Luka lacht in die Kamera. Der zwei Monate alte Sohn von Albas Center Bogdan Radosavljevic liegt entspannt in Papas Armbeuge und lässt sich weder von Hundedame Cookie noch von Familie Lindberg beeindrucken. Beim Treffen zwischen Füchsespieler Hans Lindberg (36) und Radosavljevic (24) wird schnell klar, dass die beiden Profi-Athleten neben dem Ballsport noch mehr Gemeinsamkeiten haben. „Ihr habt eine Dogge?“, fragt Radosavljevic. „Wie cool.“

Seine Old English Bulldogge Cookie sitzt zufrieden auf der Sitzbank, Lindbergs Noa ist zu Hause geblieben. Sie hätte aber auch gut in das Bild gepasst und vermutlich ähnlich professionell für das Foto posiert wie alle anderen. Nach wenigen Sekunden ist der Schnappschuss von vier Erwachsenen, einem Baby, einem Kleinkind und einem Hund schon im Kasten. Erstaunlich. In Zeiten von Instagram sind aber offenbar alle Familienmitglieder das Posen gewohnt.

Wenige Stunden nach der Geburt zum Ligaspiel

Im Sommer 2016 wechselte Radosavljevic von den Tübingen Tigers zu Alba Berlin und als er im August dieses Jahres seine Freundin Jennifer (27) heiratete, war diese bereits hochschwanger. „Eigentlich wollten wir noch ein Jahr mit dem Nachwuchs warten, aber in Berlin scheint irgendetwas im Wasser zu sein“, sagt sie lachend. Fünf Spielerfrauen von Alba wurden im Vorjahr schwanger, bei den Handballern der Füchse Berlin bekam Steffen Fäth Nachwuchs, vor wenigen Tagen Jakov Gojun und auch der Bauch von Jeanette Lindberg wölbt sich zaghaft unter dem schwarzen Shirt. „Ich bin in der 14. Woche“, sagte die Ehefrau von Rechtsaußen Hans Lindberg strahlend.

Bogdan Radosavljevic war im Oktober zum ersten Mal Vater geworden. „Seitdem hat sich alles verändert“, sagt er heute. Bei der Geburt von Luka war er natürlich dabei, wenige Stunden später musste er dann zum Ligaspiel nach Göttingen. Auch Hans Lindberg hat schon erlebt, dass sich die Vaterfreuden nicht immer mit dem Profisport in Einklang bringen lassen: Im April 2015, als Ehefrau Jeanette im fünften Monat mit Aron (2) schwanger war, verletzte er sich im Spiel gegen die Füchse Berlin schwer an der Niere und musste operiert werden. „Da habe ich dann gelernt, wie schnell alles vorbei sein kann“, sagt er. „Als Profisportler neigt man ja manchmal dazu, sich unsterblich zu fühlen.“

Nachwuchs als Stress-Killer

Lindberg spielte damals noch für den HSV. Das Paar hatte ein Haus in Hamburg gebaut, doch im Januar 2016 erhielt Lindberg die Nachricht der HSV-Insolvenz. Die Familie musste noch einmal von vorn beginnen. „Das war keine schöne Zeit“, erinnert er sich. Vier Monate lebten sie mit dem wenigen Monate alten Aron in einem Hotel, weil sie keine passende Wohnung in Berlin fanden. „Aron hat in der Zeit fast gar nicht geschlafen“, erzählt Lindberg. Sein Sohn hatte viele Albträume. „Er hatte am Anfang auch riesige Angst vor dem Vereinsmaskottchen Fuchsi und ist nachts aufgewacht weil er schlecht von ihm geträumt hat“, verrät Lindberg

Inzwischen sind Aron und Fuchsi dicke Freunde. Die kleine Familie hat in Niederschönhausen eine Bleibe gefunden. Vor wenigen Wochen verlängerte der Däne seinen Vertrag bei den Füchsen bis 2021. In Berlin will er seine Karriere beenden. Durch Aron sei er ruhiger geworden, verrät er und Frau Jeanette nickt bekräftigend.

„Bevor er da war, konnte ich mich oft tagelang wegen eines Ergebnisses ärgern oder hatte schlechte Laune wegen eines Trainings.“ Neue Prioritäten bemerkt auch der zwölf Jahre jüngere Radosavljevic. „Wenn so etwas kleines ganz Junges zu Hause auf dich wartet und sich freut, dass du nach Hause kommst, ganz egal ist, ob du gerade gewonnen oder verloren hast, dann nimmt das ganz viel Stress weg“, sagt er.

Die Nachtwache übernehmen immer nur die Spielerfrauen

Lindberg stimmt zu: „Ich kann nie sauer sein, wenn Aron bei mir ist, und manchmal schauen Jeanette und ich uns an und fragen uns, ob wirklich wir das geschaffen haben.“ Ganz so leicht ist es natürlich nicht mit dem Kind und dem Leistungssport. Spontane Urlaube gibt es nicht oder mal einen Tag freinehmen. Auch über Weihnachten steht Training an, die Füchse spielen am 26. Dezember gegen Magdeburg (15 Uhr, Sky), Alba am 27. um 20 Uhr gegen Retabet Bilbao.

Den Weihnachtsabend verbringen beide Familien aber zu Hause. Während Lindbergs die Großeltern aus Dänemark zu Gast haben, spielen die Radosavljevics „Asylheim für die Spieler ohne Familie. Gerade die US-Amerikaner sind sonst alleine, also kommen sie zu uns“, erklärt Bogdan Radosavljevic.

Die Großeltern von Aron und seinem Geschwisterchen, das aller Voraussicht nach ein Junge wird, hätte Lindberg gern öfter um sich. „Aber wir haben keinen Grund, uns zu beschweren“, sagt er. „Wir haben zwar nicht so viele Freiheiten, aber viel Freizeit und wir werden gut bezahlt. Ein Nachteil sind vielleicht die vielen Reisetage im Jahr.“ Das sieht auch Jennifer Radosavljevic so. „Wenn Bogdan beim Auswärtsspiel ist, wird es schwierig mit Kind und Hund“, sagt sie. Die Nachtschichten übernimmt grundsätzlich sie, das ist auch bei Jeanette Lindberg so, die sich anfangs extra ein Bett in Arons Zimmer gestellt hat, damit ihr Mann nachts durchschlafen kann. Ohne die Frauen würde es nicht gehen, da sind sich Hans Lindberg und Bogdan Radosavljevic einig.