Boxen

Felix Sturm: „Die Guten kommen alle zurück“

Der Box-Profi wil zum fünften Mal Weltmeister werden, denkt ans Aufhören und sagt als Moslem etwas zu Merkels Flüchtlingspolitik.

Steigt erneut in den Ring: Felix Sturm

Steigt erneut in den Ring: Felix Sturm

Foto: Frank Zauritz / Sat.1

Hamburg.  Felix Sturm möchte wieder einmal Geschichte schreiben an diesem Sonnabend (22.25 Uhr, Sat.1 live). In Oberhausen hat der 37 Jahre alte Supermittelgewichts-Boxprofi aus Köln die Chance, zum fünften Mal Weltmeister zu werden.

Dafür muss er allerdings den Rückkampf gegen den starken Russen Fedor Tschudinow (28) gewinnen, dem er im Mai 2015 zwar nicht einstimmig, aber doch eindeutig nach Punkten unterlegen war. Wie das gehen soll, erklärt der Sohn bosnischer Einwanderer im Interview.

Berliner Morgenpost : Herr Sturm, was sind die wichtigsten Lehren, die Sie aus dem ersten Duell mit Tschudinow gezogen haben?

Felix Sturm: Dass der Russe ein enorm starker Newcomer ist. Dass ein Felix Sturm in Bestform aber trotzdem die Mittel hat, ihn zu schlagen. Dass wir einen ganz harten Fight erwarten dürfen. Und dass ich diesmal der Sieger sein werde.

Haben Sie die Gründe dafür gefunden, warum Tschudinow Sie im ersten Duell so beherrschen konnte?

Es gibt Tage, da geht einfach nichts. Wie kann Bayern eine Packung gegen Barcelona bekommen? Wie kann Wladimir Klitschko gegen Tyson Fury untergehen? Jeder Sportler der Welt erlebt solche Tage. Nur – die Guten kommen alle zurück. Ich gebe niemals auf und glaube, dass ich weiterhin zu diesen Guten zähle.

Es gibt eine Reihe an Kritikern, die das bezweifeln angesichts Ihrer letzten Auftritte. Was antworten Sie denen, die sagen, dass Sie in den zwölf Kämpfen, die Sie seit dem Schritt in die Selbstständigkeit im Jahr 2010 bestritten haben, nur zweimal wirklich überzeugt haben?

Denen antworte ich, dass sie keine Ahnung vom Boxen haben. Ich habe IBF-Weltmeister Darren Barker ausgeknockt, Ronald Heraus ausgeknockt, Predrag Radosevic ausgeknockt. Robert Stieglitz hat gegen mich ein schmeichelhaftes Unentschieden bekommen. Gegen den australischen Weltmeister Daniel Geale habe ich einen großen Kampf geliefert und eine sehr, sehr knappe Niederlage kassiert. Sebastian Zbik und Giovanni Lorenzo habe ich überzeugend geschlagen.

Dennoch bleibt der Eindruck, dass Sie im Vergleich zu früheren Tagen an Beweglichkeit und technischer Variabilität verloren haben. Welcher der Tugenden, die Sie in Ihrer Anfangszeit so stark gemacht haben, trauern Sie am meisten nach? Und welche sind für den Sturm von heute noch wichtig?

Ich glaube, meine Technik im Ring hat mich groß gemacht. Die ist auch heute noch da. Vielleicht war ich früher unverfrorener, habe weniger nachgedacht. Aber Denken ist für das weitere Leben sicher nicht das Schlechteste.

„Das Wichtigste, nicht nur im Boxen, ist, nach einer Niederlage wieder aufzustehen“

Denken Sie, dass Sie zu Recht den Rückkampf mit Tschudinow austragen dürfen? Nach dem ersten Kampf sagten Sie, dass auch ein 3:0-Urteil durchaus gerecht gewesen wäre. Wundern Sie sich nun, dass die WBA überhaupt ein Rematch angesetzt hat?

Überhaupt nicht. Weil ich denke, dass die Herren von der WBA große WM-Kämpfe sehen wollen. Und so einen verspreche ich.

Sie können zum fünften Mal Weltmeister werden. Was würde Ihnen das bedeuten, auch wenn ein solcher Rekord beinhaltet, dass Sie auch viermal den Titel verloren haben?

Das Wichtigste, nicht nur im Boxen, ist, nach einer Niederlage wieder aufzustehen. Im Boxen ist eine geläufige Redensart „They never come back“. Der Sturm ist schon viermal zurückgekommen. Und er kommt auch zum fünften Mal zurück.

Gab es in Ihrer Karriere einen wichtigeren Kampf als den, der nun ansteht?

Im Nachhinein hat mich die Niederlage gegen Oscar de la Hoya, die keine war, weil ich eigentlich klar gewonnen habe, in der ganzen Welt bekannt gemacht. Aber der nächste Kampf ist immer der wichtigste.

Wie oft haben Sie nach der Niederlage gegen Tschudinow ans Aufhören gedacht?

Ganz ehrlich? Ich habe gedacht, das war es.

Was wären die Alternativen gewesen zum Weitermachen, die Sie sich realistisch hätten vorstellen können?

Ich manage schon jetzt eine große Firma. Mein Getränk „heavy1“ soll bald den europäischen Markt aufrollen. Ihr Jungs von Red Bull, zieht euch warm an.

Wer hat Sie darin unterstützt weiterzumachen, und wer hätte es lieber gesehen, wenn Sie aufgehört hätten?

Meine Frau, mein Vater, ein paar wenige Freunde waren an meiner Entscheidung maßgeblich beteiligt. Sie wollten, dass ich weitermache.

Sportler denken nie darüber nach, was nach einer Niederlage passiert. Bitte sagen Sie trotzdem: Wenn Sie wieder verlieren, machen Sie dann Schluss, oder tritt ein Felix Sturm nicht mit einer Niederlage ab?

Kommen Sie nach dem Kampf in die Pressekonferenz. In dieser Sekunde entscheide ich. Warum soll ich nicht nach einem großen Sieg aufhören? Obwohl ich weiß, dass ich noch sieben, acht Kämpfe in mir habe.

„Angela Merkel weiß, wann unser Boot voll ist“

Mit Ihrem Sohn Mahir, der Ihnen manchmal im Training zusieht, stünde irgendwann vielleicht ein Nachfolger bereit. Was würden Sie ihm raten, wenn er fragte, was er tun muss, um auch Profiboxer zu werden?

Schwieriges Thema. Ich würde mich mehr freuen, wenn er fragen würde, wie er ein Weltklasse-Basketballer werden könnte. Aber egal – ich werde ihn immer unterstützen.

Erlauben Sie zum Abschluss eine private Frage: Als Moslem und Sohn bosnischer Einwanderer haben Sie sicherlich einen besonderen Blick auf die Flüchtlingsthematik, die Deutschland beschäftigt. Was denken Sie darüber, und wie sehr beeinflusst das Thema Ihr persönliches Befinden?

Für mich ist völlig klar, dass man Menschen, die um ihr Leben fürchten, helfen muss. Und ich bin zuversichtlich, dass Angela Merkel weiß, wann unser Boot voll ist.

Wechsel Ex-Weltmeister Marco Huck hat sich überraschend von seinem Cheftrainer Conni Mittermeier getrennt. Beim Duell gegen den britischen IBO-Champion Ola Afolabi am 27. Februar wird der Cruisergewichtler von Ex-Profi Varol Vekiloglu in der Ringecke betreut. Es soll Differenzen zwischen Huck und Mittermeier gegeben haben. Hucks ehemaliger Trainer Ulli Wegner reagierte verständnislos auf den Wechsel. „Das ist kein guter Stil. Bei mir würde mein Assistent jedenfalls nie meinen Job übernehmen“, sagte Wegner der „Neuen Westfälischen“.