Er schwänzte das Training, um den Wechsel zu einem größeren Klub zu erzwingen. Sein Verein war empört, fühlte sich verraten, fluchte ob des Sittenverfalls. Und bei Borussia Dortmund fand man das hinnehmbar.
Als Henrikh Mkhitaryan 2013 zum BVB wechselte, hatte er das nur durch einen Streik bei Schachtjor Donezk erreicht. Der Armenier presste sich frei, schwänzte gar ein ganzes Trainingslager, um endlich zu seinem „Traumklub“ Dortmund wechseln zu können. Und der BVB nahm den abtrünnigen Mittelfeldspieler freudig auf, brauchte er doch einen Nachfolger für Mario Götze.
Jetzt erreicht wieder ein Profi durch Erpressung sein Ziel. Pierre-Emerick Aubameyang macht so lange Tamtam, bis man ihn zum FC Arsenal verkauft. Nur diesmal ist der BVB nicht der Nutznießer, sondern der Geschädigte. Empörung. Sittenverfall. Jetzt tönt es aus Dortmund.
Streikende Profis gab es schon immer
Der Fußball hat ein Problem: Er ist knallhartes Business, wird aber als Romantik verkauft. Als „Echte Liebe“, wie der BVB-Slogan lautet. Es ist natürlich keineswegs zu begrüßen, dass Profis wie Aubameyang ihre Verträge nur noch so lange als bindend empfinden, wie es ihnen passt, ihr Team im Stich lassen (Fußball ist immer noch ein Mannschaftssport) und gar in Kauf nehmen, dass der durch sie erzeugte Tumult die Saisonziele eines ganzen Vereins gefährdet.
Doch wenn jetzt die Branche aufheult, ist sie der Doppelmoral verdächtig. Im umgekehrten Fall, wenn Klubs einen Spieler unbedingt haben wollen, ist den meisten egal, wie das erreicht wird. Der BVB hätte Mkhitaryan ablehnen können, nachdem der 2013 mit den Sperenzien begann. Er tat es nicht und erlebte, wie der sich dann auf ähnlich unrühmliche Weise 2015 weiter zu Manchester United erpresste.
Abtrünnige Profis sind kein neues Phänomen. Schon 1995 profitierte der BVB davon, dass Torschützenkönig Heiko Herrlich das Training in Gladbach boykottierte, bis er nach Dortmund wechseln durfte. Und dann gibt es ja auch noch den umgekehrten Fall: Hertha wollte Sandro Wagner 2015 so dringend loswerden, dass man ihn trotz eines bestehenden Vertrags mobbte, im Training allein aufs leere Tor schießen ließ, bis er endlich verschwand. Das ist alles nicht schön, aber es gehört zum Fußball dieser Tage. Der nun mal knallhartes Business ist und keine Romantik.




