Football

Tom Brady muss im Super Bowl anderen die Bühne überlassen

Der Star-Quarterback Tom Brady scheitert mit New England im Halbfinale der NFL. Jetzt steht beim Super Bowl ein Shootingstar im Fokus.

New Englands Quarterback Tom Brady (Nr. 12) versucht im NFL-Halbfinale einen Pass an den eigenen Mann zu bringen, aber DeMarcus Ware von den Denver Broncos hat etwas dagegen

New Englands Quarterback Tom Brady (Nr. 12) versucht im NFL-Halbfinale einen Pass an den eigenen Mann zu bringen, aber DeMarcus Ware von den Denver Broncos hat etwas dagegen

Foto: John G. Mabanglo / dpa

Das 50. Endspiel um die Meisterschaft in der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL hält eine Paarung bereit, die zu Saisonbeginn nicht viele auf dem Zettel hatten: Denver Broncos gegen Carolina Panthers. Das Team um Shooting-Star-Spielmacher Cam Newton aus Charlotte deklassierte im Halbfinale die Arizona Cardinals mit 49:15.

Zuvor hatten sich die Broncos unter Federführung von Altstar Peyton Manning mit einem hauchdünnen 20:18 gegen Titelverteidiger New England Patriots die Finalteilnahme gesichert. Manning gegen Newton – verschiedener könnten die Haupt-Charaktere vor dem Super Bowl am 7. Februar im kalifornischen Santa Clara kaum sein.

In Denver standen mit Peyton Manning (39) für die Gastgeber und Ober-Patriot Tom Brady (38) die dominierenden Quarterbacks der Gegenwart unter Sonderbeobachtung. In ihrem 17. Aufeinandertreffen wollte Brady, der schon 2002, 2004, 2005 und 2015 die begehrte Vince-Lombardi-Trophy des Super-Bowl-Siegers in den Händen hielt, die Weichen für einen fünften Titel stellen – was in der Geschichte des immer noch beliebtesten amerikanischen Profi-Sports noch kein Ballverteiler geschafft hat.

Sebastian Vollmer konnte seinen Quarterback nur selten schützen

Demgegenüber strebte Manning, der vor seinem Wechsel nach Colorado für die Indianapolis Colts auflief und dort 2007 zum ersten und einzigen Mal den Super Bowl holte, in seinem mutmaßlich letzten Halbfinale vor dem krönenden Karriere-Abschluss nur noch nach einem Ziel: ein letztes Mal das Super-Bowl-Ticket lösen.

Und es sah von der ersten Minute an gut aus für Manning. Denn das Spiel seines Gegenübers, des Perfektionisten Brady, stand unter einem miserablen Stern. Auffällig oft fehlte seinen Pässen die Präzision. 16 Mal bediente er etwa James White, der aber nur fünfmal fing. Zweimal wurden Bradys Vorlagen direkt vom Gegner abgefangen.

Viermal rissen die gegnerischen Verteidiger den 1,93 Meter großen Modell-Athleten zu Boden, 20 weitere Male behinderten sie massiv seinen Spielradius. Mit einem Wort: katastrophal. Was sicher damit zu tun hatte, dass Brady sich in der dünnen Höhenluft des Mile High Stadium (1500 Meter) von Denver oft wie in Zeitlupe bewegte. Die Hauptschuld traf aber seine „Bodyguards“. Sie ließen die wieselflinken Attacken der Broncos zu. Vor allem DeMarcus Ware und Von Miller vergriffen sich fast nach Belieben an Tom Brady.

Peyton Mannings großer Einfluss

Dementsprechend wurde die Miene von Patriot-Trainer Bill Belichik minütlich finsterer. Auch weil der aus Düsseldorf stammende Offensive Lineman Sebastian Vollmer (31), der 2015 als erster Deutscher die Super Bowl gewann, seiner einzigen Aufgabe, Brady zu schützen, nur sporadisch nachkam.

Erst wenige Sekunden vor Schluss blitzte Bradys Ausnahmekönnen auf, als er dem baumlangen Ron Gronkowski in der Endzone das Ei in die Hände dirigierte und den Rückstand auf 18:20 verkürzte. Das anschließende Bemühen, sich über einen Zwei-Punkte-Versuch in die Verlängerung zu retten, misslang kläglich. Brady schlich konsterniert und stumm in die Kabine. Manning stand stolz und verwundert zugleich im Blitzlichtgewitter.

Der aus einer Football-Dynastie stammende Manning spielte nicht überragend. Aber er wirkte trotz einer von Formtiefs und Verletzungen geprägten regulären Saison aufgeladen wie ein Duracell-Hase. Mit zwei gelungenen Würfen auf Owen Daniels leitete er die wichtigsten Spielzüge ein. Trainer Gary Kubiak, der Manning erst vor dem Play-off anstatt des talentierten Ersatzmanns Brock Osweiler aufgeboten hatte, durfte sich bestätigt fühlen.

Nicht umsonst hält Peyton Manning in der NFL die Rekordmarken für die meisten Touchdowns, die meisten Yards Raumgewinn und die meisten Siege. Ihm wird beim Super Bowl ein Last-Minute-Sieg zugetraut.

Wenn ihn da nicht Cam Newton aus den Scheinwerfern drängt. Schwarz, 26 Jahre jung, bärenstark, einer der Extrovertierten in der kleinen Gilde der Spielgestalter. Der trotz 1,95 Meter enorm antrittsschnelle Sprinter hat die Panthers erneut mit beeindruckender Kaltschnäuzigkeit zum Sieg geführt. Immer wieder erreichten seine Langstrecken-Pässe ihr Lieblingsziel: Greg Olson.

Wie schon in der regulären Saison, in der Carolina nur eins von 16 Spielen verlor, wie im Play-off-Viertelfinale gegen die Seattle Seahawks, blieb der zwischen Arroganz und Genie pendelnde Jung-Star seiner Hochrisiko-Spielweise treu: Wie ein geschmeidiges Raubtier sprang Newton zweimal über seine Gegner hinweg in die Endzone. Peyton Manning dürfte schon beim Zusehen schwindelig geworden sein.