Darts-WM

Hollands Opa van Barneveld spielt wie im Rausch

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Raik Hannemann
 Raymond van Barneveld feiert den Einzug ins WM-Viertelfinale

Raymond van Barneveld feiert den Einzug ins WM-Viertelfinale

Foto: Jordan Mansfield / Getty Images

Inspiriert von der Geburt seines Enkel bezwingt der Niederländer den Landsmann van Gerven und träumt vom ersten Triumph im Alexandra Palace.

London.  Als Raymond van Barneveld nach verwandeltem Matchdart wie ein Känguru auf und ab sprang, blieb dem gestürzten Topfavoriten Michael van Gerwen (26) nichts anderes übrig, als brav zu gratulieren. Für den Dominator des Darts-Jahres ist die WM wie im Vorjahr vorzeitig im Achtelfinale beendet. Sein 22 Jahre älterer niederländischer Landsmann van Barneveld feierte dagegen im Generationenduell auf großer Bühne eine kaum für möglich gehaltene Wiederauferstehung.

„Die Weltmeisterschaft bedeutet mir alles. Es sieht so aus, als würde ich mir alles Glück immer für sie aufheben“, sagte van Barneveld überschwänglich. Der einstige Dauerrivale der Darts-Legende Phil Taylor war nach einer schwachen Saison bis auf Platz 16 der Rangliste durchgereicht worden und gehörte im Londoner Alexandra Palace nicht zu den Favoriten. Eigentlich.

Doch der als ewiger Selbstzweifler bekannte 48-Jährige blieb diesmal trotz eines schwachen Beginns optimistisch und traf die Felder später nach Belieben. Immer, wenn das Match in geregelte Bahnen zu kippen drohte, fand „Barney“ die passende Antwort. Das hatte dem in die Jahre gekommenen fünfmaligen Weltmeister selbst in den Niederlanden niemand zugetraut. „Manchmal denke ich, dass ich in meinem eigenen Land mehr Anerkennung verdient hätte“, klagte der Weltmeister von 2007, damals wurde noch nicht im Alexandra Palace gespielt.

Mit Bewunderung geizte Adrian Lewis, zweimaliger Weltmeister und möglicher Halbfinalgegner van Barnevelds, via Twitter dann aber nicht: „Um eins klarzustellen: Raymond hat Eier aus Stahl.“ Der 4:3-Krimi bescherte dem übertragenden TV-Sender Sport1 bereits im Achtelfinale zur späten Stunde in der Spitze mehr als eine Million Zuschauer.

„Ich will dieses Turnier gewinnen“

Für van Barneveld hat das Jahr unabhängig vom Matchverlauf ein versöhnliches Ende gefunden - auf privater Ebene. Zwei Tage zuvor hatte seine Tochter in den Niederlanden den kleinen Mason Stephan zur Welt gebracht. Trotz großer Sehnsucht will der stolze Opa sein erstes Enkelkind vor dem Finale am Sonntag aber nicht sehen, er schlägt vor dem Viertelfinale gegen den Engländer Michael Smith am Neujahrsabend selbstbewusste Töne an: „Ich will dieses Turnier gewinnen.“

Das würde auch van Gerwen gerne. „Ich hätte alle anderen Titel für diesen eingetauscht“, behauptete der mit großem Abstand Ranglistenerste, der in den vergangenen Monaten alle wichtigen Turniere gewonnen hatte. Sein zweiter WM-Triumph nach 2014 kommt vorerst nicht dazu. Damit werden die Karten bei der WM neu gemischt - ohne klaren Favoriten. Neben van Barneveld präsentierte sich Titelverteidiger Gary Anderson bei den bisherigen drei Auftritten titelreif und gab erst einen Satz ab. Lewis hat bislang sogar eine komplett weiße Weste. Verunsichert wirkte dagegen schon vorm Achtelfinale (nach Redaktionsschluss) Darts-Legende Taylor. Bis zur zweiten Runde hatte der 16-malige Weltmeister enttäuscht und nur von den Schwächen seines Gegners profitiert.

( mit sid )