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Aus der Traum! Hertha hat gegen Dortmund keine Chance

Hertha hatte den großen Traum vom DFB-Pokalfinale. Doch den ließ Borussia Dortmund mit einem 0:3 gründlich platzen.

Berlin.  Endstation Halbfinale, der Traum vom Endspiel im eigenen Stadion ist ausgeträumt. Hertha BSC gelang die angestrebte Pokal-Sensation nicht. Gegen Borussia Dortmund kassierte der Hauptstadt-Klub ein 0:3 (0:1). Damit ist Hertha-Trainer Pal Dardai am 21. Mai wieder das, was er unbedingt vermeiden wollte: Besucher im heimischen Olympiastadion, wenn im Endspiel der BVB und Titelverteidiger Bayern München den Pokalsieger ermitteln. „Die Enttäuschung ist riesengroß“, gestand Berlins Manager Michael Preetz angesichts von nur 30 Prozent Ballbesitz und 4:20 Schüssen. „Wir hätten einen besseren Tag erwischen müssen“, ärgerte sich Kapitän Fabian Lustenberger.

Dabei war alles angerichtet zum Fußball-Feiertag. Das erste Pokal-Halbfinale seit 35 Jahren, die Gastgeber hatten sich vorher mächtig ins Zeug gelegt. Eine Plakataktion („Ham wir auch“) emotionalisierte die Stadt, sogar die aufgestockte Kapazität des Olympiastadions (76.233 Plätze statt 74.244) war im Handumdrehen ausverkauft. Blau-weiße Fähnchen flogen auf jedem Platz, die Mannschaft spielte im Retro-Trikot, das an die glorreichen Pokal-Zeiten der Siebziger erinnerte.

Herthas Taktik gegen den Favoriten war klar: Möglichst lange die Null halten und mit jeder Spielminute dem Gegner dessen Alptraum-Erlebnis der Vorwoche, das Ausscheiden in der Europa League in Liverpool (3:4), etwas präsenter werden lassen. Verbunden mit der Hoffnung, dass beim BVB die Angst vor dem erneuten K.o. hochsteigen würde. Trainer Pal Dardai sprach im Vorfeld von einem 0:0 nach 120 Minuten und Elfmeterschießen.

Die Fans unterstützten Hertha

Die Gäste waren jedoch mit einem anderen Matchplan angereist. BVB-Vorstandschef Hans-Joachim Watzke hatte noch am Vorabend Berliner BVB-Fans erzählt, Hertha hätte im Halbfinale gegen Dortmund keinerlei Chance. Übrigens ebenso wenig, wie die Borussen dann im Finale gegen den FC Bayern keine hätten. Ungewöhnliche Aussagen, aber genau so entwickelte sich die Partie dann tatsächlich. Der Favorit, bis auf den verletzten Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang (Knochenabsplitterung am Zeh) mit der besten Mannschaft angetreten, dominierte von Beginn an nach Belieben. Hertha wurde am Strafraum eingeschnürt. Das Publikum war zwar sofort zur Stelle, unterstützte die eigene Mannschaft mit lautem Applaus noch beim kleinsten gewonnenen Zweikampf. Was nichts daran änderte, dass die Gastgeber sich nicht aus der Umklammerung zu befreien vermochten.

Nach 20 Minuten belohnte sich der BVB für den Druck. Shinji Kagawa bediente Gonzalo Castro, der aus 16 Metern hoch in den rechten Winkel abschloss. 0:1, da gab es nichts zu halten für Hertha-Torwart Rune Jarstein.

Dortmund setzte gnadenlos nach

Hertha wirkte angeschlagen, und Dortmund setzte gnadenlos nach. Glück für den Hauptstadt-Klub, dass Marco Reus freistehend aus elf Metern über das Berliner Tor schoss. Nach 43 Minuten war Jarstein erneut zu Stelle und faustete einen weiteren Reus-Schuss aus dem bedrohten Eck.

Erst unmittelbar vor dem Pausepfiff gab es den ersten Hertha-Torschuss. Mitchell Weiser spielte Jens Hegeler frei, der aus sieben Metern den Ball Borussen-Torsteher Roman Bürki aber nur vor die Füße schob (45.).

Bundestrainer Joachim Löw sagte zur Pause: „Hertha muss mit Mut mehr nach vorne tun, um eine Chance zu haben.“ Die Kulisse war auch nach Wiederanpfiff da, sie wollte den Außenseiter unterstützen. Aber die Passsicherheit des BVB bewirkte, dass die Gastgeber weiter nur damit beschäftigt waren, dem Ball hinterzurennen.

Dardai verstärkte die Offensive

Nach einer Stunde verstärkte Trainer Dardai die Offensive, brachte Alexander Baumjohann (für den enttäuschenden Jens Hegeler) und Julian Schieber (für den glücklosen Genki Haragauchi). Die Hertha-Hoffnung hielt aber zunächst nur Jarstein am Leben, mit zwei starken Paraden gegen Adrian Ramos (65.) und Henrikh Mkhitaryan (68.). Es folgte ein Schimmer Hoffnung, als -Torjäger Salomon Kalou den Ball haarscharf am BVB-Tor vorbeispitzelte (63.). Dann köpfte der Hertha-Torjäger ebenso knapp am anderen Pfosten vorbei (73.).

Aber der Unterschied zwischen 70 Millionen Marktwert (Hertha) und 320 Millionen (Dortmund) war nicht zu übersehen. John Brooks rutschte mit dem Ball am Fuß weg, Kagawa passte ihn sofort weiter auf Reus, der ins lange Eck vollendete, 0:2 nach 75 Minuten. Die Entscheidung, Hertha hatte nichts mehr entgegenzusetzen, auch der Glaube war dahin. Der eingewechselte Ilkay Gündogan traf noch den Berliner Pfosten (78.). Und als Niklas Stark Reus beim Dribbling nicht stoppen konnte, legte der Dortmunder Nationalspieler quer auf Mkhtaryan, der aus einem Meter ins leere Tor einschob, 0:3 (83.). Das Halbfinale wurde nun endgültig zur Lehrstunde. „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, das war das Problem. Dortmund war zu schnell für uns“, analysierte Pal Dardai. Den Pokaltraum aufgeben wollte der Ungar aber nicht, nur verschieben: „Wenn wir uns für die Europa qualifizieren, können wir öfter auf dem Niveau und mit diesem Tempo spielen, das wird dann Lerneffekte haben.“

Die Partie im Minutenprotokoll.