Die fünfte Amtszeit von Joseph Blatter als Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa ist die kürzeste: Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl kündigte der 79-jährige Schweizer seinen Rücktritt an. Endlich, möchte man da spontan hinterherrufen. Denn das Schmierentheater seiner erneuten Wiederwahl hat dem Weltsport insgesamt eine Glaubenskrise nie dagewesenen Ausmaßes beschert, die zu beenden auch nach diesem Tag der Befreiung vom ewigen Präsidenten noch schwer genug werden wird.
Zweifellos geschah dieser plötzliche Abgang alles andere als freiwillig, die Beweise für die unlauteren und nur scheindemokratischen Vorgänge in der „Weltregierung des Fußballs“ (Blatter) waren inzwischen einfach zu erdrückend geworden, selbst Ermittlungen gegen Blatter persönlich stehen nun sogar im Raum. Amerikanische Medien wie die „New York Times“ hatten unter Berufung auf die Ermittler aus ihrem Land berichtet, dass Blatters Vertrauter Jérôme Valcke, 54, für die Zahlung von zehn Millionen Dollar an den bereits als windigen Funktionär bekannten Jack Warner aus Trinidad und Tobago verantwortlich sein soll. Diese Summe ist für Wahlstimmen aus dem nord- und mittelamerikanischen Kontinentalverband geflossen, damit Südafrika genug Zuspruch für die Austragung die Weltmeisterschaft 2010 erhielt. Der obligatorische Zuschuss für die Gastgeber wurde nach der erfolgreich manipulierten Kür Südafrikas zum ersten WM-Gastgeber Afrikas dann später um genau diese zehn Millionen gekürzt.
Nun ist der Franzose Valcke seit 2007 auch Generalsekretär der Fifa und als solcher gemäß den Statuten eben auch für alle administrativen Belange zuständig, also auch für die ordnungsgemäße Buchführung. Und dem Präsidenten schreiben die Regeln ausdrücklich die Kontrolle des Generalsekretariats zu. Blatters scheinheilige Verteidigungsargumentation, dass er selbst mit den vielen schwarzen Schafen in seinem Verband ja nichts direkt zu tun habe, ist somit nicht mehr haltbar. Und Aussagen der vorige Woche festgenommenen Fifa-Funktionäre haben womöglich noch mehr aufgedeckt.
Das übertriebene Siegesgeheul Blatters nach der Wahl, dass die Amerikaner die großen Verlierer seien, erweist sich also als grandioser Irrtum, es war jedenfalls ebenso daneben wie die grotesken Meinungsäußerungen angeblicher Größen wie Pelé oder Franz Beckenbauer. Denn offenbar gab und gibt es noch viel mehr Material zu den Korruptionsbeschuldigungen in der Hinterhand, die die Auseinandersetzung bis zur ab Wochenende anstehenden Frauen-Weltmeisterschaft im benachbarten Kanada immer weiter verschärft hätten, dass sogar eine Verhaftung Blatters während eines etwaigen WM-Besuchs zumindest denkbar schien.
Verwundern sollte das eigentlich keinen, die Vereinigten Staaten sind wegen ihrer ungeheuren (manchmal auch ungeheuerlichen) technischen Fähigkeiten beim Abhören ohnehin seit geraumer Zeit in aller Munde. Festzuhalten ist hierbei, dass die Amerikaner ihre Möglichkeiten hier für eine gute Sache nutzten. Der Fußball mit seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung ist so wieder in die demokratische Welt zurückgeholt worden.
Natürlich ist der Wechsel an der Fifa-Spitze nun eine große Chance, diesen Neuanfang gilt es maximal zu nutzen. Egal, ob nun der Franzose Michel Platini, der bislang immer nur im Hintergrund Strippen ziehende Chef des europäischen Dachverbandes Uefa, sich nun endlich mal ins oberste Amt traut, ob der im Sport mächtige Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait der neue Chef wird oder der letzte offizielle Herausforderer, Prinz Ali bin Al Hussein aus Jordanien: Wer auch immer es im Jahresverlauf dann wird, sollte einen klaren Strich ziehen und die Verfehlungen der Vergangenheit vollumfänglich aufarbeiten, auch wenn es noch mal richtig schmerzhaft wird und namhafte Helden stürzt. Denn nur mit uneingeschränkter Transparenz ist der angestrebte Wandel am Ende auch erfolgreich. Und auch den Funktionären aus Afrika oder exotischen Kleinstaaten, die zuletzt von der Stimmenkungelei in der Fifa maximal profitierten, gehören ein paar klare, unmissverständliche Worte gesagt. Denn diese Fehlentwicklung unter Blatters Ägide haben schließlich auch sie mitzuverantworten.


