Mexiko

Deutsches Duell auf dem Highspeed-Kurs

Beim Mexiko-Comeback der Formel 1 geht es für Rosberg und Vettel nicht nur um WM-Punkte

Mexiko.  Jetzt wird die Luft sogar für Lewis Hamilton dünn. Mit dem angekündigten Aufbegehren von Stallkollege Nico Rosberg dürfte der frischgekürte Weltmeister zwar gelassen umgehen. Bei der Rückkehr der Formel 1 nach Mexiko fahren er und seine Kontrahenten aber in 2285 Meter Höhe. Damit liegt das Autódromo Hermanos Rodríguez nur rund 700 Meter niedriger als die Zugspitze. Keiner der aktuellen Piloten ist jemals unter solch ex-tremen Bedingungen angetreten.

Auch wenn die WM-Kronen bereits an Hamilton (Fahrer) und sein Mercedes-Team (Konstrukteure) vergeben sind, steht für zwei Piloten noch viel auf dem Spiel. Rosberg und Ferrari-Star Sebastian Vettel kämpfen um Platz zwei – zudem wollen sie einen weiteren Jubel-Marathon des nahezu unantastbaren Hamilton verhindern.

Rosberg, mit drei Punkten Rückstand auf Vettel derzeit WM-Dritter, will in den letzten drei Saisonrennen seine persönliche Mini-WM bestreiten. Nur was passiert, wenn sein britischer Widersacher ihm auch dabei noch in die Quere kommt? „Ich weiß es nicht“, hatte Rosberg in Austin auf die Frage entgegnet, wie lange es zwischen ihm und Hamilton noch gut gehen könne.

Der 30-Jährige braucht dringend ein Erfolgserlebnis. Schon jetzt wird mehr darüber spekuliert, ob es nächstes Jahr zum Gigantenduell von Dreifach-Weltmeister Hamilton mit dem viermaligen Titelträger Vettel kommt, als über Rosbergs Titel-Chancen. Der Neustart der Formel 1 in Mexiko – er wäre auch perfekt für einen Neustart Rosbergs.

Von den Werbeplakaten lächelt ein mexikanischer Ersatzfahrer

Allerdings hat auch Vettel mehrere Gründe, Hamilton den Sieg bei der Mexiko-Rückkehr streitig zu machen. Mit einem Sieg könnte er den 30 Jahre alten Briten auf dem Weg stoppen, den Saisonrekord mit 13 Siegen einzustellen. Den hält Vettel selbst – gemeinsam mit Rekordweltmeister Michael Schumacher. Hamilton stand in der laufenden Saison zehnmal ganz oben auf dem Siegertreppchen. Zudem würde ein Erfolg Vettels seine Kampfansage fürs nächste Jahr untermauern.

Die Zuschauer werden sich auf ein Spektakel freuen können. Bereit ist Mexikos Hauptstadt mit ihren 22 Millionen Einwohnern im städtischen Ballungsgebiet und dem täglichen Verkehrschaos auf verstopften Straßen ohnehin. Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt werden die Autofahrer von den Werbeplakaten allerdings nicht von Hamilton, Rosberg oder Vettel angelächelt, sondern von dessen Ersatzpiloten Esteban Gutierrez – er ist Mexikaner. Das Land ist für seinen Motorsport-Enthusiasmus bekannt, freut sich auf die Rückkehr. „Dieses Rennen wird ein Klassiker der modernen Formel 1“, prophezeit Gutierrez’ Landsmann, Sergio Perez, Teamkollege von Nico Hülkenberg bei Force India.

1992, beim letzten Rennen in Mexiko, gewann übrigens ein Brite, Nigel Mansell. Schumacher wurde Dritter, es war sein erster Podestplatz in der Formel 1. Für die Fortsetzung britisch-deutscher Duelle scheint Mexiko ein guter Ort. Allerdings wird das Rennen auch von Sorgen um die Sicherheit begleitet. Mexiko-Stadt gilt nicht nur als eine der größten und spannendsten, sondern auch als eine der kriminellsten Städte der Welt. „Niemand wird einen Bodyguard brauchen“, sagt Perez zwar vor seinem Heimspiel am Sonntag (20 Uhr, RTL und Sky). Doch das Auswärtige Amt ist da in seinem Sicherheitshinweis vorsichtiger: „Die Kriminalität stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.“. Mit einer goldenen Rolex würde er nicht auf die Straße gehen, sagt auch Hülkenberg, der die Stadt gut kennt.

Fahrer und Motoren müssen sich auf Höhenluft einstellen

Die Mexikaner sind heiß auf ihren Grand Prix. Längst ist das Rennen ausverkauft, weit über 100.000 Besucher werden am Wochenende erwartet. „Die Fans mussten so lange auf diesen Moment warten“, sagt Perez und kündigt „ein Feuerwerk“ an. Die Strecke wurde komplett saniert. Der 4,304 Kilometer lange Kurs gilt nach Monza als der zweitschnellste im Kalender. Während sich die Fahrer auf das Abenteuer freuen, zerbrechen sich die Ingenieure die Köpfe. Die geringe Luftdichte in der Höhe wird für die komplexen Hybrid-Turbo-Motoren zum Problem. Sie werden mit der dünnen Luft genauso zu kämpfen haben wie Hamilton.