Rad-Klassiker

Weltmeister Sagan siegt bei Paris-Roubaix

Eine Machtdemonstation auf dem Rennrad: Mit einer 54 Kilometer langen Flucht düpiert der Weltmeister alle Klassiker-Konkurrenten.

Peter Sagan feiert seinen Triumph im Stade Velodrom von Roubaix

Peter Sagan feiert seinen Triumph im Stade Velodrom von Roubaix

Foto: Yorick Jansens / dpa

Mit dreckverschmiertem Gesicht stemmte Peter Sagan auf der Betonpiste von Roubaix seine goldene Rennmaschine in die Höhe und ließ sich nach einem weltmeisterlichen Coup feiern. „Das ist einfach unglaublich, einer meiner größten Siege. Ich bin so glücklich“, sagte der Radstar nach der Kopfsteinpflaster-Tortur beim 116. Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix, als er mit einer spektakulären Attacke 54 Kilometer vor dem Ziel die gesamte Konkurrenz düpiert hatte und als Weltmeister seit Bernhard Hinault 1981 den Klassiker gewann. Sagan, der im Schlusssprint im Stade Velodrom den Schweizer Meister Silvan Dillier als einzig verbliebenen Gegner sicher bezwang, bescherte damit am Sonntag seiner deutschen Mannschaft Bora-hansgrohe den größten Erfolg der neunjährigen Teamhistorie.

„Ich war frischer als in den letzten Jahren und ich hatte keinen Crash. Es lief nach Plan“, ergänzte Sagan, der sich nicht einmal von einem lockeren Lenker aufhalten ließ. Es war eine Machtdemonstration des dreimaligen Weltmeisters auf den 257 Kilometern, davon 54,5 über die gefürchteten Kopfsteinpflasterpassagen namens Pavés. Platz drei belegte in der sogenannten „Hölle des Nordens“ der Niederländer Niki Terpstra.

Die deutschen Hoffnungen erfüllten sich dagegen nicht. John Degenkolb, der 2015 auf der alten Betonpiste von Roubaix noch gewonnen hatte, erreichte bei seinem Lieblingsrennen mit großem Rückstand das Ziel und musste damit eine weitere Enttäuschung in diesem Frühjahr einstecken. Tony Martin wurde unterdessen ein schwerer Sturz 48 Kilometer vor dem Ziel zum Verhängnis, als er unter anderem mit seinem früheren Teamkollegen Alexander Kristoff kollidierte. Bester Deutscher war der junge Hürther Nils Politt auf Platz sieben. Schon bei der Flandern-Rundfahrt war der 24-Jährige bester Deutscher gewesen.

Sagan hatte bereits frühzeitig seine großartige Show begonnen. Wie einst Klassikerkönig Fabian Cancellara pflügte Sagan im Express-Tempo über die Feldwege aus den Zeiten Napoleons. Nicht einmal das übermächtige belgische Quick-Step-Team mit Flandern-Champion Terpstra vermochte dagegenetwas auszurichten. Und als sich Sagans Lenker lockerte, holte er sich kurzerhand am Materialwagen einen Schraubenschlüssel.

Damit macht sich die millionenschwere Verpflichtung des exzentrischen Stars für Bora immer mehr bezahlt. Nach Etappensiegen bei Tour, Giro und Vuelta sowie Sagans Sieg bei Gent-Wevelgem war es für die Mannschaft von Teamchef Ralph Denk der erste große Klassiker-Erfolg.

Belgier Goolaerts muss nach Sturz reanimiert werden

Noch in der vergangenen Woche hatte sich Sagan noch bitter beschwert, dass die restlichen Teams nur gegen ihn arbeiten würden anstatt bei der Aufholjagd gegen Quick Step zu helfen. Diesmal übernahm der Slowake gleich selbst die Initiative und zeigte seine außerordentlichen Fähigkeiten.

Überschattet wurde das Rennen vom Sturzdrama um den belgischen Radprofi Michael Goolaerts. Der Fahrer aus dem zweitklassigen Team Veranda’s Willems-Crelan musste nach dem Zwischenfall auf dem zweiten Kopfsteinpflaster-Sektor Briastre offenkundig reanimiert werden, wie TV-Aufnahmen nahelegten. In ernstem Zustand wurde der 23-Jährige ins Krankenhaus von Lille gebracht. Nachrichten über den Gesundheitszustand ließen bei Rennende noch auf sich warten.