Auf dem Weg zum Finale in Berlin wartet auf den FC Bayern München der spanische Spitzenreiter FC Barcelona als letzte Hürde. Der deutsche Rekordmeister bekam die Katalanen als Gegner im Halbfinale zugelost, womit es zum Wiedersehen von Trainer Pep Guardiola mit seinem Ex-Club kommt.
Die Münchner müssen am 6. Mai zunächst im Camp Nou antreten, das zweite entscheidende Spiel findet am 12. Mai in München statt. Im zweiten Halbfinale stehen sich Juventus Turin und Titelverteidiger Real Madrid gegenüber. Das ergab die Auslosung am Freitag am UEFA-Sitz in Nyon.
Als der frühere Dortmund-Stürmer Karl-Heinz Riedle das Gigantenduell zwischen Barca und Bayern aus dem Lostopf gezogen hatte, dürften insbesondere bei Guardiola besondere Erinnerungen aufgekommen sein.
Zwischen 2008 und 2012 führte der Coach die Katalanen zu zwei Triumphen in der Champions League (2009, 2011), drei Meisterschaften und zwei Pokalsiegen. Es war die erfolgreichste Zeit in der Clubgeschichte der Katalanen.
„Diese Geschichten schreibt nur der Fußball“
„Ich hatte es im Gefühl. Diese Geschichten schreibt nur der Fußball. Ich freue mich sehr drauf. Es ist eine super Ausgangskonstellation. Die Chancen stehen 50:50. Was gibt es Schöneres als große Spiele“, sagte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer.
Trainer Pep Guardiola sagte: P„Wenn du das Halbfinale spielst, triffst du auf eine große Mannschaft. Letztes Jahr war es Real, dieses Jahr Barcelona. Ich habe großen Respekt vor ihnen. Ich bin sehr, sehr zufrieden, dass ich diese Erfahrung in meinem Leben machen kann. Am Ende ist es ein Fußball-Spiel. Wir müssen diesen Gegner Barcelona schlagen, aber sie haben eine starke Qualität. Es ist das erste Mal, dass ich zurück nach Barcelona, nach Hause komme. Natürlich ist es speziell für mich, sehr, sehr emotional. Ob es ein Spiel oder zwei Spiele sind, ist egal.“
Die Münchner haben Barcelona noch in guter Erinnerung. In der Saison 2012/13 schalteten die Bayern im Halbfinale Barca mit zwei deutlichen Siegen (4:0 und 3:0) aus und gewannen auch das Endspiel gegen Borussia Dortmund. Ohnehin ist die Bilanz positiv für die Münchner: In acht Spielen gab es fünf Siege, 2 Unentschieden und nur eine Niederlage.
Diese war aber sehr schmerzhaft. 2008/09 gab es im Viertelfinale der Champions League ein 0:4 in Barcelona. Wenige Wochen später war die Amtszeit von Trainer Jürgen Klinsmann in München beendet.
Beckenbauer sieht Bayern als Außenseiter
In diesem Jahr scheint Barcelona an alte Glanzzeiten wieder anknüpfen zu können. In der Primera Division liegt die Mannschaft von Trainer Luis Enrique auf Platz eins, dazu steht Barcelona im Pokalfinale.
Deshalb sieht Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer auch Bayern als Außenseiter. „Barcelona ist von seiner Kompaktheit her am stärksten in diesem Wettbewerb. Chancenlos ist der FC Bayern nicht, aber die Favoritenrolle gehört dem FC Barcelona. Wenn Bayern es fertig bringt, zwei solche Spiele wie am vergangenen Dienstag gegen den FC Porto hinzulegen, dann ist auch gegen den FC Barcelona etwas drin“, sagte Beckenbauer. Gegen die Portugiesen hatte der Bundesliga-Spitzenreiter mit einer Gala das Aus nach dem 1:3 im Hinspiel abgewendet.
Die Reaktionen der Spieler fielen unterschiedlich aus. Philipp Lahm sprach von einer „schwierigen Aufgabe“. Aber zum Glück hätten die Bayern das Rückspiel zu Hause. „Das könnte ein Vorteil sein. Da treffen zwei Mannschaften aufeinander, die Fußball spielen wollen. Barcelona ist momentan sehr gut drauf. Ich sehe die Chancen bei 50:50.“
Torhüter Manuel Neuer meinte: „Es war klar, dass wir einen großen Gegner bekommen. Im Halbfinale gibt's keine leichten Kontrahenten mehr, jetzt geht's zur Sache. Auch wenn wir im Halbfinale 2013 gute Erfahrungen mit dem FC Barcelona gemacht haben und zweimal klar gewinnen konnten, so werden doch jetzt die Karten wieder neu gemischt und wir benötigen schon zwei Tages-Topformen, um ins Endspiel zu kommen.“
Thiago freut sich über ein Wiedersehen beim FC Barcelona: „Jeder andere Gegner wäre auch sehr schwer gewesen, es ist aber eine Ehre, im Camp Nou zu spielen. Wir werden alles daran setzen, um weiterzukommen und in Berlin um die Krone Europas zu spielen“
Auch sein Landmann Juan Bernat war voll des Lobes: „Ein sehr schönes Los. Wir treffen da auf ein sehr großes Team mit einer der besten Angriffsreihen Europas. Wir haben nach dem 6:1 im Rückspiel gegen Porto großes Vertrauen in uns und werden alles daran setzen, nach Berlin ins Finale zu kommen.“
Lieblingsgegner der Barcelona-Profis
Barcas Trainer Luis Enrique sagte: „Das werden besondere Spiele gegen die Bayern. Es ist das erste Mal, dass ich auf Guardiola treffen und er auf den Verein. Man weiß vorher nie, ob es besser ist, sich in einer oder zwei Partien gegenüberzustehen.“
Mit dem deutschen Rekordmeister Bayern München haben die Fußball-Profis des FC Barcelona nach Medienberichten ihren Lieblingsgegner fürs Champions-League-Halbfinale zugelost bekommen. Wie die katalanische Zeitung „Sport“ am Freitag schon vor der Auslosung unter Berufung auf Spielerkreise berichtet hatte, ziehen die Profis um die Stars Lionel Messi, Andrés Iniesta und Gerard Piqué das Team ihres Ex-Trainers Pep Guardiola in erster Linie deshalb vor, weil dieser einen offensiven Stil pflege.
Den meisten Barcelona-Fans wäre zwar ein Duell gegen das als schwächer eingeschätzte Team von Juventus lieber gewesen, aber die Barça-Spieler seien der Meinung, dass die Italiener ein sehr harter und „unbequemer“ Gegner gewesen wären. Erzrivale Real Madrid sei unterdessen sowohl bei den Fans als auch bei den Spielern von Barcelona auf jeden Fall der unbeliebteste Gegner gewesen, hieß es.
Beim FC Barcelona sei man auch davon überzeugt – so „Sport“ – dass die Bayern unter anderem auch aufgrund der langen Verletztenliste im Halbfinale leichter zu bezwingen seien als beim Finale am 6. Juni auf deutschem Boden in Berlin. Zudem wollten die Katalanen Revanche nehmen für das blamable Halbfinal-Aus vor zwei Jahren, als sich die Bayern mit einem Gesamtergebnis von 7:0 durchsetzten.
Im Halbfinale der Europa League bekommen es der deutsche Nationalspieler Mario Gomez und der AC Florenz mit dem spanischen Titelverteidiger FC Sevilla zu tun. Florenz muss am 7. Mai zunächst bei den Andalusiern, die im laufenden Wettbewerb Borussia Mönchengladbach ausgeschaltet hatten, antreten.
Eine Woche später folgt das Heimspiel in der Toskana. Gomez hatte Florenz beim 2:0-Sieg im Viertelfinal-Rückspiel gegen Dynamo Kiew in Führung gebracht.
Im zweiten Duell stehen sich Wolfsburg-Bezwinger SSC Neapel und der ukrainische Club Dnjepr Dnjepropetrowsk gegenüber. Neapel hatte Wolfsburg am Donnerstag mit einem 2:2 ausgeschaltet, nachdem die Italiener das Hinspiel 4:1 gewonnen hatten. Das Endspiel wird am 27. Mai in Warschau ausgetragen.
dpa



