Beachtennis

Auf Aruba wachsen Berliner Titelträume

Maraike Biglmaier aus Berlin will Nummer eins im Beachtennis werden. Dabei hätte sie auch eine zweite Sabine Lisicki werden können.

Aruba.  Welch ein Traum: Willkommen auf Aruba, der kleinen Karibik-Insel, 25 Kilometer vor Venezuela gelegen. Mit dem Werbespruch „one happy island“, der einem von jedem Nummernschild entgegenleuchtet, bietet Aruba Sommer, Sonne, Sand.

Fast schon kitschig schön ist die Kombination aus weißem Sandstrand und türkis-blauem Wasser. Hier rutscht die Temperatur eigentlich nie unter 30 Grad. „Ich liebe Aruba. Hier sind tatsächlich nahezu perfekte Bedingungen für uns“, sagt Maraike Biglmaier. Perfekte Bedingungen für Beachtennis

Beachtennis? Maraike Biglmaier? Die Spitzenspielerin ist so wenig bekannt wie dieser Sport selbst. Die Trendsportart und die Berlinerin, zwei, die sich trafen – und sofort zusammenpassten. Liebe auf den ersten Schlag.

Eine Verletzung stoppt die Tenniskarriere

Die 28-Jährige startete früh eine Karriere im Tennis, zählte zu den besten Juniorinnen in Deutschland, in der Welt schaffte sie es unter die Top 30. Sie trainierte und spielte mit Sabine Lisicki, Angelique Kerber und Andrea Petkovic, die heute alle im Tennis zur Weltspitze gehören. Maraike hielt damals gut mit, war nicht schlechter als die heutigen Tennis-Topstars. Doch dann stoppte sie eine schwere Verletzung – Karriereende.

Die Berlinerin ließ sich aber nicht unterkriegen. Sie studierte und kam über Umwege durch einen Freund zu einer neuen Sportart, zum Beachtennis. Hier wird auf Sand gespielt, was gesünder für Körper und Gelenke ist. Die Zählart ist wie im Tennis, mit kleinen Abweichungen. Der Ball darf im Sand nicht aufkommen. Der Holzschläger ist kleiner als ein Tennis-Racket.

„Beachtennis lebt von der Atmosphäre“, schwärmt Maraike. „Wenn du auf dem Center-Court spielst, ist da eine unfassbare Stimmung, eine Mischung aus Karneval, Diskothek und guter Laune.“ Auf Aruba, beim höchstdotierten und imageträchtigsten Turnier in diesem Sport, gibt es neben der geschilderten Stimmung auch 50.000 US-Dollar an Preisgeld zu verdienen.

Doppel ist hier wichtiger als Einzel

Im Gegensatz zum Tennis sind hier die Doppelkonkurrenzen die wichtige Disziplin, das Einzel spielt keine Rolle. Deutschlands beste Beachtennisspielerin präsentiert sich seit Monaten in Topform, ist seit August im Doppel und Mixed unbesiegt, sie sprang im September erstmals auf Platz eins der Weltrangliste. „Das war der vorläufige Höhepunkt.“ Derzeit liegt sie auf Rang drei, am Saisonende will sie wieder oben stehen.

Italien und Brasilien sind die führenden Nationen im Beachtennis, räumten bislang immer alles ab. Doch nun ist da eine Berlinerin, die plötzlich Turnier für Turnier gewinnt. Und diesen Siegeszug auf Aruba fortsetzen will. Auf 30 Plätzen verteilt werden Einzel, Doppel, Mixed und Nations Cup ausgespielt, in den ersten Tagen sind mehr Akteure am Strand als Zuschauer, aber das ändert sich schlagartig zum jetzigen Finalwochenende.

Anders als im Tennis sind die Preisgelder eher überschaubar. „Wegen des Geldes spiele ich nicht“, sagt die Berlinerin. Im Doppel erhält das Siegerteam gerade mal 6800 Dollar. Zum Vergleich: In Wimbledon gab es allein für die Gewinner im Einzel 2,63 Millionen Euro. „Ich komme im Jahr so eben hin, aber reich werden kann man in unserer Sportart nicht.“

Spielt noch in der Regionalliga für SC Charlottenburg

Maraike Biglmaier gibt daher häufig vor Turnierbeginn Trainerstunden, um sich die Anreise überhaupt leisten zu können. Dazu spielt sie in den Sommermonaten, so es ihr eigener Fahrplan zulässt, auch noch Regionalliga-Tennis für den SC Charlottenburg.

Im Vorjahr hat sie auf Aruba den Titel im Doppel gewonnen. Zum ersten Mal. „Das war mein größter Erfolg.“ Den wollte sie in der Nacht zum Sonntag an der Seite von Patricia Diaz (Venezuela) wiederholen.

Vorgelegt aber hat Maraike schon: Im Mixed-Doppel siegte sie mit dem Italiener Marco Garavini im Finale gegen die amtierenden Weltmeister, die Brasilianer Joana Cortez und Vinicius Font. Annehmlichkeiten eines Tennisstars wie Vip-Shuttle, Players Lounge mit ausreichend Getränken und Speisen, Wohnen in einem 5-Sterne-Hotel oder Bodyguards gibt es im Beachtennis nicht.

„Wir gehen zu Fuß vom Hotel zum Strand und bringen unsere eigenen Getränke mit“, sagt Maraike Biglmaier lachend. „Hier ist nichts umsonst. Wir müssen für uns allein sorgen.“ Auch deshalb liebt sie Beachtennis. Dieser Sport sei noch so schön bodenständig und irgendwie rein.

Beachtennis möchte gern den Weg von Beachvolleyball gehen

Beachtennis will sich zukünftig besser organisieren und vermarkten. Vorbild ist hier Beachvolleyball. Ein ähnlicher Weg soll beschritten werden. Die junge, frische und unverbrauchte Sportart Beachtennis ist jetzt unter das Dach des Deutschen Tennis Bundes (DTB) gezogen.

Man hofft, damit auch wieder ein jüngeres Zielpublikum zu motivieren. „Die WM nach Deutschland zu holen, wäre gut. Das würde uns helfen“, erklärt sie. 2017 wäre das möglich, der DTB soll sein Interesse bereits signalisiert haben.

Beachtennis bietet viel für einen Einstieg ins Fernsehen. Die Spiele sind von Anbeginn an rassig und schnell. Sie dauern in der Regel nur 30 Minuten, mit Wechselpausen wie im Tennis, die perfekt für Werbeunterbrechungen dienen könnten.

Dazu ein Zielpublikum, das, ganz anders als beim Tennis, in der fürs Fernsehen so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreicht werden könnte. „Ein Turnier wie das in Aruba im Fernsehen“, meint Maraike Biglmaier, „wäre ein Meilenstein für unseren Sport.“