Franz Beckenbauer

Zum 70. Geburtstag: Eine Liebeserklärung an die Lichtgestalt

| Lesedauer: 4 Minuten
Patrick Strasser
Ob als Spieler, als DFB-Teamchef oder WM-Organisator – Franz Beckenbauer ist die Legende des deutschen Fußballs. Am Freitag feiert der Kaiser seinen 70. Geburtstag

Ob als Spieler, als DFB-Teamchef oder WM-Organisator – Franz Beckenbauer ist die Legende des deutschen Fußballs. Am Freitag feiert der Kaiser seinen 70. Geburtstag

Foto: dpa Picture-Alliance / Werner Baum / picture-alliance / dpa

Die ARD ehrt Franz Beckenbauer zum 70. Geburtstag mit einem großen Porträt. Warum es sich lohnt, am Sonntag nach dem „Tatort“ dranzubleiben.

München. Papa schnürt noch einmal die Fußballschuhe. In diesem Moment ist Franz Beckenbauer einfach nur Vater, kein „Kaiser“. Zu Hause in Salzburg tritt der 69-Jährige gegen seine Kinder Joel, 14, und Francesca, 11, auf einem eigens eingerichteten Kleinfeld-Platz an. Kick it like Kaiser. Mutter Heidi, seine dritte Frau, schaut stolz zu.

Unbeschwerte, glückliche Momente. Es ist eine der schönsten Szenen des 90-minütigen Dokumentarfilms „Fußball – ein Leben, Franz Beckenbauer“, einer Ufa-Fiction-Produktion im Auftrag des Bayerischen Rundfunks. Am Sonntag, direkt nach dem „Tatort“ um 21.45 Uhr zeigt, die ARD das Beckenbauer-Porträt zu dessen 70. Geburtstag – fünf Tage vor dessen Ehrentag.

Ab Mai 2014 begleitete das Team um Produzent Nico Hofmann und Dokumentarfilmer Thomas Schadt die Legende des deutschen Fußballs über ein Jahr verteilt an 30 Drehtagen, so kamen bis zu 60 Stunden Material zusammen. Und doch bleibt ein beklemmendes Gefühl, wenn Beckenbauer über die Frage sinniert, ob er ein Sonntagskind sei: „Natürlich. Alle Sonntage der Welt sind in mir vereint. Klar, wenn man so ein Leben hat, in diesen 70 Jahren.“

Schicksalsschlag kurz nach Drehschluss

Denn Ende Juli, zwei Monate nach Drehschluss, musste Beckenbauer das Schlimmste verkraften, was einem Familienvater widerfahren kann: den Tod eines Kindes. Sohn Stephan starb im Alter von nur 46 Jahren. Über den Verlust wollte Beckenbauer nicht sprechen, die geplante Premierenfeier in München wurde selbstverständlich abgesagt.

Dennoch – und vielleicht gerade weil Beckenbauer seine für ihn so typische Leichtigkeit, seine charmante Lässigkeit, seine der Öffentlichkeit bekannte Souveränität, immer und überall freundlich zu sein, in dieser Dokumentation beweist – überzeugt der Film.

„Ich weiß nicht, wie mein Leben ohne Fußball gelaufen wäre“, sagt der legendäre Libero und fügt nach kurzer Bedenkzeit hinzu: „Ich wäre auch irgendwie durchgekommen, ich bin ja gelernter Versicherungskaufmann.“

Von Giesing bis ins Olympiastadion

In der Dokumentation geht der „Kaiser“ auf Zeitreise durch sein Leben: Zu seinem ersten Bolzplatz in München-Giesing, zur Jugendmannschaft des SC 1906 München, seinem Klub der Kindheit, an die Säbener Straße, die Heimat des FC Bayern.

Man reiste an die Stätten seiner größten Stunden: Ins Londoner Wembleystadion, in dem er bei seiner ersten WM 1966 als 20-Jähriger den Titel knapp verpasste, oder nach New York, um seinen „Brother“ Pelé zu treffen, mit dem er bei Cosmos spielte.

Auch die Stationen des „Kaiser“-Triples werden abgeklappert: das Münchner Olympiastadion (Weltmeister als DFB-Kapitän 1974), das Olympiastadion von Rom (Weltmeister als Teamchef 1990) sowie das Berliner Olympiastadion, Finalstätte der WM 2006, die er nach Deutschland geholt hatte.

Schattenseiten werden ignoriert

Stark ist der Film, als Beckenbauer zum Beobachter seiner eigenen Vergangenheit gemacht wird: Der Fußballstar beweist schauspielerisches Talent, kommentiert bestimmte Szenen, witzelt vor sich hin. Als ihn die Kamera bei einem Bayern-Heimspiel begleitet, zeigt sich die enorme Fallhöhe zwischen dem Wissen um das eigene Können und dem Treiben seiner Erben da unten.

Er verfolgt die Partie im Stehen, hinter der letzten Reihe der Vip-Sitze. Herrlich anzuschauen, wie er Tore hinnimmt, weil sie nicht würdevoll genug erzielt wurden: mit Schulterzucken und – das ist dann schon ein Lob – einem gönnerhaften Schmunzeln.

Der Film ist eine Liebeserklärung an die Lichtgestalt des deutschen Fußballs. Deren Schatten(-seiten) werden ignoriert. Aber würde man das in einer Festrede erwähnen? Also. Und daher: Schau’n mer’s mal an!