Sebastian Hoeneß muss schnell noch einen Satz nachschieben, weil er ja selber merkt, wie das gerade geklungen hat. Der Trainer des VfB Stuttgart hat über Borussia Dortmund gesprochen, den Gegner im kommenden Bundesliga-Topspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky). „Es ist eine Riesenstärke der Dortmunder, dass es ihnen gelingt, Spiele zu gewinnen“, hat Hoeneß also gesagt, bevor der entscheidende Satz kommt: „Das ist vielleicht nicht immer schön.“ Und weil er weiß, dass aus einem solchen Satz schnell große Schlagzeilen entstehen können, ergänzt der 44-Jährige schnell: „Das soll jetzt gar keine Beurteilung von mir sein, ich habe allerhöchsten Respekt, weil sie einfach sehr stabil daherkommen.“

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Es ist eine hübsche Parallelität der Ereignisse, denn rund 330 Kilometer nordwestlich von Hoeneß sitzt an diesem Tag ein anderer Bundesliga-Trainer in der Pressekonferenz und erlebt einen ganz ähnlichen Moment. „Wir müssen den Ball auch so in unseren Reihen halten wie der Gegner, wollen aber nicht in Schönheit sterben“, sagt BVB-Trainer Niko Kovac. Und weil auch er schnell merkt, dass man das als Kritik am VfB Stuttgart auslegen könnte, ergänzt er schnell: „Damit meine ich jetzt nicht den VfB, sondern uns.“

GER, VfB Stuttgart vs. Borussia Dortmund, Fussball, Herren, 1. Bundesliga, 28. Spieltag, Spielzeit 2025/2026, 04.04.2026
Zoff am Spielfeldrand: Nach dem jüngsten Spiel hatten BVB-Trainer Niko Kovac (l.) und sein VfB‑Kollege Sebastian Hoeneß Redebedarf.© imago | Frank

Gewollt oder nicht, in jedem Fall ist mit diesen Momenten schon viel erzählt über die beiden Mannschaften, die sich da am Samstag begegnen – und die Trainer, die einander gegenüberstehen: Die Stärke des einen ist die Schwäche des anderen. Oder, noch deutlicher formuliert: Der eine kann, was dem anderen fehlt.

Der VfB Stuttgart kassierte bislang viel zu viele Gegentore

Was den Schwaben fehlt, verrät allein der Blick auf die Tabelle und dort vor allem auf die Spalte mit den Gegentoren: acht Stück waren es in drei Spielen und damit deutlich zu viel für eine Mannschaft, die um die Spitzenplätze mitspielen will. Allein fünf Treffer kassierten die Schwaben allerdings im Eröffnungsspiel gegen den FC Bayern (1:5), zwei weitere kamen zuletzt gegen die TSG Hoffenheim dazu (1:2). Es gibt leichtere Startprogramme, da lassen sich drei Punkte aus drei Spielen zumindest teilweise erklären. Zufrieden mit dem eigenen Spiel ist man beim VfB trotzdem nicht, der Anspruch des Klubs und seines ehrgeizigen Trainers ist ein anderer.

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Das Verteidigen langer Konter hat Hoeneß als Schwäche ausgemacht. „Wir waren nicht schlecht gestaffelt bei Ballverlusten, aber die gruppentaktischen Abläufe waren nicht gut“, erklärt er. Das Problem ist hausgemacht, es erwächst aus Hoeneß' ständigem Anspruch, das Spiel seiner Mannschaft weiterzuentwickeln. Dazu hat er sogar seinen Kapitän geopfert, Atakan Karazor auf die Bank gesetzt und im Mittelfeldzentrum Zugang Grischa Prömel neben Angelo Stiller installiert. Weil der dynamischer und spielstärker ist. Prömel aber denkt offensiver, wodurch bei Ballverlusten auch die Balance fehlt.

Der BVB setzt unter Kovac vor allem auf Stabilität

Zudem hat Hoeneß seiner Mannschaft gegen den Ball einen noch mutigeren Stil verordnet. Der VfB Stuttgart verteidigt Mann gegen Mann über fast den ganzen Platz, er läuft den Gegner bereits tief in dessen Hälfte an. Das kann Ballgewinne nah am gegnerischen Strafraum geben – aber auch gewaltige Lücken hinten, wenn ein Rädchen nicht sauber ins andere greift.

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Ganz anders der BVB: Hier hat Kovac Stabilität zur obersten Maxime erhoben. Als allererstes muss die Defensive sicher stehen, daraus ergibt sich alles Weitere. Der Ansatz ist sensationell erfolgreich: In 51 Spielen mit dem BVB hat Kovac 110 Punkte eingefahren, mehr als jeder seiner Vorgänger in diesem Zeitraum. In der aktuellen Saison steht der BVB bei fünf Siegen aus fünf Spielen in Liga, Pokal und Champions League.

Der VfB Stuttgart gewann zuletzt meistens gegen den BVB

Und doch ist da ein konstantes Murren rund um Dortmund. Man freut sich zwar über die vielen Siege, man würde aber so gerne wieder verlässlich Spektakel erleben, man will vor allem in Heimspielen besser unterhalten werden. So wie die Stuttgarter, die damit in den Vorjahren ja auch erfolgreich waren, die den DFB‑Pokal gewannen und sich regelmäßig für die Champions League qualifizierten. Und die gegen den BVB meist sehr gut aussahen, in den zurückliegenden acht Bundesligaspielen fünf Siege und zwei Unentschieden einfuhren.

Nur eine Partie gewann der BVB, es war just das jüngste Spiel in Stuttgart. Dank zweier sehr später Tore gelang ein 2:0‑Sieg, nachdem der VfB die bessere Spielanlage gezeigt und dem BVB bis dahin keine Chance gelassen hatte. „Wir haben wirklich gut gespielt, aber Dortmund hat wieder gezeigt, dass sie nicht viel brauchen, um Spiele zu gewinnen“, sagt Hoeneß im Rückblick. Und Niko Kovac hätte überhaupt nichts dagegen, wenn es beim Wiedersehen genauso liefe.