Zu mir oder zu dir? Diese Frage haben sich Boxerin Nina Meinke und ihr Freund Serdar Sahin zuletzt häufiger gestellt, seit feststand, dass beide an diesem Sonnabend kämpfen werden – Meinke in Düsseldorf, Sahin in Essen. Somit war klar, dass ihr gemeinsamer Trainer Kay Huste nur einen von ihnen persönlich würde betreuen können. Am Ende erhielt Meinke den Vorzug, die bei der „Nacht der Champions“ im Düsseldorfer Castello gegen Grecia Nova aus der Dominikanischen Republik um den WIBF- und GBU-Intercontinental-Titel boxt.

Huste, früher selbst aktiv und 1998 Europameister im Leichtgewicht, entschied sich auch deshalb für sie, weil es ihr erster gemeinsamer Kampf ist. Bislang war Nina Meinke von Sven Ottke betreut worden, doch die Distanz zwischen seinem jetzigen Wohnort Karlsruhe und Berlin sei auf Dauer einfach zu groß gewesen, sagt sie. Ottke ist ein guter Freund ihres Vaters und ihr Patenonkel, doch gerade diese persönliche Nähe belastete das Verhältnis. Ottke fiel es schwer, wenn sein Schützling im Ring in Bedrängnis geriet. „Da war zu viel Emotion dabei“, sagt Meinke. „Ich brauche jemanden, der mich nur als Boxerin sieht und nicht als sein Patenkind, das er beschützen will.“

Vor einer Rekordkulisse in Wembley

Vor eineinhalb Jahren wechselte die Spandauerin ins Profilager. Sechs Profikämpfe hat sie bislang absolviert, fünf davon gewonnen – die einzige Niederlage gab es Ende April gegen Katie Taylor aus Irland. An den Auftritt im Wembley-Stadion erinnert sich Meinke trotzdem gern zurück. Der Kampf in London fand im Vorprogramm der Schwergewichts-WM zwischen Wladimir Klitschko (Ukraine) und Anthony Joshua (Großbritannien) statt. 45.000 Zuschauer waren dabei – nie zuvor hatten zwei Frauen vor einer solchen Kulisse geboxt. „Es war der Wahnsinn. Schon beim Wiegen waren 2000 Leute da“, erzählt Meinke. Als klare Außenseiterin war sie in das Duell mit der Olympiasiegerin von 2012 gegangen, in dem sie chancenlos war, aber sieben Runden lang eine couragierte Leistung zeigte. „Das hat wirklich Spaß gemacht“, sagt sie.

Gegen Grecia Nova ist die 24-Jährige nun die klare Favoritin. Im Fall eines Sieges hätte Meinke – Kampfname „Nina the Brave“ – im nächsten Jahr die Chance, um den WM-Titel im Superfedergewicht zu kämpfen. Den WBC-Junioren-Titel hat sie bereits im März gewonnen. Ihrem offensiven Stil mit starker Beinarbeit, den sie sich während eines Auslandsaufenthalts in England angeeignet hat, will die Berlinerin auch unter ihrem neuen Coach Kay Huste treu bleiben. „Boxen ist wie Tanzen, bloß dass wir uns dabei hauen“, sagt Meinke, die sich auf ihren bevorstehenden Tanz gegen Nova bestens vorbereitet hat.