Vom Radsport mag Jan Ullrich nicht lassen. Auf seiner Internetseite schreibt der 41-Jährige mit eigenen Erfahrungen angereicherte Etappenvorschauen für die aktuelle Tour de France. Und lädt Jedermann-Fahrer zu Trainingscamps mit ihm in ganz Europa ein. Die Nachfrage dafür ist da, obwohl Deutschlands einziger Tour-Sieger (1997) seine folgenschwere Dopingvergangenheit viel zu lange viel zu defensiv kommunizierte. Inzwischen aber scheint Ullrich die Sache offensiver formulieren zu wollen. Im Sky-Interview sagte der frühere Profi, dass er hoffe, dass der Radsport „aus den schweren Jahren gelernt hat“.

„Ich sitze aber nicht vor dem Fernseher und sage, wie sind denn die heute wieder da hochgeknallt, das muss doch irgendetwas mit Doping zu tun haben“, betonte Ullrich. „Ich gehe da anders ran und vertraue den Jungs. Klar werden da alle Register gezogen. Aber eigentlich müssten sie auch alle gelernt haben. Ich würde gerne glauben, dass alles jetzt mit rechten Dingen zugeht.“

Mit seiner Doping-Vergangenheit hat der Wahl-Schweizer abgeschlossen. „Es hat mich viele Jahre sehr belastet und genervt, bis ein Urteil gefällt wurde, bis der Radsportweltverband UCI mal etwas gemacht hat. Ich hatte ja schon längst aufgehört, und trotzdem war es über viele Jahre noch das Thema. Das war schon eine zermürbende Zeit für mich und die Familie. Ich habe einen Fehler gemacht, dazu habe ich auch gestanden und die Strafe dafür bekommen. Wenn ich es zurückdrehen könnte, was ich nicht kann, würde ich es anders machen.“

Abgehakt sind auch die Niederlagen gegen seinen damaligen Konkurrenten Lance Armstrong. „Man muss bedenken, er war ein Texaner, ein Amerikaner. Ich hätte auch bei Übermacht nicht so demonstrativ nach hinten geschaut und die anderen ausgelacht. Ich bin so, wie ich bin. Mir hat dieser Killerinstinkt einfach gefehlt“, sagte Ullrich, der bestätigte, dass „ich nie wieder die Form erreicht habe wie 1997, als ich die Tour gewonnen habe“.

BM