Im vergangenen Jahr ist der Verein von Abass Baraou deutscher Mannschaftsmeister geworden, doch so richtig konnte sich der Boxer nicht als Champion fühlen. Nur einmal war er für den thüringischen Vertreter Nordhäuser SV in den Ring geklettert, die restliche Zeit bereitete er sich auf die Welt- und Europameisterschaften vor. Mit Erfolg: Bei der EM gewann Baraou überraschend die Goldmedaille im Weltergewicht, bei der WM in Hamburg immerhin Bronze. Es war das einzige Edelmetall für den Deutschen Boxsport-Verband bei den Titelkämpfen im eigenen Land.

2018 gibt es jedoch keine internationale Meisterschaft, so dass Baraou in diesem Jahr voll auf die Bundesliga setzt. Und die wird für den 23-Jährigen nun zu einer Herzensangelegenheit. Denn zum ersten Mal, seit er vor vier Jahren nach Berlin gezogen ist, wird der Boxer in dieser Saison auch für einen Berliner Verein kämpfen – für Hertha BSC. Beim Saisonauftakt in Schwedt wird er am Sonnabend erstmals das blaue Trikot tragen.

„Die Liga hat für mich in diesem Jahr einen hohen Stellenwert“, sagt der Mann mit den togolesischen Wurzeln. Seine Verpflichtung ist auch eine deutliche Ansage an die Konkurrenz: Nach Rang zwei im Vorjahr wollen die Herthaner nun mit seiner Hilfe erstmals seit 2009 wieder den Titel in die Hauptstadt holen. „Ich glaube, wir haben sehr gute Chancen“, meint Baraou. Außer ihm stehen mit Omar El-Hag im Bantamgewicht und Leichtgewichtsboxer Murat Yildirim zwei weitere WM-Teilnehmer im Aufgebot. „Wir haben einen starke Truppe beisammen und aktuell sicherlich einen der besten Kader in Deutschland“, sagt Baraou. „Es wird für die Konkurrenz deshalb schwer werden, an uns vorbeizukommen.“

Baraou wuchs in Oberhausen auf. Seit 2014 lebt er in Berlin, wo er seitdem von Ralf Dickert trainiert wird. „Ich verdanke Herrn Dickert sehr viel, er hat großen Anteil an meinem Erfolg“, sagt der Sportler über seinen Coach. Er selbst schufte schon hart für den Erfolg, doch Dickert arbeite noch einmal doppelt so hart. „Ihm fallen sogar kleinste Fehler auf“, so Baraou, an denen er mit seinem Schützling akribisch feilen würde, selbst wenn dieser den Kampf zuvor klar gewonnen hatte.

Das war 2017 meistens der Fall: Lediglich einmal verließ Abass Baraou den Ring als Verlierer – ausgerechnet im WM-Halbfinale gegen den Kubaner Roniel Iglesias. Eine Enttäuschung für den ehrgeizigen Faustkämpfer, der im vergangenen Jahr dennoch viel Positives erkennt. „Ich habe gegen Boxer mit ganz unterschiedlichem Stil viel dazugelernt. Mit dieser Erfahrung kann ich in Zukunft noch besser werden“, sagt Baraou.

Auch menschlich habe er sich weiterentwickelt. Als Jugendlicher wollte er eigentlich nie Boxer werden, entsprechend locker war er manchmal an die Sache herangegangen. Inzwischen verfolgt er seine Ziele mit eiserner Disziplin. Baraou sagt: „Ich bin vor allem vom Kopf her gewachsen. Boxen ist längst zu meinem Leben geworden.“ Im Dress von Hertha BSC will er nun den nächsten Schritt machen und einen Meistertitel gewinnen, der sich auch wie einer anfühlt.