Fussball

Tennis Borussia: Ex-Boss Redlich scheitert vor Gericht

Der frühere Vorstandsvorsitzende hatte gegen seine Entmachtung vorgehen wollen. Stattdessen wurde die neue Klub-Führung gestützt.

Tennis Borussias früherer Vorstandsvorsitzender Jens Redlich (l.) beim Gerichtstermin in Charlottenburg.

Tennis Borussias früherer Vorstandsvorsitzender Jens Redlich (l.) beim Gerichtstermin in Charlottenburg.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin. Die Bediensteten des Amtsgerichts Charlottenburg befürchteten offenbar das schlimmste. „Keine Randale“, rief ein Sicherheitsbeamter präventiv auf den Flur vor dem Saal 142. Dort hatten sich am Mittwochmittag gut 30 Fans von Tennis Borussia eingefunden, um das Schicksal „ihres“ Klubs zu verfolgen.

Verhandelt wurde die Sache Jens Redlich gegen TeBe, die sich leicht zum „Kampf um die Fußball-Kultur“ hochjazzen ließ. Hier der vermeintlich machtbesessene Geldgeber ohne Sinn für die Interessen der Mitglieder; dort das vermeintliche Herz des Vereins um die aktive Fanszene des Fußball-Oberligisten. Ein ungleiches Kräftemessen, das jedoch eindeutig ausfiel: Redlich blieb nur zweiter Sieger, und in der Niederlage betont gefasst. „Wir akzeptieren das Urteil“, sagte er nach der Verhandlung, „ich wünsche der neuen Führung alles Gute.“

Bundesweites Interesse an dem Fall

Redlich (38), der sich als Hauptsponsor und Vorstandsvorsitzender in den vergangenen drei Jahren als starker Mann positioniert hatte, war Ende Juli gegen seinen Willen entmachtet worden. Aus seiner Sicht ein „Putsch“, der ein juristisches Nachspiel haben werde. In der Tat, nur mit anderem Ausgang als von Redlich erhofft. Das Gericht entschied: Eine rechtliche Grundlage, Redlich in seinen Posten als Vorstandsvorsitzenden zurück zu hieven, gibt es nicht.

Das mediale Interesse an der Verhandlung war groß, ein Dutzend Journalisten waren vor Ort, schließlich hatte das Thema bundesweit Wellen geschlagen. Ein Umstand, der nicht zuletzt dem Engagement der lila-weißen Fans geschuldet war, die sich in der Vorsaison aus Protest abgewandt hatten.

Von Dialog oder Mitspracherecht hatte Redlich nichts wissen wollen, stattdessen stärkte er mit mutmaßlich eingekauften Neu-Mitgliedern seine Macht. Also pilgerten die Fans fortan lieber zu ausgewählten Amateurvereinen als ins heimische Mommsenstadion. Eine Aktion, die später mehrfach ausgezeichnet wurde.

Redlich stolpert über Rücktrittsmail

Die Wende dann mit Redlichs Absetzung: Seither werden die Fußballfeste wieder bei TeBe gefeiert – und das nicht zu knapp. Mit vier Siegen aus vier Spielen steht der Traditionsklub derzeit auf Platz eins, flirtet mit dem langersehnten Aufstieg in die Regionalliga.

Redlich, der seit 2016 nach eigenen Angaben knapp drei Millionen Euro in den Verein gepumpt hat, suchte bis zuletzt die Nähe von Mannschaft und Trainer, muss nun aber wohl einsehen, dass seine Tage bei TeBe gezählt sind.

Letztlich stolperte über eine impulsive Rücktrittsmail, verschickt im November 2018. Zwei Tage später folgte zwar der Rücktritt vom Rücktritt, doch jener ist im Vereinsrecht nicht vorgesehen. Eine Gelegenheit, die sich die findigen Aufsichtsräte Franziska Hoffmann und Christian Gaebler (SPD, Chef der Senatskanzlei) sowie die neu bestellten Vorstände Günter Brombosch und Steffen Friede nicht entgehen ließen.

TeBe braucht neue Sponsoren

Die Verhandlung verfolgte Redlich, Turnschuhe, Edel-Jogginghose, weißer Strickpulli, nervös bis fahrig, war pausenlos mit seinem Handy beschäftigt, wog seinen Kopf in Boxer-Manier mehrfach von links nach rechts. Neben ihm kam auch sein Anwalt ins Schwitzen. „Sie befinden sich auf dem völlig falschen Spielfeld“, warf ihm ein Kollege der Gegenseite vor. Tatsächlich hatte das Redlich-Lager probiert, jenseits des Vereinsrechts zu argumentieren.

Wie es nun weitergeht bei Tennis Borussia? Sportlich mit dem Spiel beim Brandenburger SC am Sonnabend (14 Uhr), wirtschaftlich ist die Zukunft des Vereins, der nun neue Sponsoren braucht, indes noch vage. Auch Neu-Vorstand Brombosch betonte: „Wir müssen eine finanzielle Ebene finden.“