Boxen

Berliner Boxmanager bietet Gutknecht eine letzte Chance

Warum der Herausforderer mit Jürgen Brähmer noch offene Rechnungen hat und es am Sonnabend für Gutknecht um Alles oder Nichts geht.

Der ehemalige Box-Europameister Eduard Gutknecht kämpft am 12. März in Neubrandenburg gegen Weltmeister Jürgen Brähmer um den WBA-Titel im Halbschwergewicht

Der ehemalige Box-Europameister Eduard Gutknecht kämpft am 12. März in Neubrandenburg gegen Weltmeister Jürgen Brähmer um den WBA-Titel im Halbschwergewicht

Foto: Paul Zinken / dpa

Hamburg.  Vom Baum der Erkenntnis zu naschen, dazu ist es nie zu spät. Und trotzdem hat sich Eduard Gutknecht in den vergangenen Monaten häufiger gefragt, warum er diesen Schritt nicht schon früher gegangen ist.

Der Wechsel zum Berliner Profiboxteam Wiking von Promoter Winne Spiering, für das der Halbschwergewichtler am Sonnabend (22.30 Uhr, Sat.1) in Neubrandenburg zum WM-Duell mit WBA-Champion Jürgen Brähmer in den Ring steigt, sei Treibstoff für die Karriere gewesen, der dem 33-Jährigen längst ausgegangen schien.

„Es tut mir richtig gut, die Anerkennung als Topmann zu bekommen“, sagt der Ex-Europameister, der nach einer Odyssee durch Deutschlands beste Boxställe mit seinem Sport fast abgeschlossen hatte. Nach guter Amateurkarriere war er 2006 zum Hamburger Universum-Stall gewechselt.

Wechsel zu Sauerland brachte kurzfristig Besserung

Dort traf er auf seinen aktuellen Gegner – und fühlte sich bald wie das fünfte Rad am Wagen. „Jürgen war damals das Jahrhunderttalent, für mich war oben kein Platz, deshalb bin ich irgendwann untergetaucht“, erinnert er sich.

Der Wechsel zum Berliner Sauerland-Team im Jahr 2010, nachdem er gegen den Magdeburger Robert Stieglitz seine erste WM-Chance vergeben hatte, brachte kurzzeitig Besserung. Der Mann, den alle Eddy nennen, wurde 2011 Europameister.

Doch als Brähmer nach der Universum-Insolvenz 2012 ebenfalls zu Sauerland kam, wurden Gutknecht erneut die Grenzen aufgezeigt. Im Februar 2013 unterlag er dem Schweriner einstimmig nach Punkten – und wusste, dass er auch bei Sauerland keine Zukunft hat.

„Ich fühlte mich total verarscht, habe das ganze Team gehasst. Diesen Hass habe ich in den Kampf genommen und dadurch viel Energie verloren. Das wird mir nicht noch einmal passieren“, sagt er.

„Ich blühe hier noch einmal richtig auf“

Seine Karriere hätte der gebürtige Kasache damals fast beendet. Als Ulf Steinforth, Chef des Magdeburger SES-Teams, eine Zusammenarbeit mangels Perspektive ablehnte, da schien der Weg in ein neues Leben für den gelernten Industriemechaniker, der auch Gesundheitsmanagement studierte, unumgänglich. „Aber ich habe gespürt, dass ich dazu noch nicht bereit war. Es fehlte noch etwas“, sagt er.

Eines Nachts kam ihm die Idee, Spiering zu kontaktieren. „Viele hatten ihn schlechtgeredet, aber ich wollte ihn persönlich treffen.“ Auf einem Kampfabend geschah dies dann, und kurzer Bedenkzeit war klar, dass man kooperieren wollte.

Drei Kämpfe hat Gutknecht seitdem für Wiking bestritten, und er ist überzeugt davon, die beste Entscheidung getroffen zu haben. „Ich blühe hier noch einmal richtig auf“, sagt er. Mit Trainer Hartmut Schröder bereitete er sich auf seine zweite WM-Chance vor.

„Ich muss Jürgen Brähmer danken, dass er nicht kneift, sondern das Risiko eingeht, noch einmal gegen mich zu boxen. Er ist ein Weltklassemann, vor dem ich großen Respekt habe“, sagt Gutknecht. Glaubt aber fest an sich. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt er. Die Antwort kennt er auch: Dann nie mehr.