Theo Reinhardt trat in die Pedale, mit allem Druck, den er aufbringen konnte. Die letzte Sprintwertung des Zweier-Mannschaftsfahrens lag vor dem Berliner, und er wusste, dass er diese Wertung gewinnen musste, um den Sprung auf das Podest noch zu schaffen. Also trat Reinhardt, er trat, gab alles. Und er fuhr als Erster über die Ziellinie. Weit hinter ihm riss Kollege Roger Kluge die Arme in die Höhe. Bronze.

Für die Weltmeister der vergangenen beiden Jahre vielleicht im ersten Moment kein Traumergebnis bei der Bahnrad-WM im Velodrom. Doch der Erfolg war hart erkämpft und deshalb trotzdem wertvoll. „Diese Medaille haben wir definitiv gewonnen“, sagte Kluge nach dem Sieg der Dänen Michael Mörköv und Lasse Norman Hansen. „Es war ein sehr hartes Rennen“, bilanzierte der ausgepumpte Reinhardt, „aber das Publikum hat uns wahnsinnig unterstützt. Grandios, was hier heute los war.“ Fast 5000 Besucher in der heimischen Halle hatten Reinhardt auf der letzten Runde angetrieben.

Schon früh hatte sich abgezeichnet, dass die Dänen diesmal das Maß der Dinge sein würden. Ihnen gelang ein Rundengewinn, nach welchem sie das Rennen nicht nur kontrollierten, sondern dominierten. Bei den Sprints sammelten sie Punkt um Punkt, waren bald uneinholbar. Mit 62 Zählern siegten sie vor den Neuseeländern (33 Punkte) und dem Berliner Duo (32), das lange nicht zum Zug gekommen war bei den Sprints und bei den Rundenversuchen stets schnell gestellt wurde.

Die Bilanz des BDR fällt sehr positiv aus

Einen goldenen Abschluss gab es für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) dennoch in Berlin. Im letzten Rennen der WM krönte sich Emma Hinze endgültig zur Sprintkönigin dieser WM. Die 22-Jährige aus Cottbus gewann am Sonntag das Keirin-Rennen und holte damit in allen drei olympischen Kurzzeit-Disziplinen die Goldmedaille. „Ich habe meinen Physiotherapeuten gebeten, mich mal zu kneifen. Ich glaube, ich werde noch Tage brauchen, zu realisieren, was ich hier erreicht habe“, sagte Hinze, die vom Publikum mit Ovationen gefeiert wurde.

Fast 20.000 Zuschauer besuchten das Velodrom in den fünf Tagen der WM. „Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden“, sagt Organisationsleiter Burckhard Bremer. Auch der Verband konnte mehr als zufrieden sein mit der Ausbeute der Medaillen. Im Olympiajahr wurde die Bilanz im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert mit vier Mal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze (zuvor 1/2/3). „ Sportlich war es eine sehr erfolgreiche WM. Wir haben unsere Ziele erreicht“, sagte BDR-Sportdirektor Patrick Moster.