Das Berliner Wetter hat 2017 schon einige Kapriolen geschlagen. Auf eines aber kann man sich fast schon traditionell verlassen: Wenn die Eisbären zum ersten gemeinsamen Training bitten, dann klettern draußen die Temperaturen. Am Montag war das Team erstmals vollständig versammelt, neugierig beobachtet von rund 150 Schaulustigen im Wellblechpalast. Bislang hatten die Spieler einzeln trainiert und das sehr gewissenhaft, wie Cheftrainer Uwe Krupp zufrieden feststellte: „Die Jungs haben einen guten Job gemacht“, lobte er. Rote Köpfe hatten die Spieler zwar trotzdem. Allerdings nur wegen der neuen Helmfarbe des Klubs in der anstehenden Saison.

In den vergangenen Jahren mussten sich die Eisbären-Fans meist nur an wenige neue Gesichter gewöhnen. Das ist in diesem Jahr anders: Neun Spieler verließen den Klub, sieben Neue wurden verpflichtet. Als letztes waren am Sonnabend Blake Parlett und James Sheppard eingetroffen. Letzterer gilt mit seinen mehr als 400 NHL-Spielen als Königstransfer dieses Sommers. „Ich bin sehr glücklich in Berlin zu sein“, so Sheppard. „Es war ein gutes erstes Training, die Jungs sind alle sehr gut drauf.“ Dann fügte er lachend hinzu: „Es ist ganz schön, dass es außer mir noch andere Spieler gibt, die noch nicht alle Namen beherrschen. Da fühle ich mich nicht ganz so allein.“

Neu-Co-Trainer Jodoin tritt lautstark auf

Zweimal täglich werden die Eisbären in den nächsten Wochen auf dem Eis stehen. Das Team soll möglichst viel Zeit miteinander verbringen, um rasch als Einheit zusammenzuwachsen. „Wir werden als Mannschaft sicherlich auch noch die eine oder andere Sache unternehmen, um uns besser kennenzulernen“, sagte Kapitän André Rankel. Er sei überzeugt, dass das Team schnell seine Identität finden werde: „Wir wollen schnelles und aggressives Eishockey spielen.“

Welchen Stil die Eisbären in der neuen Saison prägen werden, dazu wollte sich Uwe Krupp nach dem Auftakttraining noch nicht äußern. „Erst einmal müssen wir schauen, dass wir die Beine dafür bekommen“, sagte er. Dafür sollen auch die beiden neuen Co-Trainer sorgen: Steffen Ziesche, zuvor Betreuer des U18-Teams der Eisbären Juniors in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL), und der Kanadier Clément Jodoin, der viele Jahre in der NHL tätig war, zuletzt bei den Montréal Canadiens. Der 65-Jährige zeigte sich am Montag gleich als lautstarker Ansager, ganz anders als es sein Vorgänger Marian Bazany war. „Man merkt sofort, dass er viel Erfahrung hat“, sagte André Rankel.

Test gegen Weißwasser und ein Sommerturnier

Anders als in den Vorjahren treten die Eisbären in dieser Saison nicht in der Champions League an. Coach Uwe Krupp kommt das nicht ungelegen: „Mir ist es ganz recht, dass wir unsere Vorbereitung in diesem Jahr selbst bestimmen können“, sagte er. „Das gibt uns etwas mehr Spielraum.“ Erster Testspielgegner ist am 11. August Weißwasser, eine Woche später laden die Berliner zum Sommerturnier mit dem Schweizer Klub Ambri-Piotta und Sparta Prag. Sportdirektor Stéphane Richer sagte, man dürfe zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht zu viel von der neu zusammengestellten Mannschaft erwarten: „Wichtig ist, dass wir am ersten Spieltag topfit sind.“