Boxen

Jack Culcay steht bereit als Nachfolger gealterter Helden

Warum sein Kampf in Potsdam für das Team Sauerland so wichtig ist. Und was das mit dem Kampf von Abraham in Las Vegas zu tun hat.

Interims-Box-Champion Jack Culcay will am Sonnabend in Potsdam die WBA-Weltmeisterschaft im Halb-Mittelgewicht

Interims-Box-Champion Jack Culcay will am Sonnabend in Potsdam die WBA-Weltmeisterschaft im Halb-Mittelgewicht

Foto: Patrick Pleul / picture alliance / ZB

Berlin.  Mit Superlativen sollte man vorsichtig umgehen, im Sport sowieso, ganz besonders im Profiboxen. Manchmal treffen sie aber zu. Für das in Berlin ansässige Team Sauerland geht es in der Nacht zum Sonntag in Las Vegas und in Potsdam um mehr als zwei WM-Titel: Es geht um eine vergleichsweise sorgenfreie Zukunft des Boxstalls.

Dass dabei Jack Culcay, der Kämpfer, der in der allgemeinen Wahrnehmung noch deutlich im Schatten Arthur Abrahams steht, unter Umständen zur neuen Nummer eins avancieren kann, ist nicht von der Hand zu weisen.

Darauf angesprochen, geht der 30-jährige in Doppeldeckung. „Damit will ich mich noch gar nicht beschäftigen. Ich setze auf Arthur. Was mich angeht, werde ich mein Bestes geben.“ Das ist sicher genauso ehrlich, wie es einstudiert klingt. Der Druck ist enorm.

Abrahams einzige Chance ist der Knockout

Abraham (36) muss in der Spielerstadt Las Vegas gegen den zwölf Jahre jüngeren, noch ungeschlagenen Mexikaner Gilberto Ramirez seinen WBO-Titel im Super-Mittelgewicht verteidigen. Meistgenannter Tip bei Insidern: Das gelingt ihm in den USA nur durch einen Knockout.

Culcay kennt die Spielregeln, versucht aber dennoch zu trennen. „Ich will nicht über die Punktrichter in Las Vegas spekulieren. Ich muss selber die Punktrichter in meinem Kampf überzeugen.“

Der Halb-Mittelgewichtler, 2009 bis dato letzter deutscher Weltchampion bei den Amateuren, ist mit 30 als Titelkandidat bei den Profis eher im reifen Alter. In Potsdam wartet mit dem Venezolaner Jean Carlos Prada ein do-or-die-Gegner.

„Ich habe ein paar Fehler in meiner Karriere gemacht“

Die Ausgangslage aus Sicht des Sauerland-Teams: Mit Abraham und dem ein Jahr älteren Jürgen Brähmer (WBA-Champion im Halbschwergewicht) stehen zwei Oldies an der Spitze des Boxeraufgebotes. Kurzfristig sehr gut, mittelfristig, also innerhalb der nächsten 24 Monate, eher nicht mehr. Beide Karrieren sind auf der Zielgeraden. Culcay ist der Mann, der aus kurzfristig mindestens mittelfristig, besser sogar langfristig machen soll.

„Ich hatte nach dem Titelgewinn bei den Amateuren gehofft, dass ich schneller Weltmeister bei den Profis werden würde“, kommt Culcay dann doch etwas aus der Deckung, nicht zuletzt, weil er den Titelgewinn bei den Amateuren für „noch schwieriger“ hält als den bei den Profis.

„Ich habe ein paar Fehler in meiner Karriere gemacht, zu oft den Trainer gewechselt, aber auch nicht immer das optimale Trainingsumfeld wie jetzt in Berlin gehabt. Natürlich will ich das nutzen“, so der WM-Kandidat. Culcay weiß genau, dass Abrahams Las-Vegas-Auftritt wohl mit mehr Risiko verbunden ist als sein eigener in Potsdam.

Für Abrahams Kampf muss der geneigte Boxfan extra zahlen

Culcay weiß auch, wie wichtig sein Erfolg für die künftige TV-Vermarktung des Team Sauerland ist. Momentan ist es mit Sat.1 verbunden. Die Kämpfe der Top-Protagonisten waren im frei zugänglichen Fernsehen zu empfangen.

Für den Kampf Abraham-Ramirez muss der Boxfreund extra bezahlen (über ranFIGHTING.de oder Sky Select). Das soll, so Kalle Sauerland, Sohn von Teamgründer Wilfried Sauerland, die Zukunft zur Refinanzierung der Boxerbörsen und der Veranstaltungskosten sein.

„In England bekommen die Boxer in der Regel ihre Börse aus den Erträgen der TV-Vermarktung“, begründet der 38-Jährige die Entscheidung im Fall Abraham. Wie unsicher man bei Sat.1 ist, zeigt sich daran, dass eine Antwort auf die Frage, mit welcher Abonnentenzahl (Preise zwischen 17.99 und 19.99 Euro) man zufrieden wäre, die Antwort schlicht verweigert wurde.

Unprofessionell, schließlich sind die Kosten und somit das Budget ja bekannt. Unabhängig davon: Culcays WM-Debüt läuft am Sonnabend ab etwa 22.45 Uhr kostenfrei bei Sat.1.

So komisch es klingen mag: Erst ein Erfolg Culcays gegen Jean Carlos Prada würde einen Erfolg Abrahams gegen Gilberto Ramirez wirklich abrunden.