Im Rekordtempo auf den Thron: Vincent Feigenbutz kann am Sonnabend jüngster deutscher Profi-Weltmeister im Boxen werden. Der 20-Jährige kämpft in Offenburg gegen den Italiener Giovanni De Carolis um die WM-Krone der WBA (22.20 Uhr, Sat.1) und könnte Rekordhalter Graciano „Rocky“ Rocchigiani ablösen, der mit 24 Jahren Champion wurde. „Das ist eine große Sache, ein Lebenstraum“, sagte Feigenbutz. Der forsche Draufgänger profitiert allerdings von einem Winkelzug, der wohl nur im Profiboxen möglich ist. Da die WBA ihren Titelträger Fjodor Tschudinow (Russland) kurzerhand zum Super-Champion ernannt hat, darf Interims-Weltmeister Feigenbutz nun gleich nach der WM-Krone greifen. Das bestätigte der weltweit älteste Profi-Boxverband auf seiner Internetseite.
Der Verband verstößt nämlich gegen seine eigenen Regeln. Danach muss ein Weltmeister seinen Titel mindestens fünfmal verteidigt haben, bevor er zum Superchampion ernannt werden darf. Oder er muss als Weltmeister bei mindestens einem der Konkurrenzverbände WBO, WBC oder IBF geführt werden. Keines von beidem trifft zu. Tschudinow hat seinen Titel, den er im vergangenen Jahr durch einen Sieg über Felix Sturm erkämpft hat, erst einmal verteidigt. Keiner der anderen Verbände führt den Russen als Champion. Kritiker sagen, es gehe der WBA allein ums Geld. Für jeden WM-Kampf müssen Veranstalter und Boxer bezahlen: der Ausrichter einen fünfstelligen Betrag, die Athleten drei Prozent ihrer Börse. Nur Geldgier gefährdet also „Rockys“ Rekord.
BM




