DFL

Die Bundesliga diskutiert über die 50+1-Regel

DFB-Präsident Reinhard Grindel erklärt in Berlin, warum sein Verband sich erst einmal zurückhält.

Mehr als 2800 Fangruppen unterstützen die Initiative „50plus1-bleibt“

Mehr als 2800 Fangruppen unterstützen die Initiative „50plus1-bleibt“

Foto: Peter Steffen / dpa

Berlin.  Applaus ohne Widerspruch ist für Reinhard Grindel in seiner Funktion als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht unbedingt die Regel. Umso mehr genoss er den herzlichen Empfang beim 25. Treffen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) im Wedding. Grindel sprach bei der Veranstaltung im Centre Francais das Grußwort. Den Fanprojekten sicherte er weiterhin finanzielle Unterstützung durch den DFB zu.

Was das dringendste Thema dieser Tage angeht, gab sich Grindel gelassen. „Wir als DFB warten in Ruhe die Mitgliederversammlung der DFL ab und halten uns erst einmal aus der Diskussion heraus. Wenn es dann Bewegung in eine bestimmte Richtung geben sollte, werden wir darüber ­reden“, so Grindel.

England und Spanien kennen 50+1 nicht

Am Donnerstag findet in Frankfurt/Main die Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) statt. Für Hertha BSC ist Finanzchef Ingo Schiller vor Ort. Dabei wollen die 36 Profiklubs aus den ersten zwei Ligen diskutieren, wie es mit der sogenannten 50+1-Regel weitergeht. Diese untersagt es Investoren, die Mehrheitsanteile an Fußball-Klubs zu übernehmen – aus Angst vor Entscheidungen, die sich nicht am sportlichen Erfolg orientieren. In anderen Ländern wie Spanien, Italien oder in England existiert eine solche Regelung nicht.

Sie ist eines der größten Streitthemen des deutschen Fußballs. Eine große Mehrheit der Fans, aber auch Klubs wie der SC Freiburg, Borussia Dortmund oder der FC St. Pauli sind für ihren Erhalt. Mehr als 2800 Fan-Gruppen unterstützten die Initiative „50+1-bleibt“. Es gibt aber auch andere Stimmen. Kritiker halten 50+1 für ­juristisch angreifbar. Außerdem sehen sie durch die Regel die internationale Wettbewerbs­fähigkeit deutscher Klubs gefährdet.

Was ist mit den Klub mit Ausnahmegenehmigungen?

Eine weitere Frage ist, wie mit Ausnahmegenehmigungen umzugehen ist. Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim haben eine solche erhalten. Martin Kind hat für Hannover 96 eine solche beantragt. Dieser Vorschlag ruht derzeit. Zudem spielt mit RB Leipzig ein Konkurrent im Mantel eines Vereines, der aber klar den Interessen eines Konzernes dient.

Die Diskussion hatte in den vergangenen Monaten durch das schwache internationale Abschneiden deutscher Vertreter an Fahrt gewonnen. „Die Bundesliga muss sich im internationalen Wettbewerb behaupten. Jede andere Sicht wäre eine Verkennung von Realitäten im internationalen Medien- und Sponsorenmarkt“, sagt Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann. Ein „freies Spiel der Kräfte“ wie in der Premier League dürfe es aber nicht geben. Hellmann geht mit Reformvorschlägen in das DFL-Treffen. Ein Investor müsse „die Wurzeln, die Tradition und Kultur des Klubs akzeptieren und darf nicht den Anspruch haben, die Identität des Klubs zu verändern“, so Hellmann. Zu schützen seien der Name, der Standort oder die Farben des Vereins oder der Erhalt von Stehplätzen.

Die Bedürfnisse der Fans

Viele Fans befürchten durch eine Abschaffung von 50+1 ein weiteres Voranschreiten der Kommerzialisierung. Englische Klubs, die nach der Übernahme von Investoren ihre Identität einbüßten, gelten als warnende Beispiele. Andrerseits hat keine Liga so viele Weltstars am Start wie die Premiere League.

Die Hauptaufgabe der deutschen Klubs besteht nun darin, die internationale Konkurrenzfähigkeit zu wahren und gleichzeitig die Bedürfnisse der eigenen Anhänger nicht vollständig zu ignorieren.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.