Boxen in Las Vegas

Promoter Arum: „Ich möchte die Wähler alarmieren“

Promoter Bob Arum über das Hausverbot für den umstrittenen republikanischen US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump beim Boxen.

Bob Arum zwischen den Profis Manny Pacquiao (l.) und Timothy Bradley Jr.

Bob Arum zwischen den Profis Manny Pacquiao (l.) und Timothy Bradley Jr.

Foto: Getty Images / AFP/Getty Images

Las Vegas.  50 Jahre ist Bob Arum im Boxgeschäft. Als Promoter von Muhammad Ali wurde der 84-Jährige in den 1960er-Jahren bekannt und hat sich seitdem in den USA als Gegenspieler des exzentrischen Don King positioniert. In der Nacht zu diesem Sonntag machte er in Las Vegas, wo der Berliner Arthur Abraham seinen WM-Titel im Supermittelgewicht gegen Gilberto Ramirez aus Mexiko verteidigen wollte, mit einer bemerkenswerten Aktion Schlagzeilen: dem „No Trump“-Kampfabend, mit dem er gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump protestieren wollte. Ein Gespräch über Politik im Sport.

Berliner Morgenpost: Mister Arum, es heißt, dass Politik und Sport nicht miteinander vermischt werden sollten. Warum haben Sie dagegen verstoßen?

Bob Arum: Weil ich es als meine Pflicht betrachte, die Möglichkeiten, die ich als Promoter habe, zu nutzen, um etwas zu tun, das ich für richtig und wichtig halte. Donald Trump ist ein hasserfüllter Mensch, der sehr gefährlich für den Zusammenhalt und den sozialen Frieden in Amerika werden könnte. Ich möchte alle Wähler alarmieren, deshalb habe ich mich entschlossen, den Kampfabend unter das Motto „No Trump“ zu stellen.

Als Zeichen gegen Trumps rassistische Aussagen über Mexikaner haben Sie eine Reihe mexikanischer Kämpfer ins Programm genommen. Warum?

Weil ich großartige Beziehungen zu den Menschen mit hispanischen Wurzeln habe und ich mich über Trumps Kommentare sehr geärgert habe. Er hat alle Mexikaner als Vergewaltiger bezeichnet, er will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten, alle unregistrierten Arbeiter deportieren, und hat gedroht, alle Geldflüsse aus den USA nach Mexiko zu unterbinden, wenn Mexiko nicht für diese Mauer zahlt. Das ist verrückt! Viele Mexikaner sind hart arbeitende, sehr freundliche Menschen. Sie haben es verdient, dass wir sie mit Respekt behandeln. Das wollte ich unterstreichen.

Wie war die Resonanz auf Ihre Aktion?

Großartig. Viele TV-Sender haben mir die Chance gegeben, meine Ansichten darzustellen. Das war enorm wichtig, denn nun trauen sich viele Menschen endlich, ihre Meinung zu sagen und sich gegen Trump zu erheben. Und genau darum geht es, denn der Kampf gegen ihn und seine verrückten Ansichten ist nur an der Wahlurne zu gewinnen. Deshalb müssen alle Menschen verstehen, welche Gefahren von diesem hasserfüllten Menschen ausgehen.

Haben Sie selbst eine persönliche Beziehung zu Trump?

Meine persönliche Erfahrung mit ihm ist eigentlich völlig unwichtig. Aber ich habe im April 1991 den Schwergewichtskampf zwischen George Foreman und Evander Holyfield promotet. Damals hatten wir ein Angebot vom Caesar’s Palace in Las Vegas über elf Millionen Dollar. Dann kam Trump und hat 11,5 Millionen Dollar geboten, wenn wir in Atlantic City veranstalten würden. Mein Co-Promoter Dino Duva sagte: ,Trump bietet mehr, lass uns nach Atlantic City gehen.’ Ich sagte: ,Trump kann man nicht trauen.’ Dennoch entschieden wir uns für seine Offerte. Kurz vor dem Kampf bekamen wir die Nachricht, dass Trump sein Angebot zurückziehen würde mit der Begründung, dass der Irak-Krieg ausgebrochen war. Am Ende hat uns sein Verhalten 2,5 Millionen Dollar gekostet. Seitdem wusste ich, dass diesem Mann nicht zu trauen ist.

Vieles, was Trump sagt und tut, wirkt wie ein Schauspiel. Ist er ernst zu nehmen?

Genau das ist das Gefährliche daran. Gerade Sie als Deutscher müssen doch aus Ihrer Geschichte wissen, was passieren kann, wenn man jemanden, der über die Maßen hetzt und aufwiegelt, nicht ernst nimmt. Ich befürchte, dass Trump genau das, was er jetzt ankündigt, tun würde, wenn er Präsident werden würde. Deshalb müssen wir alles tun, um das zu verhindern.

Glauben Sie denn, dass er wirklich Chancen hätte, die Wahl gegen Hillary Clinton zu gewinnen?

Ich denke nicht. Ich bin ein Anhänger von Hillary und fände es großartig, wenn wir ein so starkes weibliches Staatsoberhaupt hätten wie ihr Deutschen. Aber ich hoffe dennoch sehr, dass die Republikaner Trump gar nicht erst nominieren. Er würde die republikanische Partei zerstören.

Woran liegt es denn, dass es so viele Menschen gibt, die auf Trumps Masche hereinfallen?

Es wird ja immer erzählt, dass es um Wirtschaft und Arbeitsplätze gehe und die Menschen glaubten, dass Trump die Lage auf diesen Gebieten verbessern könnte. Aber in Wahrheit geht es nur um Rassismus, nichts anderes, denn von Trumps Wählern würde keiner die Jobs machen wollen, die die Latinos machen. Trumps Anhänger sind in der Mehrzahl weiße Männer, die wissen, dass sie in diesem Land in 20 Jahren in der Minderheit sein werden. Davor haben sie Angst, und deshalb versuchen sie ihre Stellung zu bewahren. Darauf zielt Trump ab. Er spielt mit Ängsten.

Sie haben mehrmals betont, dass Trump bei Ihren Veranstaltungen Hausverbot hat und seine Anhänger weder in die Arena kommen noch im Bezahlfernsehen von Ihnen promotete Kämpfe kaufen sollen. Das ist ungewöhnlich für einen Promoter, für den das Geschäft letztlich über allem steht.

Aber genau das wäre falsch. Ich könnte nicht damit leben, wenn ich nicht aufstehen und meine Meinung sagen würde. Es wäre doch fatal, wenn wir uns das in diesem Land nicht mehr trauen würden. Deshalb bin ich dankbar für die Möglichkeit, meinen Beitrag gegen Trump leisten zu dürfen.