WM-Affäre

Beckenbauer-Deal war DFB-Spitze schon seit 15 Jahren bekannt

Ein Bekenntnis des Ex-Generalsekretärs bringt den Verband in die Bredouille. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht ein Machtwort.

Auch Horst R. Schmidt (r.) wusste schon 2000 von Beckenbauers dubiosem Vertrag

Auch Horst R. Schmidt (r.) wusste schon 2000 von Beckenbauers dubiosem Vertrag

Foto: Bernd Settnik / dpa

Berlin.  Neue peinliche Enthüllungen im WM-Skandal und ein offener Konflikt über die Neuordnung des Verbands haben die Krise im Deutschen Fußball-Bund (DFB) verschärft.

Kurz vor den Beratungen der DFB-Spitze am Rande des Länderspiels der deutschen Weltmeister in Paris gestand der frühere Generalsekretär Horst R. Schmidt, schon im Jahr 2000 Kenntnis von dem Vertrag zwischen Franz Beckenbauer und Jack Warner gehabt zu haben, in dem der Chef des WM-Organisationskomitees dem damaligen Fifa-Vizepräsidenten kurz vor der Entscheidung über den WM-Gastgeber 2006 „umfangreiche Leistungen“ zusicherte.

„Ich kann bestätigen, das Papier im Jahr 2000 gesehen zu haben. Und ich glaube auch, dass ich nicht der einzige war, der es gesehen hat“, sagte Schmidt der „Bild“-Zeitung. „Allerdings ist der ganze Vorgang 15 Jahre her, da kann ich nicht mehr exakt sagen, wie das Schreiben formuliert war.“

Die Verschärfung des Skandals geht laut „Süddeutscher Zeitung“ auch aus Verbandsakten in den DFB-Archiven hervor. Demnach soll neben Schmidt „ein weiterer, prominenter Spitzenfunktionär“ schon seit August 2000 vom Vertragsentwurf zwischen Beckenbauer und Warner gewusst haben.

Bundeskanzlerin Merkel fordert schnelle Aufklärung

Der frühere DFB-Schatzmeister Schmidt rückt dadurch wieder deutlicher ins Zentrum des Skandals. Aufgeklärt wurde der Vorgang damals offensichtlich nicht, am vergangenen Montag brachte das Dokument den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach zu Fall. Die externen Skandal-Ermittler der Anwaltskanzlei Freshfields ermitteln.

Druck kommt derweil auch von höchster politischer Stelle: Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, „dass der Deutsche Fußball-Bund alles transparent aufklärt, was geschehen ist“.

Konkreter wurden da schon die Sportminister der Bundesländer. Sie haben Franz Beckenbauer aufgefordert, zur Aufklärung der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 beizutragen. „Wenn Herr Beckenbauer etwas zur Aufklärung beitragen kann – und im Moment sieht es ja so aus, als könnte Herr Beckenbauer das – dann denke ich, dass er das auch tun sollte“, sagte NRW-Ministerin Christina Kampmann zum Abschluss der 39. Sportministerkonferenz in Köln.

DFB-Spitze uneinig über weiteres Vorgehen

Belastet wurden die Gespräche der amtierenden DFB-Führung in Frankreichs Hauptstadt zudem von einer Kontroverse über das weitere Vorgehen auf dem Weg aus der Affäre. Ligapräsident Reinhard Rauball stellte sich gegen die Pläne des zweiten DFB-Interimschefs Rainer Koch und von Schatzmeister Reinhard Grindel, noch vor der EM 2016 eine neue Verbandsführung zu installieren. Der Zeitplan für das weitere Vorgehen dürfe durch „kein externes Ereignis“ bestimmt werden.

Zudem machte sich der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) erneut für eine umfassende Strukturreform stark. „Es reicht nicht, wenn ein Kopf durch einen anderen Kopf ersetzt wird, und danach läuft wieder alles ganz normal“, sagte Rauball im ZDF.

Für die Aufarbeitung der Affäre um die Vergabe der WM 2006 und die Überlegungen für eine Neuaufstellung des DFB bedürfe es Zeit. Der größte Sport-Fachverband müsse „klare Botschaften rausschicken, klare Antworten finden, damit die Leute wieder Vertrauen zum DFB fassen“, sagte Rauball.

Reinhard Grindel Favorit des Amateurlagers

Dagegen hatten Koch und der im Präsidentenrennen als Favorit des Amateurlagers geltende Reinhard Grindel schnelle Lösungen avisiert. „Gehen Sie davon aus, wir werden bei der Europameisterschaft ganz sicher vollständig geordnet aufgestellt sein“, hatte Koch gesagt.

Auch Niedersachsens Landesverbandschef Karl Rothmund sieht bereits die Weichen gestellt und erwartet bei einer Wahl „eine breite Mehrheit“ für einen Kandidaten Grindel, wie er den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ sagte. Der CDU-Politiker sei „im richtigen Alter, um die nächsten ein, zwei Jahrzehnte an der Spitze des Verbandes stehen zu können“.