Konsequent wäre ja gewesen, wenn im Ziel des nigelnagelneuen Cortina Sliding Centers wirklich ein Negroni auf ihn gewartet hätte. Als Max Langenhan danach gefragt wurde, ob er im Falle eines Olympiasieges den köstlichen italienischen Cocktail aus Gin, rotem Wermut, Campari und einer Orangenscheibe auf Eiswürfeln genehmigen wolle, antwortete Deutschlands Toprodler: „Wenn das wirklich so kommt, würde ich gerne nach der Medaille einen trinken. Dann nehme ich das Ding mit aufs Podest.“

Max Langenhan: Auf den ersten Gefühlausbruch folgt die innere Einkehr

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Die Medaille war dem 26 Jahre alten Thüringer schon vor dem finalen Lauf nach drei vorangegangenen Bahnrekorden nicht mehr zu nehmen. Aber als Langenhan am Sonntagabend das letzte Mal die 1445 Meter lange Pista Olympica Eugenio Monti heruntergedonnert war, natürlich wieder schneller als er selbst zuvor, musste die hochprozentige Belohnung nicht mehr lange warten: Der Weltmeister der letzten beiden Jahre ist nun auch Olympiasieger, und Deutschland hat sein erstes Gold bei den Winterspielen von Mailand und Cortina d‘Ampezzo. Dem ersten Gefühlausbruch im Auslauf folgte die innere Einkehr: Langenhan machte sich kugelrund auf seinem Schlitten, nach Tempo 130 ließ er die Feierlichkeiten langsam angehen.

Olympische Winterspiele 2026
Endlich Olympiasieger Max Langenhan ist maximal glücklich.© dpa | Kappeler

Felix Loch war der erste Gratulant beim tränenüberströmten Champion, der, umhüllt von einer Deutschland-Fahne, sich dann mit zusammengelegten Händen vor der starken Brust bei seinen Fans bedankte. „Geile Sau! Genieß es, genieß es!“, rief der Altmeister seinem Teamkollegen zu, für den im Moment der Triumphfahrt der Belohnungskuss von Freundin Susanne wichtiger gewesen sein wird. „Es ist ein Traum“, sagte Langenhan, dessen Vorsprung am Ende 0,596 Sekunden auf Silbermedaillengewinner Jonas Müller und 0,934 Sekunden auf Bronzemann Dominik Fischnaller betrug. „Am Ende darf ich mir die Medaille umhängen, aber eigentlich müssten sich 300 Leute eine Medaille umhängen, denn ich bin nur ein Teil eines großen Ganzen.“

Olympia 2026: Langenhan legt Goldspur – in Peking gab es 2022 neun Olympiasiege im Eiskanal

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Die Goldspur im Eiskanal von Cortina ist damit gelegt, 2022 räumten Rodler, Bobfahrer und Skeletonis neunmal Gold ab. Langenhan, der seinen Platz in der Teamstaffel damit sicher hat, ist besonders ehrgeizig. „Ich hätte gerne vier perfekte Läufe hingelegt“, sagte er noch am Samstag, „jetzt habe ich nur die Chance auf zwei.“ Diese überraschende Miesepetrigkeit passte gar nicht zur Halbzeitführung, rührte aber von starken Nackenschmerzen her. Nur dank langer Massagen hatte er sich auf seinen Schlitten legen können. Der Mann vom BRC Friedrichroda, lautstark unterstützt von seinem Fanclub um Vater Uwe in Cortina d’Ampezzo, behielt Recht: Am Ende ist der vorne, der im vom Anforderungsprofil her recht rodlerfreundlichen Eiskanal die wenigsten Fehler macht. Wer viermal Bahnrekord fährt, kann nichts falsch gemacht haben. „Ab der Tofane-Kurve habe ich gemerkt, was heute möglich ist“, sagte Langenhan nach der Gold-Fahrt.

MILANO CORTINA 2026 - OLYMPISCHE WINTERSPIELE - CORTINA D’AMPEZZO - RODELN - HERREN EINZEL
Tolle Unterstützung: Max Langenhans Fanclub aus Thüringen.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Kein Wunder, dass auch Felix Loch sich mit dem Gold-Kollegen freute. Selbst wenn dem zweimaligen Olympiasieger von Vancouver 2010 und Sotschi 2014 nur Platz sechs blieb: „Was der Max hier die zwei Tage runtergerissen hat, war einfach sensationell.“ Den persönlich gebrauchten Olympia-Samstag, an dem gleich beim ersten Start eine Bandenberührung die Goldhoffnung hatte zerschellen lassen,  analysierte der 36-Jährige so: „Es scheint vielleicht nicht genau das richtige Setup zu sein. Es gibt so Tage, solche Rennen – schade, dass es gerade bei Olympia passiert.“ Zumal es seine dritte große Fünf-Ringe-Enttäuschung in Serie ist: Ein gravierender Fehler in Kurve neun hatte Loch 2018 in Pyeongchang in Führung liegend den sicher geglaubten Olympiasieg gekostet. Nach dem verpatzten Gold-Hattrick wurde er in Peking kraftlos Vierter, nachdem ihn eine Corona-Infektion geschwächt hatte.

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Eigentlich müssten sich 300 Leute eine Medaille umhängen, ich bin nur ein Teil eines großen Ganzen.“

Max Langenhan,, Olympiasieger, über seine Fans

Das Gold im Rodel-Einzel der Männer bleibt damit in Deutschland, 2022 in Peking war Johannes Ludwig auf Platz eins. Dass der im Weltcup bessere Österreicher Müller den neuen Olympiasieger nicht hinter sich lassen konnte, war für Schorsch Hackl doppelt schmerzhaft. Deutschlands dreimaliger Olympiasieger, der seit 2022 die Österreicher trainiert, am Saisonende aber aufhören wird beim Alpen-Nachbarn, war am Sonntagmorgen an der Bahn zu Fall gekommen und annähernd zwei Meter in die Tiefe gestürzt. Im Krankenhaus wurde eine ausgekugelte Schulter wieder eingerenkt.

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Vor den Spielen hatte Max Langenhan für Aufsehen gesorgt. Erfolge seien nur für den Verband wichtig, „in Deutschland wird es insgesamt nichts ausmachen, ob wir Gold holen oder nicht“, das Interesse verschwinde nach einer Woche wieder. Nun versprach der maximal Glückliche: „Ich werde länger als eine Woche genießen.“