Gezockt wurde an jenem 31. März 1990 noch in zwei Währungen. Exakt 653.000 Mark der DDR und 495.000 D-Mark wurden damals umgesetzt. Die Leitungen für das vor 25 Jahren erstmals durchgeführte elektronische Wetten hingen über den Bäumen hinter den imposanten, aber nicht mehr ganz taufrischen Tribünen der Galopprennbahn Hoppegarten.
Arthur Boehlke, damals Direktor des VEB Vollblutrennbahnen, telefonierte aus einer öffentlichen Zelle am Bahnhof Zoo „mit mehreren Rollen D-Mark-Stücke im Mantel“ sowohl mit Trainern als auch mit Funktionären, um das Großereignis zu realisieren. „Wir hatten bei uns auf der Bahn kein Telefon, das in den Westen ging“, erinnert sich der heute 75-Jährige.
Einer, dem dieser „Deutsch-Deutsche Renntag“ ebenfalls noch bestens in Erinnerung ist, will auch am Ostersonntag – dem traditionellen Saisoneröffnungstermin der Bahn vor den Toren Berlins – wieder eine herausragende Rolle übernehmen.
Für Peter Schiergen, mit weit über 1000 Siegen sowohl als Jockey als auch als Trainer eine Ausnahmeerscheinung, hat das Datum nach wie vor eine besondere Bedeutung. „Ich bin einen Tag vorher angereist und durfte das gesamte Gelände abreiten. Es war gigantisch. Für mich bleibt es der beeindruckendste Renntag, den ich je erlebt habe“, so der 50-Jährige. Seine vier Starts endeten vor fast 30.000 Zuschauern mit vier Siegen.
Elf Renntage in der Saison 2015
Ein Vierteljahrhundert später gehört einem von ihnen die Bahn. „Ich freue mich besonders auf diese Saisoneröffnung mit diesem Jubiläum. Damals habe ich sicher nicht im Traum an einen Kauf gedacht, aber mein Interesse an der Bahn war echt geweckt. Da spielte sicher auch die besondere Atmosphäre eine Rolle“, blickt Gerhard Schöningh zurück. Der 53-Jährige, damals wirklich nur Besucher, ist seit 2008 Eigentümer.
Für 2015 stehen elf Renntage auf dem Hoppegarten-Programm. In der Ära Schöningh sind die Rennpreise von 412.776 Euro 2008 auf für dieses Jahr zu erwartende 1,3 Millionen Euro gestiegen, die Zahl der Besucher von 41.050 (2008) auf 77.300 (2014). „Ich freue mich in fast allen Bereichen über einen steigenden Trend. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht noch reichlich Nachholbedarf gibt“, sagt der gebürtige Krefelder.
„Das Kernstück unserer Saison bilden vier Rennen der Europa-Gruppe. Herausragend ist der 125. Große Preis von Berlin am 8./9. August mit einer Dotierung von 175.000 Euro“, sagt Schöningh. Der Doppelrenntag soll ein besonderer Anreiz für ausländische Starter sein. „Zwei Tage machen für alle die Anreise attraktiver. Bei fast gleichen Kosten winken doppelt so viele Startchancen. Dazu kommt, dass auch Berlin als Großstadt lockt. Wir sehen so ein Zwei-Tage-Meeting als langfristigen Bestandteil in unserm Rennprogramm“, so der Bahnchef.
Lacy ist klare Favoritin
Weitergeführt wird das 2013 begonnene Denkmalförderprogramm. „Da werden pro Jahr rund 800.000 Euro in die Anlage investiert, je zu einem Drittel vom Bund, vom Land Brandenburg und mir.“ Momentan wird die zweite Haupttribüne inklusive des großen Festsaales komplett saniert.
Sportlicher Höhepunkt am Ostersonntag (Einlass 12 Uhr, Beginn 14 Uhr) ist der Preis zum „Deutsch-Deutschen Renntag“. Für Peter Schiergen, der sich über die Distanz von 1600 Metern für seine vierjährige Stute Sovalla „einen Platz zwischen zwei und vier“ ausrechnet, ist Lacy die klare Favoritin.
Die vierjährige Stute wird von Alexander Pietsch geritten. Im Sattel von Sovalla sitzt der momentan vielleicht beste deutsche Jockey. Andrasch Starke ist vor wenigen Tagen aus Japan zurückgekehrt, wo er über den Winter zehn Siege erringen konnte. Insgesamt messen sich 76 Vollblüter in acht Rennen.
Diesmal reiten Schiergens Söhne
Neben seinem Job als Trainer ist Peter Schiergen auch als Vater gefragt. Sohn Dennis, 20, geht im zweiten, vierten und achten Rennen an den Start, sein drei Jahre jüngerer Bruder Vinzenz versucht sein Glück in Rennen drei und fünf. „Es macht schon Spaß, seinen Kindern zuzuschauen, aber ich bin dabei auch nervös“, gesteht Schiergen.
Trotzdem trennt er Job und Familie, sobald einer seiner Söhne als Konkurrent zu einem von ihm trainierten Pferd in ein Rennen geht. „Anders würde es ja keinen Sinn machen. Läuft ein Rennen, stehen für mich mein Pferd und dessen Besitzer an erster Stelle“, so Schiergen, der dennoch kein großer Fan von Familien-Duellen ist.
2015 werden in Hoppegarten 138 Vollblüter trainiert. Der erfolgreichste unter den sieben Profitrainern ist Roland Dzubasz, der 2012 mit 59 Siegen das Trainer-Championat nach Berlin geholt hatte. 2014 sicherte er sich Platz vier (45 Siege). Für Sonntag hat der 46-Jährige zehn Pferde – darunter New World im Hauptrennen – vorbereitet.



