Berlin

Wohin flossen die Millionen des Organisationskomitees?

Berichte über diskretes Fifa-Konto für Blatter-Getreue. Zwanziger sagt vor externen Ermittlern aus

Berlin.  Theo Zwanziger hat sich in der WM-Affäre den externen DFB-Ermittlern gestellt und eine Privatfehde mit seinem Nachfolger bestritten. „Es geht hier nicht um Zwanziger gegen Niersbach oder den DFB“, sagte der 70-Jährige, der von 2006 bis 2012 als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Vorgänger von Amtsinhaber Wolfgang Niersbach war. „Es geht um die Wahrheit und die Aufklärung einer ­ungemein wichtigen Angelegenheit.“

Zwanziger hat in der Kanzlei seines Anwaltes Hans-Jörg Metz in Dietz in Rheinland-Pfalz vor den Ermittlern der vom DFB beauftragten Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer ausgesagt. „Ich habe dort alle meine Dokumente vorgelegt, meine Anmerkungen und meine Einschätzungen präsentiert“, sagte Theo Zwanziger. Er ist eine der zentralen Figuren in der Affäre um nach wie vor nicht geklärte Geldflüsse im Vorfeld der WM 2006 in Deutschland. Zwanziger hat diese Affäre durch Aussagen in den Medien immer wieder vorangetrieben.

Als Vizepräsident des WM-Organisationskomitees (OK) hat er aber auch mindestens eine dieser Zahlungen selbst freigegeben. Im April 2005 ­zahlte das OK über die Fifa ein ­dubioses Darlehen von 6,7 Millionen Euro an den damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zurück – getarnt als Beitrag für eine WM-Eröffnungsgala des Weltverbands. Diese Rücküberweisung hatten Zwanziger und OK-Mitglied Horst R. Schmidt angewiesen.

Mohammed bin Hammam und Jack Warner im Blickfeld

Die „Süddeutsche Zeitung“ wartet mit einer neuen Theorie auf. Demnach wurde in der Überweisung vom 19. April 2005 zwar die BNP Paribas als Em-pfänger genannt. Tatsächlich sei das Geld aber auf ein anderes Konto geflossen. „Ein Mitglied des WM-OK mit intimen Kenntnissen soll jüngst in vertrauter Runde erklärt haben, dass das Geld einen diskreten Ort erreichte, zu dem nur Getreue von Joseph Blatter aus der damaligen Fifa-Finanzkommission ­Zugang hatten“, schreibt das Blatt. Dieses Gremium wurde in jenen Tagen geführt von Julio Grondona (Argentinien), Jack Warner (Trinidad & Tobago) und Mohammed bin Hammam (Katar). Sollte es so gewesen sein, gilt zu ermitteln: Wer hatte Zugriff auf das Konto? Und für welchen Zweck war dieser Betrag ­bestimmt? Grundsätzlich stellt sich bei dieser Argumentation jedoch die Frage, wofür am Ausgangspunkt des Geldflusses (im Jahr 2000 laut Magazin „Spiegel“/im Jahr 2002 laut DFB) Franz Beckenbauer die 6,7 Millionen geliehen hat, für die er einen Schuldschein unterschrieben hat.

In der „Zeit“ meldete sich Fedor Radmann, 71, zu Wort, langjähriger Vertrauter von Beckenbauer und von 2001 bis 2003 Vizepräsident im WM-OK: „Ich könnte beim Leben meiner sechs Kinder beschwören, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass nicht ein Mensch von uns bestochen wurde.“ Radmann bestritt dann einen Sachverhalt, den ohnehin niemand den OK-Mitgliedern unterstellt hat: „Ich gehe so weit: Keiner hat sich irgendwie ­bereichert.“ Radmann war nach seinem Rücktritt als Vizepräsident ab 2003 Berater des OK-Präsidums, zuständig „für Kunst und Kultur sowie Marketing und ­Tourismus“.

Die Affäre beschäftigt am kommenden Mittwoch den Sportausschuss des Bundestages. Ex-Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und Claudia Roth (Die Grünen) sollen befragt werden. Wolfgang Niersbach hatte seine Teilnahme abgesagt.