Profiteams im Radsport müssen ihren Vermarktungspartnern ja möglichst viel bieten fürs Geld, mediale Aufmerksamkeit ist dabei eine wichtige Währung. Also lud Team Sunweb, das zwar Hauptsponsor und Teamchef aus den Niederlanden hat, aber mit deutscher Lizenz fährt, ins verregnete Berlin ein, um vor großer Reporterschar seine Präsentation vorm Saisonstart in Australien aufzuführen. Vor Justizminister Heiko Maas, einem bekennenden Radsportfan, parlierte Sat.1-Anchorman Marc Bator im hippen Umspannwerk am Alexanderplatz rund eine Stunde lang als Journalisten-Darsteller, ohne freilich das wichtigste Thema des Radsport-Jahres abzufragen: Chris Froome.

Nach dem offiziellen Bühnenprogramm wurde dann fast nur noch über den Briten vom Team Sky geredet, der 2017 neben Tour de France auch die Spanien-Rundfahrt gewonnen hatte, bei der Vuelta im September bei einer Dopingprobe aber mit einer unzulässig hohen Konzentration des Asthmamittels Salbutamol erwischt worden war. Bislang ist der Superstar, der wegen Asthma eine Ausnahmegenehmigung für die Einnahme des Mittels beantragt hatte, noch nicht einmal suspendiert. Der Fall droht dem seit Lance Armstrongs Sündenfall ohnehin nicht besonders beleumundeten Radsport nun aber die gesamte Saison 2018 zu vermiesen. „Das ist schrecklich für den Radsport“, sagte denn auch Sunweb-Kapitän Tom Dumoulin (27), der durch Siege beim Giro und Zeitfahr-WM zum zweiten Topstar der Branche aufgestiegen war. Und betonte, dass sein Team in so einem Fall anders mit ihm umgehen würde: „Wenn ich positiv getestet werde, würde ich vorerst suspendiert werden – immer.“ Team Sky will sich mit Froome aber lieber erst durch die Instanzen wehren, es kann also durchaus sein, dass er noch längere Zeit und sogar die Tour mitradelt, ehe doch eine Verurteilung ergeht.

Pikant dabei: Dumoulin liebäugelt in 2018 ja mit einem Doppelstart bei der Tour fünf Wochen nach dem Giro, ohne Froome wäre er einer der Topfavoriten. „Ein möglicher Tourstart hat generell nichts mit möglichen Gegnern zu tun, sondern nur mit meiner Verfassung nach dem Giro“, betonte der Niederländer, meinte aber generell zur Causa Froome: „Es wäre hilfreich für jeden von uns, wenn der Weltverband eine schnelle Entscheidung treffen würde.“

Härter attackieren seine Adjutanten. „Es muss eine Sperre geben. Egal was die Erklärung ist, hat Froome dem Radsport geschadet. Grenzwerte müssen eingehalten werden, dürfen nicht plötzlich doppelt hoch ausfallen“, sagte der Berliner Simon Geschke. Sprinter Nikias Arndt meckerte: „Warum wurde nicht schon während der Vuelta gesagt, dass die Dosis erhöht werden musste. Wo bleibt da die Transparenz?“

Sunweb Teamchef Iwan Spekenbrink weiß um die schwierige Lage, verweist aber lieber aufs Positive. „Es kann dem Radsport auch Vertrauen einbringen und zum Vorbild für andere Sporarten machen, wenn die Leute sehen, dass da selbst der beste Fahrer oder das beste Team nicht geschützt werden, sondern alles aufgedeckt wird. Wer sauberen Sport will, muss mit solchen Abläufen leben.“ Er selbst hat für 2018 sogar ein zusätzliches Anti-Doping-Programm aufgelegt, auch im Frauen- und Nachwuchsbereich seines Teams wird nun getestet – und zwar autonom durch Nationale Anti-Doping-Agenturen. Das macht sicher auch seinem Geldgeber Sunweb Hoffnung.