Die Sonne über der Soers war bereits verschwunden, das Flutlicht erleuchtete hinter ihr das große Reitstadion der Kaiserstadt, als IOC-Präsidentin Kirsty Coventry über ihren Premierenbesuch in Aachen sprach. Und förmlich ins Schwärmen geriet: „Es war überwältigend, unglaublich“, sagte die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin, Athen 2004 und Peking 2008 gewann sie jeweils über 200 Meter Rücken. Viele Eindrücke nimmt sie mit vom wohl weltweit bedeutendsten Standort für den Pferdesport, der auch in der möglichen NRW-Bewerbung um Olympische Sommerspiele eine zentrale Rolle spielt.

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Auch wenn Wasser im sportlichen Leben der 42-Jährigen die größte Rolle gespielt hat, kann sie sich durchaus vorstellen, dass die Reiterei künftig darin eine größere Rolle spielt. Zu Hause in Simbabwe sei sie zwar von Vierbeinern umgeben aufgewachsen, habe aber nie richtig mit ihnen sportlich zusammengefunden. Womöglich ändert sich das noch, denn: „Vielleicht fängt eine meiner Töchter eines Tages an, auf Pferden zu reiten.“

IOC-Präsidentin Coventry über Aachen: „Alles nah beieinander, aber nirgendwo überlaufen“

Reit-WM Aachen
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry neben NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bei der Reit-WM. Ebenfalls zu Gast bei der WM in Aachen: Coventrys Vorgänger Thomas Bach (hinten rechts).© dpa | Anspach

Der Besuch der obersten Olympierin, die im Juni vergangenen Jahres die Nachfolge des Deutschen Thomas Bach an der Spitze des Ringe-Ordens antrat, dürfen die Aachener als große Wertschätzung verbuchen. „45.000 Zuschauer? Es ist unbeschreiblich“, sagte Coventry ins Mikrofon des WM-Ausrichters. Über den Weg, den die Reiter samt ihrer Pferde nahmen, um zum Dressurviereck zu gelangen, habe auch sie das Stadion betreten. Wenig später sollte die Britin Charlotte Fry im Grand Prix Kür ihre zweite Goldmedaille dieser Weltmeisterschaft gewinnen und Isabell Werth, mit achtmal Gold Deutschlands erfolgreichste Olympionikin, als letzte Starterin mit Wendy de Fontaine noch auf den Bronzeplatz reiten. Coventry: „Der Venue ist wunderschön, es war ein fantastischer Tag.“

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Vor allem vom weitläufigen und doch kompakten Gelände ist die IOC-Präsidentin begeistert: „Das Einzigartige dieser Anlage ist, dass alles so nah beieinander ist. Und trotzdem fühlte es sich nirgendwo überlaufen an. Die ganze Atmosphäre war ruhig und entspannt.“ Kirsty Coventry war am Samstag zunächst bei den Vielseitigkeitsreitern, anschließend bei den Voltigierern und am Abend dann zum großen Dressur-Finale im Hauptstadion. Dazwischen noch einige Gespräche mit Vertretern deutscher Spitzensportverbände. Ein zu kurzer Besuch, denn: „Ich freue mich schon, das nächste Mal mit meiner Familie hierherzukommen – dann für ein paar Tage.“

Aachen Teil der NRW-Bewerbung um Olympische Spiele

Auf dem 5600 Meter langen Gelände-Parcours habe sie erlebt, welch technische Schwierigkeiten die Reiter und Pferde bei den Hindernissen zu meistern haben. „Sie vollbringen Erstaunliches“, so die IOC-Chefin. Coventry habe gefallen, wie unter den Zuschauern über viele Generationen hinweg „das Familiäre förmlich spürbar war“.

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Mit rund einer halben Million Besuchern rechnet der Weltverband FEI, der die Austragung in die Hände des Aachen-Laurensberger Rennvereins, der Aachener Reitturnier GmbH und der Reiterlichen Vereinigung FN gegeben hat, während der 13 WM-Tage. Coventry hat aber auch bei ihrer Stippvisite einen Eindruck davon bekommen, wie Reitwettbewerbe bei Olympischen Sommerspielen aussehen könnten: Die Aachener Soers ist Bestandteil des NRW-Konzepts, das erst einmal um den nationalen Zuschlag buhlt.

Die Entscheidung fällt am 26. September bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Baden-Baden. Auch München und Berlin wollen den Zuschlag, um sich beim IOC um die Vergabe von Sommerspielen für 2036, 2040 oder 2044 zu bewerben. Neben NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) auf der Tribüne wird dies mit Sicherheit auch bei Kirsty Coventry zur Sprache gekommen sein, auch wenn es offiziell um Sportentwicklung gegangen sei. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner saßen zuvor auch mit am Diskussionstisch. „Gerade bei Sport muss man sportlich bleiben”, sagte Wüst nach dem Treffen. „Deshalb haben wir auch die Kollegen aus Bayern und Berlin eingeladen. Ich finde, das gehört sich einfach.”