Die Königin aller Klassiker im Radsport verspricht in diesem Jahr besonderes Spektakel. Bei Paris-Roubaix geht es auf 54 der 256 Kilometer über sieben Millionen Pflastersteine, durch das widrige Wetter der letzten Wochen werde manche der Feldwege aus den Zeiten Napoleons noch teilweise durchweicht. „Das sind die großen Risiken“, weiß Renndirektor Thierry Gouvenou.

Für Unruhe im Peloton sorgt in der „Hölle des Nordens“ zudem, dass viele Stars der Szene noch unter dem Druck stehen, in diesem Frühjahr endlich mal ein gutes Ergebnis zu liefern. Dazu gehören die deutschen Profis John Degenkolb (Team Trek Segafredo) und Tony Martin (Katjuscha-Alpecin) ebenso wie der dreimalige Weltmeister Peter Sagan, der für das deutsche Team Bora-hansgrohe fährt. Insbesondere Sagan sah sich oft in diesem Frühjahr fast immer in der Rolle des Einzelkämpfers, arbeiten doch viele Teams im Rennen gegen ihn. Auch zuletzt in Flandern hatte die Konkurrenz kein Interesse daran, mit Alleskönner Sagan in der Gruppe den späteren Sieger Niki Terpstra (Niederlande) wieder einzuholen. „Ich bin nicht der einzige Fahrer, der zu schlagen ist. Wenn die anderen Fahrer nicht aufwachen, gewinnt Quick-Step die Rennen“, beklagte Sagan. So fährt der belgische Super-Rennstall mit Stars wie Terpstra oder Ex-Weltmeister Philippe Gilbert reihenweise Siege ein, beim Scheldeprijs am Mittwoch gab es bereits den 24. Saisonerfolg für Quick-Step.

Einen weiteren Versuch startet auch der viermalige Zeitfahr-Weltmeister Martin, der sich allmählich mit Pavés (französisch für Kopfsteinpflaster) angefreundet hat. Bei der Tour de France gewann der 32-Jährige 2015 die Kopfsteinpflaster-Etappe nach Cambrai und holte sich damals sogar das Gelbe Trikot dabei. „Meine Form war bei den belgischen Klassikern gut, auch wenn nichts Zählbares rausgekommen ist“, sagte Martin: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich einiges erwarte. Nur muss am Ende alles zusammenpassen.“

Auch Degenkolb (29), der das Rennen 2015 gewinnen konnte, hofft auf eine Trendwende. „Ich verspüre keinen Extra-Druck. Es werden auch nach Sonntag noch Rennen gefahren“, betonte der Klassikerspezialist, für den das Frühjahr alles andere als wunschgemäß lief. Eine Bronchitis hatte ihn Anfang März zurückgeworfen. Überhaupt lief seit seinem Sieg vor drei Jahren einiges schief. „Er arbeitet hart, bei seinem Talent wird er wieder große Rennen gewinnen. Wir glauben an ihn“, betonte Trek-Sportdirektor Dirk Demol.

dpa/sid