Berlin hat 2025 seinem Ruf als die Sportmetropole Deutschlands alle Ehre gemacht. Im nacholympischen Jahr haben die Athletinnen und Athleten aus der Hauptstadt zahlreiche Erfolge errungen, glänzende Medaillen und Pokale von internationalen Wettkämpfen mit zurückgebracht. Mannschaften wie die Füchse, die Eisbären oder die BR Volleys feierten glorreiche Meisterschaften. Neben den vielen Spitzenleistungen ereignete sich auch Kurioses und Tragisches. Die Sportredaktion der Morgenpost blickt auf das Jahr zurück.
Schale da, Schale futsch – das bewegte Jahr der Füchse
Im Juni vollbrachten die Füchse Berlin Historisches und sicherten sich die erste deutsche Meisterschale ihrer Vereinsgeschichte. Angeführt vom herausragenden Welthandballer Mathias Gidsel zogen sie in der Bundesliga durch eine Halle nach der anderen und klauten selbst von den größten Topteams die Punkte auf dem Weg zum Titel.
Die tatsächlichen Meisterdiebe schauten allerdings wenig später auf der Geschäftsstelle am Gendarmenmarkt vorbei. Im November wurde die Meisterschale zum Entsetzen der gesamten Szene gestohlen und der Raub ist bis heute nicht aufgeklärt. Kreisläufer Lukas Herburger präsentierte allerdings schnell Ersatz: Als die Füchse auf der Champions-Gala im Neuköllner Estrel als Berlins Mannschaft des Jahres ausgezeichnet wurden, präsentierte er auf der Bühne augenzwinkernd einen Teller, der eigentlich fürs Buffet gedacht war, als Schalen-Ersatz.
Die NFL ist da: erst ganz leise, dann ganz laut
Im November war die National Football League (NFL) aus den USA erstmals für ein reguläres Saisonspiel in Berlin zu Gast. Im Olympiastadion trafen die Indianapolis Colts auf die Atlanta Falcons und das Spiel wurde von einer ganzen Reihe an Showevents begleitet.

Die Amerikaner bespielten dabei die komplette Klaviatur der Emotionen. Der Spieltag war der 36. Jahrestag des Mauerfalls. Vor dem Kickoff wehten deshalb die zarten Klänge von „Wind of Change“ zum Mauerfallgedenken durchs Stadion, optisch begleitet von einer deutsch-amerikanischen Choreografie auf den Rängen.
Wenig später im Spiel stand dann plötzlich der Sänger H.P. Baxxter in der Endzone. Dessen Lied „Maria (I like it loud)“ ist die Touchdownhymne der Colts und nachdem der Ball das erste Mal in der Endzone gelandet war, performte der Scooter-Sänger sie live. Während des Spiels. Mitten auf dem Platz.
Frauen-Feiertag in Köpenick
Sie tanzten und tobten durch die Schlosserei. Der VIP-Bereich des Stadions an der Alten Försterei wurde kurzerhand zur Partyzone erklärt. An diesem 18. Mai war alles erlaubt. Ob in Badelatschen, mit verrückten Sonnenbrillen im Gesicht, in jedem Fall aber der Medaille für die Meisterschaft in der Zweiten Liga um den Hals, feierten die Frauen von Union Berlin ihren Aufstieg in die Bundesliga.

Auf dem Parkplatz vor dem Stadion hatten sich tausende Fans eingefunden, um den Saisonabschluss beider Köpenicker Profimannschaften zu feiern, die sich auf dem Balkon der Haupttribüne versammelt hatten. Im Mittelpunkt stand jedoch das Team von Cheftrainerin Ailien Poese. Immer wieder wurde die Meisterschale weitergereicht, jede Aufstiegsheldin wollte mit der Trophäe verewigt sein.
Dieser Feier-Tag hat dem inzwischen durch zahlreiche Verletzungen gebeutelten Team auch durch den ersten Saisonabschnitt in der Bundesliga getragen. Das Ziel Klassenerhalt ist jedenfalls alles andere als eine Utopie.
Als Hertha die große Euphorie anzettelte
Es war ein Abend, wie ihn das Olympiastadion seit Jahren nicht mehr erlebt hatte. 6:1 filetierte Hertha BSC die Gäste vom 1. FC Kaiserslautern Anfang Dezember im Achtelfinale des DFB-Pokals und füllte mit der Galavorstellung den Traum vom Endspiel im eigenen Stadion mit neuem Leben.

Mit Kennet Eichhorn verewigte sich ein 16-jähriges Ausnahmetalent als jüngster Profitorschütze in der Vereins-Chronik. Die Szene, über die im Anschluss Fußballfans deutschlandweit lachten, hatte aber Dawid Kownacki zu verantworten. Der Berliner Stürmer hatte Lauterns Kapitän Marlon Ritter kurz vor dem Spielende einen Taktikzettel abgeluchst und kurzerhand studiert. Wie die Morgenpost später erfuhr, ging es auf dem Papier um eine Systemumstellung.

Donnerstag
Eiszeit – der Eisbären-Newsletter
Jeden Donnerstag alles Wichtige von den Eisbären Berlin – Highlights, News und spannende Einblicke.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der Triumph im Pokal war der Höhepunkt einer Siegesserie von sieben Spielen, die eine lange vermisste Euphorie in der Hauptstadt entfachte und die bewirkte, dass Fußballinteressierte aus der ganzen Republik den Zweitligisten als Erfolgsklub auf dem Zettel hatten. Fünf Tage später endete der Jubelrausch mit einem 0:2 gegen Magdeburg. Hertha hatte sich mal wieder verzettelt.
Triumph nach der Tragödie
Eigentlich sollten sich die Eisbären Berlin auf das Spitzenspiel gegen Ingolstadt am nächsten Tag vorbereiten. Doch an diesem 28. Januar blieb die Eisfläche im Wellblechpalast leer. Kein Training, niemand zu sehen. Das Team versammelte sich in der Kabine, kaum jemand vermochte etwas zu sagen.
Wie gelähmt waren alle, nachdem die Mannschaft tags zuvor im Krankenhaus am Bett von Mitspieler Tobias Eder gestanden hatte. Er litt an Krebs, war aber wenige Wochen zuvor noch sehr zuversichtlich, diesen überwinden zu können. Plötzlich veränderte sich alles rasend schnell. Am 29. Januar verstarb der Stürmer schließlich im Alter von nur 26 Jahren.

Die Eisbären schweißte der große Verlust zusammen. Das Gefühl, eine Familie zu sein, war nie stärker als in dieser schweren Zeit. Es gab dem Team die Kraft, auf allen Ebenen über sich hinaus zu wachsen und am 25. April die elfte Meisterschaft in der Deutschen Eishockey Liga zu feiern. „Dieser Titel trägt einen Namen“, sagte Stürmer Marcel Noebels.
Rückkehr des verlorenen Sohnes
Das Flutlicht musste helfen. Anders wären brauchbare Selfies auf dem Trainingsplatz von Union Berlin gar nicht möglich gewesen. Und es war auch nicht irgendjemand, mit dem die Fans ein Foto haben wollten. Wenn „der verlorene Sohn“ schon zurückkehrt, dann soll das auch entsprechend mit nach Hause genommen werden.
Der 2. Januar, der erste Arbeitstag von Steffen Baumgart als Cheftrainer von Union Berlin, hat beim Berliner Fußball-Bundesligisten die Uhren noch einmal auf Null stellen lassen. Einer, der für Union von 2002 bis 2004 selbst gestürmt und dabei nie aufgegeben hat, er sollte nun der Heilsbringer für eine Spielzeit werden, die erneut dramatisch zu enden drohte.

Den Köpenickern gelang der Coup, weil ein rumpeliger Baumgart-Start mit acht Spielen ohne Niederlage den Klassenerhalt brachte. Eine Serie, die dem derzeitigen Union-Jahrgang auch guttun würde.
Wembley in Lankwitz
Dass es dieses Tor noch einmal geben würde, ist kaum zu glauben. Oder war es doch ein Nicht-Tor? Der letzte Treffer der Oberliga-Saison 2024/25 geht jedenfalls in die Historie ein. Nicht zuletzt, weil dieser Schuss von Abwehrspieler Lenny Stein von der Latte hinter die Torlinie (oder auch nicht) prallte und den BFC Preussen in völlige Ekstase stürzte.
Berlins Amateurfußball ist seit diesem 31. Mai um eine Geschichte reicher. Weil den Preussen in zwei Jahren der kaum für möglich gehaltene Durchmarsch von der Berlin-Liga in die Viertklassigkeit gelang. Und weil dieser Tag für einen anderen Klub den nächsten Scherbenhaufen bedeutete.
Eintracht Mahlsdorf hätte ein Remis zum Aufstieg gereicht. Nun blieb nur eine Woche nach dem verlorenen Berliner-Pokalfinale (0:2 gegen den BFC Dynamo) einer sensationellen Saison die Krönung verwehrt. Dass die Preussen aktuell zweitbester Berliner Regionalligist hinter der VSG Altglienicke sind, passt ins Bild.
Erlösung nach dem längsten Kampf der Sportgeschichte
Es gab Champagner, alles andere wäre nicht angemessen gewesen. Denn an diesem 10. März endete nicht nur die Karriere einer der erfolgreichsten deutschen Sportlerinnen aller Zeiten. Claudia Pechstein hätte das Eisschnelllaufen als Athletin gern schon viel früher aufgegeben als mit stolzen 53 Jahren. Doch sie musste immer weiter machen, denn ihr Leben war viel zu lange ein großer Prozess.

Anfang 2009 war sie aufgrund von Dopingvorwürfen für zwei Jahre gesperrt worden, unberechtigt. Sich gegen dieses Urteil zur Wehr setzen, wurde allerdings zu einer Odyssee. Die Berlinerin gab nie auf, obwohl sie öfter kurz davor war. Sie überstand etliche Gerichtsverfahren, kämpfte immer weiter.
Ihr Durchhaltevermögen beeindruckte auf sportlicher (sie startete 2022 noch bei Olympia) wie auf juristischer Ebene. Nach über 16 Jahren folgte schließlich die Einigung mit dem Weltverband ISU, Pechstein wurde rehabilitiert und konnte endlich loslassen. Es war eine Befreiung, die sie mit viel Publikum feierte.




