Gegen Juventus Turin

Champions League - 3:1! Barcelona krönt sich selbst in Berlin

Sein erstes Tor zählte nicht, doch dann traf Neymar doch - in der Nachspielzeit zum 3:1. Der FC Barcelona hat sich im Berliner Olympiastadion gegen Juventus Turin den Pokal der Champions League geholt.

Foto: AFP

Der Fußball, so ist gemeinhin schon mal zu hören, bringt das Kind im Manne zurück. Also ließen die Spieler des FC Barcelona eben jener kindlichen Freude freien Lauf. Unter dem lauten „Campeones, Campeones“ ihrer Anhänger tanzten Lionel Messi, Neymar und Co., sprangen umher, fielen sich in die Arme, zeigten die gesamte Lebensfreude, die sich in Momenten eines Triumphes offenbart.

Auf der Gegenseite Juventus Turin, das vom Traum des Champions-League-Sieges entzaubert in der den Italienern eigenen Melodramatik über den Platz schlich. 3:1 (1:0) gewann Barcelona und holte sich zum fünften mal den Henkelpott.

Barca gewinnt das Triple

Was sich in den 90 Minuten im Berliner Olympiastadion abspielte, hatte mit gutem Fußball wenig zu tun. Es war herausragender, ja teils grandioser Fußball, den dieses 60. Finale um die europäische Königsklasse zu bieten hatte. Zwei Mannschaften, die – jede in ihrem ganz eigenen Stil – über weite Strecken nahezu perfekt funktionierten.

Hier Barcelona, das mit dieser beängstigend schönen Mischung aus ultimativer spanischer Passmaschine und mitreißender südamerikanischer Spielfreude unterstrich, warum es das beste Team der Welt ist. Auf der anderen Seite Juve, das mit Geschlossenheit beeindruckte, mit der hohen italienischen Schule der Defensivkunst, wenn sie verlangt wurde, jedoch ohne den faden Beigeschmack des Destruktiven. Dafür allerdings kaum weniger gefährlich, wenn es vor das Tor von Barcelonas Torwart Marc-André ter Stegen ging.

„Wir haben einen hervorragenden Fußball gespielt und uns das als Mannschaft verdient“, sagte der deutsche Torhüter nach der Partie. „Es sind viele Träume für mich bei Barcelona wahr geworden.“ Abtasten? Ein Fremdwort an diesem Abend. Mit dem Anpfiff ließen beide Mannschaften den Worten, die Trophäe unbedingt gewinnen zu wollen, Taten folgen. Turin überraschte die als Favoriten gehandelten Spanier mit forschem Pressing. Schon nach 48 Sekunden gab Arturo Vidal den ersten Torschuss der Partie ab. Nein, Juve war nicht nach Berlin gekommen, um sich als Opferlamm zu präsentieren, wie Keeper Gianluigi Buffon verkündet hatte.

Und doch war es der Weltmeister von 2006, der in der Arena seines größten Triumphes tatenlos mitansehen musste, wie auf der linken Seite Neymar so lange wartete, bis Andres Iniesta für den Querpass des Brasilianers in Position gelaufen war und den Ball weiterspielte auf Ivan Rakitic, der Buffon aus zehn Metern keine Chance ließ – 1:0 für Barcelona nach nur vier Minuten, welch ein Auftakt.

Ein Spiel voller Leckerbissen

Auch wenn bis zur Pause keine weiteren Tore fielen, die Partie hielt die Partie allerlei Leckerbissen bereit. Buffons Weltklasse-Reflex mit der linken Hand zum Beispiel beim Schuss von Dani Alves, der von Luis Suarez mustergültig bedient wurde (13.). Der blitzschnelle Juve-Konter über Paul Pogba (20.), auf der anderen Seite Suarez’ Schuss aus 16 Metern an Buffon und am Tor vorbei (39.), Buffons Unachtsamkeit, als er Neymar am Strafraum direkt anspielte, dessen Flanke für einen Suarez-Kopfball jedoch zu hoch war (44.) – welch ein Endspiel, auch wenn stets die Gewissheit beim Beobachter lag, dass es Barca ist, das entscheidet, wann es zum finalen Schlag ansetzt.

So sollte es in der zweiten Halbzeit auch kommen. Wutschnaubend kam Juventus aus der Kabine. Jetzt, da sie auf ihre Fankurve spielten, musste sich das Blatt doch wenden. Der Jubel glich einer Explosion, als Carlos Tevez den lange beschäftigungslosen ter Stegen prüfte und Alvaro Morata den Abpraller geistesgegenwärtig abstaubte (55.). Doch der FC Barcelona dieser Tage wäre eben nicht jenes Ausnahmeteam, wenn es nicht auch in solch einer Situation, im wichtigsten Spiel der gesamten Saison, eine passende Antwort hätte. Die Antwort hieß: Messi. Der Argentinier, der sich bislang auffällig deutlich zurückgehalten hatte, drehte nun auf.

Er wollte seinen dritten Champions-League-Titel in Berlin gewinnen, unbedingt und ohne Ausnahme. Messi spielte, dribbelte, passte, dass es eine Augenweide war. Und er schoss, derart hart und präzise, dass Buffon im Juve-Tor zu einer erneuten Glanzleistung gezwungen war. Doch es gehörte auch zum Charakter dieses Finales, dass das Glück in den entscheidenden Momenten den Italienern nicht hold war. Buffons Parade fiel in den Strafraum zurück, wo Suarez das tat, was man von einem Stürmer verlangt – das 2:1 (68.).

Neymar trifft zum Endstand

Barca war nun wieder auf dem Weg zum fünften Titel, dem vierten in den vergangenen neun Jahren. Suarez sagte nach der Partie: „Das ist der Lohn für unsere Anstrengungen. Ich danke meiner Frau und meinen Kindern. Ihnen ist dieser Sieg gewidmet.“

Dass dem leichtfüßigen Ballkünstler Neymar, dem ein Tor wegen angeblichen Handspiels zuvor aberkannt wurde, in der Nachspielzeit noch das 3:1 gelang, unterstrich nur einmal mehr die Extraklasse dieses Ausnahmespielers, dieser Ausnahmemannschaft. In einem Finale, an das sich die Fußballwelt lange erinnern wird. Ohne Zweifel. Berlin hat einen großen Abend erlebt.

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