Nach der überraschenden Entmachtung des Vorstandsvorsitzenden Jens Redlich bleibt die Atmosphäre beim Fußball-Oberligisten Tennis Borussia angespannt. Als sich die neue Vereinsführung am Mittwochabend den Fragen der Mitglieder stellte, wurde im Casino des Mommsenstadions jedenfalls hitzig diskutiert. Schon zu Beginn der Veranstaltung bildeten sich unter den rund 80 Anwesenden zwei Lager.
Streitpunkt war die denkwürdige Mitgliederversammlung im Januar, bei der der in der aktiven Fan-Szene ungeliebte Redlich seine Machtposition mit Stimmen von offenbar einbestellten Neumitgliedern gestärkt hatte.
Gerade unter den jüngeren Mitgliedern hatte dies auf der Versammlung zu vehementen Protesten geführt, was am Mittwoch von überwiegend älteren Mitgliedern scharf kritisiert wurde. Ein Disput, aus dem später immerhin eine konstruktive Kommunikationsbasis entstand.
Transfer auf Konto des Ex-Bosses
Die neue Klub-Führung um Franziska Hoffmann und Günter Brombosch muss sich mit vielen weiteren Problemen beschäftigen. Unterlagen fehlen, Finanzflüsse lassen sich zum Teil noch nicht nachvollziehen, eine Übergabe fand nicht statt.

Vor allem die finanzielle Zukunft wirft Fragen auf, schließlich war Redlich auch Geldgeber und ist über seine Fitness-Kette Crunch Fit nach wie vor Hauptsponsor. Vorerst sei der Etat gesichert, darüber hinaus laufen bereits Gespräche mit neuen Sponsoren.
Grund für Irritation sind die Geldströme der Vergangenheit. Wenige Stunden nach dem Vorstandswechsel am 30. Juli seien 22.000 Euro von einem Vereinskonto auf ein Konto von Redlichs Firma Crunch Fit überwiesen worden. Dabei soll es sich vor allem um Mitgliedsbeiträge und Spenden handeln.
Das Landeskriminalamt ermittelt
„Wir haben die Angelegenheit den Ermittlungsbehörden übergeben“, hieß es von Seiten der neuen Vereinsführung. Inzwischen soll sich das Landeskriminalamt des Falls angenommen haben.
Ähnlich skurril: Im Dezember und Januar, also vor der skandalösen Mitgliederversammlung, habe es 384 Neueintritte in den Verein gegeben, allesamt als Barzahler verzeichnet. Im Juli sollen sie ihren Mitgliedsbeitrag erneut bar bezahlt haben, allerdings sind auf der Geschäftsstelle bislang weder Bargeld noch Einzahlungsbelege zu finden.
„Wir recherchieren intern in alle Richtungen“, so die Klub-Führung: „Sollten wir auf größere Unregelmäßigkeiten stoßen, werden wir gegebenenfalls auch hier die Ermittlungsbehörden einschalten.“
JL


