hatte „mit Sicherheit eines der schwierigsten Spiele in der Saison“ gesehen und war darob sehr zufrieden: „Wir haben viele gute Sachen gezeigt, waren auch spielerisch echt gut gegen eine Mannschaft, die zu Hause auch viele Teams dominieren kann.“

Der VfB Stuttgart hatte keinen guten Tag – weil der BVB keinen zuließ

Das war der Fortschritt gegenüber den vergangenen Begegnungen: dass die Dortmunder diesmal ein Mittel hatten gegen das Stuttgarter Positionsspiel, dass sie das Spektakel im Spiel der Schwaben gar nicht erst aufkommen ließen. Der VfB hatte keinen guten Tag, so lautete die einhellige Meinung der Beobachter. Aber das lag eben auch daran, dass die Dortmunder keinen guten Tag zuließen, dass sie aggressiv gegen den Ball agierten, aber auch selbst reichlich Ballbesitzphasen einstreuten.

So zwangen sie die Partie letztlich auf ihre Seite, auch wenn beim eigenen Spielvortrag noch einiges zu verbessern blieb. „Es war ein ausgeglichenes Spiel“, räumte Book ein. „Aber am Ende des Tages hat uns dann unsere bessere Effizienz und bessere Boxverteidigung vielleicht den Sieg gebracht.“

Der BVB spielte klassischen Nico-Kovac-Fußball – aber in sehr präziser Ausführung

Es war klassischer Niko-Kovac-Fußball, basierend auf Stabilität hinten und individueller Eingebung vorne – genauso stellt es sich der Trainer vor. Und diesmal führten seine Spieler den Plan derart präzise aus, dass die eigentlich so starken Stuttgarter kaum mal gefährlich zum Abschluss kamen. Hinten köpften Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton jede Stuttgarter Flanke aus dem Strafraum.

VfB Stuttgart v Borussia Dortmund - Bundesliga 2026/27
BVB-Jubel mit Konstantinos Karetsas (links) und Nico Schlotterbeck.© Getty | Maleterova

Und vorne lieferte Maximilian Beier mit seinem Tor und mit hohem läuferischem Einsatz die richtige Antwort darauf, dass ihn der neue Bundestrainer Jürgen Klopp bei der Benennung seines 44-Mann-Kaders verschmäht hatte. Beier durfte auf einer der beiden Positionen hinter den Spitzen ran, weil sich Trainer Kovac von ihm viele Tiefenläufe versprach, um die VfB-Abwehr zu stressen. Wie beim Tor des Tages, als Beier seinem Gegenspieler Finn Jeltsch davonlief und Jobe Bellinghams Hereingabe ins Tor bugsierte (70.).

Der BVB kann nun auch gegen Spitzenmannschaften verdient gewinnen

Ein Tor, das nicht nur drei Punkte, sondern auch den vierten Sieg im vierten Bundesligaspiel und damit die Tabellenführung einbrachte. Und dazu die Erkenntnis, dass Schwarz-Gelb Spiele gegen Bundesliga-Spitzenmannschaften nun auch verdient gewinnen kann. Es war immer ein Problem des Kovac-BVB, dass man zwar verlässlich gegen die Kleinen der Liga punktete, den Größeren aber verlässlich unterlegen war. Nun ist der Vorsprung auf den VfB mit neun Punkten schon gewaltig.

Und auch die Bayern möchten die Dortmunder gerne noch eine Weile hinter sich lassen. Den Rekordmeister möglichst lange zu ärgern, die zuletzt gigantische Lücke zu verkleinern, das ist ein erklärtes Saisonziel. „Das hat nur einen negativen Effekt“, erklärte Ricken noch, bevor auch er sich auf den Weg in Richtung Ausgang machte: „Dass die besonders motiviert sind, das dann auch möglichst schnell wieder zu ändern.“ Das aber sind nun wirklich Sorgen, die jeder andere Bundesligaklub sehr gerne hätte.