Am 28. Januar beginnt das 105. Berliner Sechstagerennen. Fast alles wird sein wie immer im Velodrom. Natürlich ist die Spannung kaum erträglich, erst in der letzten Jagd fällt die Entscheidung, wer sich als Sixdays-Sieger feiern lassen darf. Die Ticketpreise sind stabil geblieben, liegen zwischen 20 und 54 Euro. Es soll wieder ein Frauenrennen geben. Sportlicher Leiter bleibt der Berliner Landestrainer Dieter Stein. Und niemals vergessen: Rundengewinn geht vor Punktgewinn.

Ein 36-Jähriger wird neuer Geschäftsführer

Nur eine Veränderung gibt es, doch die hat es in sich. Der bisherige alleinige Gesellschafter Reiner Schnorfeil hat die erfolgreiche Veranstaltung zu hundert Prozent verkauft an die Madison Sports Group, die ihren Hauptsitz in London hat. Neuer Sechstage-Chef wird der 36-jährige Engländer Mark Darbon. Das ist jung für eine solche Position und passt damit zum Konzept. „Wir glauben an das große Potenzial des Formats Sixdays“, sagte Darbon am Montag bei seiner Vorstellung in Berlin, „wir wollen aber mehr junge Leute begeistern. Die Mischung aus Sport und Unterhaltung ist die Zukunft des Radsports.“

Sechstage-Erfahrung bringt der junge Mann zwar nicht mit, dafür viel Begeisterung. Seinem Unternehmen ist es zudem gelungen, nach 35 Jahren die Sixdays in London wiederzubeleben. Am 18. Oktober erfolgt der Startschuss in der englischen Metropole. Im Lee Valley Velodrome, wo vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen britische Radsportler von Erfolg zu Erfolg rasten, soll dieser Schwung eine neue Euphorie in der Arena entfachen.

Nacht für Nacht ausverkauft - das machte die Briten aufmerksam

Stellt sich in Berlin die Frage, warum eine Veranstaltung verkauft wird, zu der im vergangenen Winter noch 73.500 Zuschauer kamen. Erst vor Kurzem hatte Schnorfeil den Vertrag mit der Velomax, dem Betreiber des Velodroms, bis 2022 verlängert. Doch er hatte auch mehr als einmal darauf verwiesen, dass es ein schwieriges Geschäft sei, den Etat von rund zwei Millionen Euro zu stemmen. Und darum gekämpft, dass die Miete der Halle an der Landsberger Allee, die bei rund 400.000 Euro liegen soll, gesenkt werden müsse, um die Sixdays zu halten.

Ob dies die Voraussetzung war, einen Käufer zu finden oder ob genau das Misslingen zum Verkauf führte, ist nicht zu erfahren. Interesse der Engländer bestand jedenfalls schon länger. Sie haben in den vergangenen Jahren regelmäßig in Berlin zugeschaut. Es gab außerdem weitere Bewerber. „Nacht für Nacht eine volle Arena – das hat uns aufmerksam gemacht“, gibt Darbon zu. Sein Plan ist es, die Sportart mehr zu erklären, die Leistungen, die dort geboten werden, auch in technischer Hinsicht so herauszustellen, dass Publikum neugierig wird, das sich zuvor nicht für den Radsport begeisterte. Das Starterfeld soll prominenter werden, London und Berlin dabei verstärkt zusammenarbeiten.

Interesse an Verpflichtung von Stars wie Cavendish und Wiggins

„Natürlich sind wir interessiert an Sprintstar Mark Cavendish oder Toursieger Bradley Wiggins“, sagt Schnorfeil, der die Madison Sports Group beraten wird und gleichzeitig zuständig bleibt für die Vermarktung der Sixdays, was er seit 15 Jahren macht, „aber das sind Traumvorstellungen im Moment“. Zumal 2016 Olympische Spiele anstehen, da konzentrieren sich Topstars nicht auf Sechstagerennen. „Im Moment ändert sich nicht viel“, sagt der Sportliche Leiter Stein, außer dass durch die finanzstarken Briten „mehr Stabilität“ in der Veranstaltung sei. Schnorfeil kündigt aber an: „2017 werden erhebliche Änderungen auftreten.“ Bis auf die Spannung. Und den Rundengewinn, der vor Punktgewinn zählt.