Boris Becker ist mittlerweile 48 Jahre alt, aber immer noch der jüngste Tennisspieler, der je in Wimbledon gewonnen hat. Bei Laureus Sport for Good gehört der Leimener zu den Gründungsmitgliedern. Die Morgenpost sprach mit Becker, der inzwischen als Trainer seinen Teil zum Erfolg des serbischen Tennisstars Novak Djokovic (28) beiträgt.
Berliner Morgenpost: Herr Becker, Sie sind seit nun schon 16 Jahren mit Laureus verbunden. Welches Ereignis ist Ihnen am meisten haften geblieben in dieser Zeit?
Boris Becker: Ich glaube, der Anfang war bemerkenswert, das erste Jahr in Monte Carlo, mit einigen meiner Idole im Raum wie Michael Jordan oder Edwin Moses bis zu Nelson Mandela. Das kann man nicht mehr überbieten. Da hatten wir alle Gänsehaut. Es war schwer, eine seriöse Diskussion zu führen, weil man so in Ehrfurcht erstarrte vor dem Gegenüber. Da wurde nicht besonders viel gesprochen. Ich bin stolz darauf, dass ich ein Gründungsmitglied bin.
Wir haben Sie Nelson Mandela damals erlebt?
Sein Plädoyer mit den Worten, ,Sport, hat die Kraft, die Welt zu verändern’, ist unser Credo geworden. Er hat das gesprochen, was er gefühlt hat. Er war eine der unglaublichsten Persönlichkeiten, die ich je getroffen habe.
Inzwischen arbeiten sie mit einer der aktuell größten Persönlichkeiten im Tennis, mit dem Weltranglistenersten Novak Djokovic zusammen, der am Montag zum dritten Mal den Laureus gewann. Bis dort ein deutscher Tennisspieler hinkommt, wird es wohl noch lange dauern. Hat Alexander Zverev das Zeug dazu?
Ich kenne ihn gut, ich mag ihn, wir trainieren oft zusammen und sprechen über den Sport. Man tut ihm keinen gefallen, ihn zu sehr zu loben oder ihm zu prophezeien, dass er unter die besten Zehn kommt. Dafür ist der Sport zu brutal, zu schwierig. Da baut man unnötig Druck auf. Er hat Talent, Charakter und Persönlichkeit, aber das haben einhundert andere Spieler auch. Er bemüht sich aber, und ich wünsche ihm viel Glück.
Was geben Sie Djokovic so mit auf den Weg, was vermitteln Sie ihm?
Ich glaube, mein Alter hat einige Nachteile. Aber auch den Vorteil, dass ich fast alles schon erlebt habe und ihm Dinge erzählen kann über mein Leben. Ob gut oder schlecht. Ich berichte ihm meine Erfahrungen bei dem Turnier, der Reise, in dem Hotel, auf dem Trainingsplatz, um die Uhrzeit. Ich habe fast alles gemacht – und ich denke, er kann davon profitieren. Ich bin ein Geschichtenerzähler, und wenn der Abend lang wird, erzähle ich ihm viele Geschichten. Mit Rivalitäten kenne ich mich auch aus, da geht es letztlich immer um das gleiche: um Emotionen, Druck, um Spieler, die man mehr oder weniger respektiert. Und ums gewinnen.
Kann Djokovic gut zuhören?
Wir haben eine ähnliche Persönlichkeit, wir sind beide neugierig, nicht nur was den Sport angeht. Wir sind Familienmenschen. Auch das sind Themen, die wir ab und zu ansprechen. Er ist auch ein riesiger Sportfan, egal was. Es wird nie langweilig.
Ihr Schützling hat gerade Ihre 713 Karrieresiege überboten. Wie stolz macht es Sie, den Weg dorthin begleitet zu haben. Oder ist auch ein bisschen Wehmut dabei?
Nein, das ist eine meiner Aufgaben. Es wäre schlimm, wenn er das nicht erreicht hätte. Es gibt nur ganz wenige Spieler, die über 700 Einzelsiege haben. Er ist aber noch in einem Alter, das es ihm möglich macht, noch einige Rekorde zu brechen. Wir, seine Mannschaft, tun das Beste, dass er das auch schafft.
Wie sehen denn Ihre Ziele aus. Wie lange wollen Sie noch an der Seite von Djokovic sein?
Wenn ich das Gefühl habe, ich kann ihm nichts Neues mehr beibringen, bin ich der Erste der sagt, das bringt nichts. Auf der anderen Seite sind wir auf einer unglaublichen Erfolgswelle. Ich hoffe, dass ich ihm noch lange helfen kann.
Vergangenes Jahr fehlte ein Sieg zum Grand Slam. Ist dieser absolute Erfolg angesichts der Dominanz von Novak Djokovic planbar?
Nein, das ist unrealistisch. Jedes Turnier ist eine große Herausforderung, die Gegner verändern sich gerade, sie werden jünger. Und der Grand Slam wurde von keinem Profispieler jemals geholt. Der Letzte, der ihn gewonnen hat, war ein Amateur namens Rod Laver 1969.



