Formel Eins

Von Machtkämpfen, Motoren und Michael Schumacher

Formel-1-Boss Ecclestone und Fia-Präsident Todt legen sich gerade mit Ferrari an. Todt denkt aber auch an Michael Schumacher.

Ferrari ist mit seinen Hybrid-Motoren die Zielscheibe von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und Fia-Präsident Jean Todt

Ferrari ist mit seinen Hybrid-Motoren die Zielscheibe von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und Fia-Präsident Jean Todt

Foto: Srdjan Suki / dpa

Mexiko-Stadt.  Präsidentenbüro, schicker Teppich, feines Leder. Aus seinen Räumen an der Strecke in Mexiko-Stadt plant Jean Todt, 69, Präsident des Automobil-Weltverbandes Fia, seine Strategie in der Hinterzimmer-Schlacht um Macht, Millionen und Motoren in der Formel 1.

Bernie Ecclestone, 85, allmächtiger Geschäftsführer der Formula One Group, residiert nur ein paar Türen den Flur entlang. Die beiden mächtigsten Männer im Motorsport haben sich verbündet – im Kampf gegen Ferrari.

Der Franzose Todt und der Brite Ecclestone sind sauer, weil sich das Team von Sebastian Vettel hartnäckig weigert, die Kosten der Hybrid-Motoren für ihre Kunden preislich zu deckeln. Gegen einen entsprechenden Vorschlag – angeblich zwölf Millionen Euro – legte Ferrari sein Veto ein.

Billigmotor kostet ab sechs Milllionen Euro

Auch Mercedes ist dagegen. Damit würden die beiden Branchenführer die finanzielle Schieflage vieler Teams noch verschlimmern und ihre Machtposition weiter ausbauen, so der Vorwurf von Todt und Ecclestone. Ihre Lösung: Ein neuer Billigmotor ab 2017, der schon für sechs Millionen Euro zu haben und trotzdem konkurrenzfähig sein soll. Den Plan wollen sie mit aller Macht durchdrücken - auch gegen den Widerstand von Ferrari.

„Wenn die Hersteller nicht den Willen haben, günstigere Motoren zu liefern, dann führen wir eben eine andere Lösung ein“, sagte Todt. Und Eccle­stone meinte zuletzt: „Wenn wir die Formel 1 retten wollen, müssen wir einen konkurrenzfähigen Motor anbieten, den jeder kaufen kann, der keinen Werksmotor bekommt. Sonst sind wir den Herstellern ausgeliefert.“ Damit droht die Spaltung der Formel 1.

Mercedes macht Defizit mit Antrieben

Ferrari ist nicht bereit nachzugeben. „Wir haben Kosten für die Forschung und die Entwicklung, und die müssen wir irgendwie wieder einspielen“, sagte Teamchef Maurizio Arrivabene: „Ich kenne keine Firma, die ihre Produkte frei oder zu einem vorgeschriebenen Preis abgibt.“

Im Moment kostet ein Hybrid-Antrieb der Premiumhersteller die Kunden rund 20 Millionen Euro. Mercedes gesellt sich grundsätzlich auf die Seite von Ferrari, will aber auch die Sorgen der Kleinen ernst nehmen. Natürlich könne man sagen, „einige Millionen spielen für eine große Firma keine Rolle - aber das tun sie sehr wohl“, sagt Motorsportchef Christian Wolff, 43.

Schon jetzt würde Mercedes mit dem Verkauf seiner Antriebe ein Defizit machen. Aber: „Wir können unsere Augen nicht davor verschließen, was in der Formel 1 passiert, und wir müssen Respekt für jedes Team zeigen.“

Doch Respekt und guter Wille reichen Ecclestone und Todt nicht mehr, sie wollen Taten sehen. „Ich finde es sehr ärgerlich, dass Teams ums Überleben kämpfen müssen, dass es Rennställe gibt, die für 2016 noch keinen Motor haben“, sagte Todt. Unter anderem hat Red Bull immer noch keinen Motorenlieferanten für die nächste Saison gefunden. Sauber oder Force India kämpfen ums Überleben. „Wir kriegen keinen Motor, weil die anderen Teams Angst vor uns haben“, sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko der „Bild“.

Todt ist in Gedanken bei Michael Schumacher

Der Kampf um Macht und Motoren wird mit harten Bandagen geführt. Dabei muss es gerade Todt schwer fallen, sich beim Motoren-Thema ausgerechnet mit Ferrari anzulegen: Der Franzose war früher selber Ferrari-Teamchef.

Als solcher feierte er fünf der insgesamt sieben WM-Titel von Michael Schumacher. So denkt er auch in Mexiko an den Kerpener, der nach seinem Ski-Unfall vor 22 Monaten seit September 2014 in seinem Haus am Genfer See behandelt wird.

„Es war interessant: Letzte Woche bei Lewis Hamiltons drittem Titel sah ich die Zahlen wieder, die Vergleiche zwischen Lewis und ihm. Ich bin sehr stolz auf Michael“, sagte Todt: „Manchmal vergessen wir, was er Großartiges erreicht hat. Er kämpft weiter.“

Und wird geehrt: Sebastian Vettel hat für das Rennen in Mexiko ein Bild seines Idols auf den Helm lackieren lassen. Es zeigt Schumacher beim Jubeln und erinnert an die Szenen, als Schumacher vor 23 Jahren als Dritter erstmals in seiner Karriere auf das Podium fuhr – in Mexiko-Stadt, an jener Strecke, auf die Jean Todt von seinen präsidialen Räumen aus schaut.