Die Kritiker und Arbeitskollegen nehmen im Fall Christopher Froome kein Blatt vor den Mund. Marcel Kittel sprach von einem „Supergau“ für den Radsport, blieb im Ton aber insgesamt moderater als am Vortag sein Teamkollege Tony Martin. Der Topsprinter hoffe, schrieb der zuletzt fünfmalige Tour-Etappensieger auf seinen Facebook-Seite, „dass Chris die Situation plausibel und schnell aufklären kann. Dieses Recht wird ihm in diesem konkreten Fall eingeräumt. Aber eins ist auch klar: jeder Tag der Ungewissheit mehr, ist auch ein schlechter für den Radsport.“

Der viermalige Toursieger war in einer Kontrolle bei der Spanien-Rundfahrt am 7. September mit 2000 Nanogramm Salbutamol im Urin aufgefallen. Die Einnahme des Mittels gegen Asthma - auf dieses Leiden hatten sich der Brite und sein Sky-Team berufen - ist bis zu einem Grenzwert von 1000 Nanogramm pro Milliliter gestattet. Froome wurde gemäß der Regeln des Weltverbandes UCI nicht vorläufig suspendiert.

Befund war dem Radprofi seit dem 20. September bekannt

Er muss aber erklären, warum der Grenzwert signifikant überschritten wurde. Seit Monaten arbeiten Anwälte und Wissenschaftler an einer Entlastungs-Strategie. Froome war der erst am Mittwoch veröffentlichte Befund bereits seit dem 20. September bekannt. Einen Tag später hatte der UCI-Präsident Brian Cookson bei der Wahl im Rahmen der WM in Bergen/Norwegen sein Amt an den Franzosen David Lappartient verloren. Der Ex-Präsident aus Großbritannien beeilte sich mitzuteilen, auf den Fall „keinen Einfluss genommen“ zu haben und bekräftigte, „dass jeder Fahrer gleich behandelt wird“.

„Das ist schon mal der Supergau und ruft Erinnerungen an eine Zeit im Radsport hervor, von der wir uns alle so sehr distanzieren wollen. Und kompliziert wird es auch noch, denn es ist eine Substanz, die nicht sofort zu einer positiven Dopingprobe führt, weil sie an Asthma erkrankten Sportlern die Möglichkeit geben soll, trotzdem an Wettkämpfen teilzunehmen“ schrieb Kittel weiter.

dpa