Er hatte es sich kurzerhand auf der Ersatzbank gemütlich gemacht, mitten im Spiel. Dabei war das DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart, das die Bayern mit 3:0 (0:0) für sich entschieden, noch gar nicht beendet – und es sprach nichts dafür, dass Michael Olise ausgewechselt werden sollte.

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Trotzdem setzte sich der 24 Jahre alte Angreifer der Münchener für einige Augenblicke auf die Bank. Gerade hatte er den Führungstreffer nach einem schnell ausgeführten Freistoß von Joshua Kimmich vorbereitet. FCB-Torjäger Harry Kane köpfte Olises maßgenaue Flanke unbedrängt von der unsortierten Stuttgarter Hintermannschaft ins Tor (55. Minute).
DFB-Pokalfinale 2026: Mehrminütige Unterbrechung wegen Pyrotechnik
Doch weil der dichte Nebel mehrerer Pyrofackeln beider Fanlager im Anschluss der Sicht derart zusetzte, dass Schiedsrichter Sven Jablonski in seinem ersten Pokalendspiel eine mehrminütige Unterbrechung anordnete, hatte Olise Gelegenheit zu einer kurzen Verschnaufpause auf der Bank.
Es schien, als wolle der französische Nationalspieler zeigen: Der Job ist getan. Dabei hatte bis zu diesem Zeitpunkt fast nichts für eine Siegesgewissheit des Deutschen Meisters gesprochen. Eine Halbzeit lang war es beinahe ausschließlich der VfB, der die Partie bestimmte und sich Torgelegenheiten erspielte. Den Sieg und den 21. Titel der Vereinsgeschichte sicherte sich aber der Rekordpokalsieger aus München, der erstmals seit 2020 wieder im Finale stand.
Bayern ohne Neuer im Pokalfinale
Bayerns Meistertrainer Vincent Kompany konnte seine beste Elf aufbieten – mit Ausnahme von Stammtorhüter Manuel Neuer. Der 40-Jährige hatte sich am letzten Bundesligaspieltag an der Wade verletzt. Auch, damit eine WM-Teilnahme für den Rückkehrer ins DFB-Tor nicht in Gefahr gerät, verzichtete der einstige Welttorhüter auf einen Einsatz.
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Für ihn stand Jonas Urbig im Tor der Münchener. „Wir vertrauen dem Jungen unglaublich“, hatte Kompany im Vorfeld erklärt. Doch dem 22-jährigen Schlussmann war die Nervosität anzumerken, wovon zwei folgenlose Fehlpässe zeugten (4., 33.).
VfB-Trainer Hoeneß verzichtet auf Kapitän Larazor
Bei den Schwaben verzichtete Trainer Sebastian Hoeneß auf Kapitän Atakan Karazor. Der defensive Mittelfeldspieler hatte in der Bundesliga zuletzt wegen einer Rotsperre gefehlt. Sein Stellvertreter Chema Andrés verdiente sich das Startelfmandat im Pokalendspiel mit überzeugenden Leistungen.
Von einer vermeintlichen Außenseiterrolle ließ sich der Titelverteidiger in der ersten Hälfte der Begegnung nicht beeindrucken. Im Vorjahr hatten die Stuttgarter den damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld 4:2 geschlagen. Doch seit dem schwäbischen Triumph im vergangenen Jahr waren die Bayern das Maß aller Dinge im deutschen Fußball.
Stuttgart läuft die Bayern hoch an
Dreimal hatten sich beide Mannschaften in dieser Saison bereits in Pflichtspielen gegenübergestanden. Dreimal hatten die Münchener das Geschehen dominiert. Einem 2:1 zu Saisonbeginn im Supercup ließen die Bayern ein 5:0 in Stuttgart und ein 4:2 in der Allianz Arena folgen, bei dem sich der Rekordmeister überdies die Meisterschale der diesjährigen Bundesligasaison sicherte.
Von dieser Überlegenheit war in der Anfangsphase jedoch nichts zu spüren. Die Mannschaft aus der Landeshauptstadt Baden-Württembergs lief den Champions-League-Halbfinalisten hoch an und verzeichnete die ersten Chancen.
Schwungvoller Start der Schwaben
Stürmer Deniz Undav scheiterte mit einem Kopfball nach einer Ecke (2.). Maximilian Mittelstädt traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz (9.). Der schwungvolle Start der Schwaben zeugte von großem Selbstvertrauen.
Der VfB war am letzten Bundesligaspieltag dank eines 2:2 in Frankfurt in die Champions League eingezogen und hatte damit das selbst gesteckte Saisonziel bereits übertroffen. „Die Zielsetzung war die Europa League. Alles, was jetzt kommt, ist das Sahnehäubchen“, hatte der frühere Profi Dieter Hoeneß, Vater von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß, im Vorfeld im Interview mit dieser Redaktion erklärt.
Mittelstädt und Führich überzeugen
Bayern-Torjäger Kane zeichnete für die erste Torannäherung verantwortlich, als er eine Flanke von Michael Olise übers VfB-Gehäuse köpfte (22.). Stuttgarts Torhüter Nübel war zu spät ins Luftduell gekommen.

Viele Angriffe der Stuttgarter entsprangen über die linke Seite, wo mit Maximilian Mittelstädt und Chris Führich zwei Nationalspieler wirbelten, die von Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht für den deutschen WM-Kader berücksichtigt worden waren.
Kane bringt mit seinem zweiten Treffer die Entscheidung
„Sie gehören zu den absoluten Härtefällen“, hatte der Auswahlcoach, der zu den 74.036 Zuschauern im Stadion gehörte, bei der Zusammenstellung seiner Weltmeisterschaftsdelegation erklärt. Die Ausbootung schien das Duo in der ersten Hälfte von Berlin zu beflügeln. Mittelstädt zwang FCB-Keeper Urbig mit seinem Distanzschuss zu einer Glanzparade (17.).
Schon unmittelbar nach Beginn des zweiten Durchgangs zündeten beide Fankurven Feuerwerk. Und während der erste Rauchschwall sich gerade verzogen hatte, leitete Kimmich das Führungstor ein. Der VfB konnte sich nicht noch einmal aufbäumen. Und erneut Kane machte schließlich mit seinem zweiten Treffer alles klar, nachdem er schon unmittelbar zuvor per Distanzschuss die Latte getroffen hatte (80.). Sein Treffer zum Hattrick und dem 3:0 war dann schon der fließende Übergang in die rot-weiße Münchener Double-Party (90., Handelfmeter).





