Eisbären Berlin

Stéphane Richer: „Wir müssen mehr Tore schießen“

Die Eisbären starten heute mit sieben neuen Spielern ins Training. Sportdirektor Richer hofft auf eine bessere Offensive

Sportdirektor Stéphane Richer (l., im Gespräch mit Kyle Wilson) hat den neuen EHC-Kader zusammengestellt

Sportdirektor Stéphane Richer (l., im Gespräch mit Kyle Wilson) hat den neuen EHC-Kader zusammengestellt

Foto: imago sport / imago/Contrast

Berlin.  An diesem Montag ist Trainingsauftakt bei den Eisbären. Der Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat sieben neue Spieler verpflichtet, im Gegenzug haben neun Profis die Hauptstadt verlassen. Auch im Management gab es Veränderungen: Stéphane Richer, bislang Co-Trainer, hat das Amt des Sportdirektors übernommen. Der 51-Jährige war für die Zusammenstellung des neuen Kaders verantwortlich.

Die Eisbären haben sieben neue Spieler für die kommende Saison verpflichtet. Haben Sie die Namen, Gesichter und Rückennummern alle schon drauf?

Stéphane Richer: An die Gesichter muss ich mich zum Teil erst noch gewöhnen. Blake Parlett und James Sheppard sind zum Beispiel erst am vergangenen Sonnabend in Berlin eingetroffen. Blakes Frau hat gerade ihr erstes Kind bekommen, da hatten wir ihm noch ein bisschen mehr Zeit mit seiner Familie gegönnt.

Worauf wird es ankommen, damit die Mannschaft schnell zusammenwächst?

Wir haben immer noch viele Spieler dabei, die schon eine Weile in Berlin spielen. Sie können den Neuen zeigen, worauf es bei den Eisbären ankommt. Geplant sind zwei Teambuilding-Maßnahmen in Dresden und Österreich. Es ist wichtig, dass wir schnell zusammenwachsen. Aber wir haben viele Spieler mit gutem Charakter geholt, so dass ich zuversichtlich bin, dass uns das gelingt. Wir werden in dieser Vorbereitung viel ausprobieren, die Reihen durchwechseln, am Über- und Unterzahlspiel arbeiten, damit alle Jungs ihre Rolle finden.

Die Eisbären haben in der vergangenen Saison das Halbfinale in der DEL erreicht. Warum hatten Sie trotzdem das Gefühl, dass es Zeit ist für einen Umbruch?

Wir wollten neue Impulse reinbringen. Mit dem Abschneiden im Play-off waren wir sehr zufrieden, aber die Vorrunde war nicht gut. Deshalb sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es an der Zeit ist, einen kleinen Schnitt zu machen. Ich glaube, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt war. Vor allem ist der Kader jetzt breiter besetzt: Wir haben jetzt acht Verteidiger und 13 Stürmer, die ständig in Berlin sind. Hinzu kommt, dass unsere drei Förderlizenzspieler Maximilian Adam, Vincent Hessler und Charlie Jahnke jetzt Vollprofis sind. Vergangene Saison sind alle drei noch zur Schule gegangen: Da war es nicht immer einfach, Schule und Sport zu vereinbaren.

Verstärkt wurde insbesondere die rechte Angriffsseite mit Sean Backman und Nationalspieler Thomas Oppenheimer.

Thomas kenne ich schon aus meiner Zeit in Hamburg. Er hat als Deutscher in den vergangenen vier Jahren im Schnitt 20 Tore geschossen, das hat sonst nur noch der Münchner Michael Wolf geschafft. Er ist offensiv stark, arbeitet aber auch hart in der Defensive, ein typischer Zwei-Wege-Stürmer. Und einer, der auch in der Kabine seine Meinung sagt. Er bringt Führungsqualitäten mit, das wird uns gut tun. Sean Backmans Trumpf ist seine Schnelligkeit. Ich glaube, dass ihm die größere Eisfläche in Europa sehr zugutekommen wird.

Im Vorjahr fehlte von der blauen Linie oft die Torgefahr. Können die beiden neuen Verteidiger Blake Parlett und Danny Richmond dieses Defizit beheben?

Wir wollen und müssen mehr Tore schießen, und dafür brauchen wir auch Verteidiger mit Offensivqualitäten. Jeder Angriff fängt im Aufbau an. Danny Richmond hat in der DEL bereits gezeigt, dass er läuferisch stark ist und einen guten ersten Pass spielen kann. Blake Parlett beherrscht das ebenfalls. Und er hat einen sehr harten Schuss von der blauen Linie. Beide werden uns weiterhelfen – wie übrigens auch Stürmer Martin Buchwieser.

Mit Mark Olver haben Sie einen Spieler zurückgeholt, der schon 2015/16 in Berlin gespielt hat, dann aber am Saisonende gehen musste. Warum soll er nun plötzlich gut genug sein?

An seiner Qualität haben wir nie gezweifelt. Sein Weggang hatte private Gründe, er wollte zurück nach Nordamerika. Ich habe mich vor der Verpflichtung mit Trainer Uwe Krupp ausgetauscht: Auch er war damals sehr zufrieden mit ihm und hat sich für seine Rückkehr ausgesprochen.

James Sheppard hat über 400 Spiele in der NHL absolviert. Sind Sie auf seine Verpflichtung besonders stolz?

Er hat zuletzt in der Schweiz gespielt, aber ich glaube, dass ihm das nordamerikanisch geprägte Eishockey in Deutschland besser liegen wird. Er ist robust und schlau an der Scheibe und wird hier in Berlin schnell viele Fans finden. Es ist toll, dass ein Spieler von seiner Qualität nach Berlin kommt. Die Eisbären sind nach wie vor eine Topadresse in Europa, erst recht durch die Kooperation mit den Los Angeles Kings. Ich hoffe, dass wir dadurch in den nächsten Jahren noch mehr solcher Topspieler nach Berlin holen können.

Steigt mit solchen Zugängen auch der Druck, ein gutes Ergebnis abzuliefern?

Druck hat man im Profisport immer, egal ob als Spieler, als Trainer oder als Manager. Die Frage ist, wie damit umgeht. Wir wollen attraktives Eishockey spielen und uns direkt für das Play-off qualifizieren. Dort wollen wir dann um die Meisterschaft mitspielen. Für einen Klub wie die Eisbären muss es immer der Anspruch sein, den Titel zu holen. So sieht es auch unser Eigner AEG in Los Angeles. Dass wir im Sommer die Unterstützung bekommen haben, um zum Beispiel bei zwei Spielern die Verträge vorzeitig aufzulösen, war ein klares Zeichen, dass sie mit den jüngsten Ergebnissen nicht zufrieden waren.

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